14.03.2015, 08:04 Uhr

Pow! Fake oder echt? DSDS 2015: Was ist JayJay Jackpots Geheimnis?


Berlin. JayJay Jackpot wird dank DSDS 2015 und der „Bild“ zum Star. Wer sie wirklich ist, weiß keiner. Warum macht ihr Management ein Geheimnis daraus, ob JayJay echt ist – oder ein Fake?

DSDS 2015 macht JayJay Jackpot vom Internetphänomen zum Fernsehstar. Die „Bild“ hat sie jetzt auch unter Vertrag. Dabei weiß niemand, wer die Blondine überhaupt ist. Ist sie echt oder fake? Das Management verheimlicht es bewusst. (Verliebt in der falsches Mädchen – Alles über Marcelos DSDS-Hit lesen Sie hier, samt Songtext zum Mitsingen.)

Durch DSDS und „Bild.de“ zum Star

Ihre ersten Nonsens-Videos hat JayJay Jackpot über Facebook in die Welt gesetzt; später kam YouTube dazu. Die virale Verbreitung verdankt sich dem Kurznachrichten-Dienst What‘s App, auf dem ihre Kurzspots weiterverbreitet werden. In der aktuellen Staffel von DSDS hat der Star des Bildungsprekariats sich zum ersten Mal aus der digitalen Welt in ein Traditionsmedium gewagt. Wann immer es passt, blendet RTL jetzt Videoclips ein, in denen JayJay Fachbegriffe wie Klangfarbe uns Sounddesign hemmungslos falsch erklärt. Die „Bild“ war von dem Konzept so angetan, dass sie JayJay ihrerseits als „Eklär-Blondine“ bucht. Auf „Bild.de“ erklärt JayJay nun, was Katar ist. „Der Mann-Name von Katharina.“

Wie erobert JayJay so attraktive Plattformen?

Auf einen Schlag in der „Bild“ und bei RTL präsent zu sein, ist der sicherste Weg, um zur medialen Marke zu werden. Über den guten Start freut sich nicht nur JayJay selbst, sondern auch ihr Manager Carlo Vista – der Mann, der schon hinter dem Erfolg von Sarah Connor stand. Mit dem doppelten Engagement bei gleich zwei großen Medienkonzernen kehrt JayJay gerade munter das Selfmade-Konzept der YouTube-Szene um. Die meisten Internet-Stars entwickeln ihre gigantische Reichweite allein über virale Verbreitung im Netz. In Fernsehen und der Presse bleiben sie entweder unsichtbar – oder kommen erst dann zum Zug, wenn mit ihrem Namen zugleich die jugendliche Zielgruppe eingekauft werden soll. JayJay ist einer der wenigen Web-Stars, die ihren digitalen Erfolg schon im frühen Stadium über die traditionellen Medien antreiben. (Weiterlesen: Was verdient Pietsmiet am McDonald‘s-Burger? Alles aus der Welt der YouTuber auf unserer Themenseite.)

Wie erfolgreich ist JayJay im Netz?

Bei YouTube hat JayJay Jackpot gut 40.000 Abonnenten; ihre Videos wurden vier Millionen mal abgerufen – auch dank eines Facebook-Accounts mit 180.000 Fans. Das ist ein schöner Erfolg, aber weit entfernt vom Hype. Deutsche YouTuber wie Gronkh, Y-Titty oder Pietsmiet erreichen mit bis zu dreieinhalb Millionen Abonnenten Abrufe im Milliardenbereich. Der Online-Dienst socialblade.com listet JayJay auf Platz 35.187 der YouTuber mit den weltweit meisten Abonnenten. Gronkh schafft es unter die Top 300 – obwohl er wie JayJay nur im deutschsprachigen Raum verstanden wird.

Welche Videos sind JayJay Jackpots erfolgreichste?

JayJays Erfolg bei YouTube verdankt sich ihrem parodistischen Talent: Sie gibt sich als Guru aus; darunter versteht man bei YouTube selbst ernannte Experten, die über mit Mode- und Kosmetik-Tutorials Alltagshilfe bieten. Das tut auch JayJay. Nur lässt sie keinen Zweifel daran, dass sie Unsinn erzählt – zum Beispiel wenn sie Wackelpudding mithilfe von Gummibärchen und einer Mikrowelle herstellt. Zwei Themenkomplexe rangieren in der Beliebtheitsskala ihrer Videoabrufe ganz oben: anstößige Körperpflege („Ich baue mir selber OBs“) und alle Aspekte ihrer vermeintlichen Dummheit („Wieso sagt ihr, dass ich dumm bin?“).

Ist JayJay Jackpot so dumm, wie sie tut?

Natürlich nicht. JayJay ist unverkennbar eine erfundene Persönlichkeit. Viele User beschäftigt die Frage ihrer mangelnden Intelligenz trotzdem so intensiv, als wäre das alles real. In Kommentaren wird JayJay für ihre Naivität erst beschimpft und dann wieder verteidigt. Ein Fan weist sogar in einem Enthüllungsvideo nach, dass ihre Dummheit inszeniert ist – und holt damit so viele Klicks wie JayJays beste eigene Clips. Und in der digitalen Gerüchteküche ist immer wieder von einem nicht mehr verfügbaren Video die Rede, in dem JayJay selbst ihren Auftritt als Trick erklärt – über den sie der Internet-Gemeinde den Spiegel vorhalten will.

Wofür steht JayJay Jackpot?

„Pow!“ Die Erkennungsformel am Ende jedes Videos ist das i-Tüpfelchen von JayJays Nonsens-Weisheiten: Hier redet jemand nicht nur gewaltigen Mist; er verkauft er es auch noch als geistigen Volltreffer. Wer auch immer die Frau hinter JayJay ist – ihre Kunstfigur gibt der digitalen Dummheit damit ein Gesicht. Mit demselben starren Tunnelblick, mit dem JayJay ihre Weltsicht verbreitet, trollen sich schließlich Tag für Tag Millionen durchs Netz und posten selbstgerechte Kommentare bei Facebook. Gespielte Dummheit als Markenzeichen: Das passt auch zu den neuen Foren von JayJay Jackpot. Bei RTL und der „Bild“ gibt sie blöden Menschen das gute Gefühl, dass es immer noch einen Blöderen gibt. Bei DSDS scheint sie umso häufiger aufzutauchen, je weniger bizarre Kandidaten RTL noch für das Endlos-Casting der zwölften Staffel auftreibt. Warum wollen alle JayJay sehen? Weil sie einen Menschen darstellt, auf den man selbst vom untersten Niveau aus noch herabblicken kann. (Weiterlesen: Die Lyrics zum Song „Is mir egal!“ von Kazim Akboga)

Ist JayJay Jackpot die Rapperin Essence?

Den YouTube-Kanal von JayJay Jackpot gibt es schon seit 2008; allerdings ist hier kein Video mehr verfügbar, das älter als drei Monate wäre. Was immer sie vorher getrieben hat, ist gelöscht. Immer noch sichtbar ist der User-Name, unter dem YouTube JayJay führt: Celleressence. Das bezieht sich auf die Zeit, in der JayJay unter dem Künstlernamen Essence noch in der Hannoveraner Gangster-Rap-Szene unterwegs war. Den Namen trägt sie am Handgelenk auch als Tattoo. Im ältesten noch vorhandenen YouTube-Clip sagt JayJay sich von den Rap-Homies los und kündigt den Umzug auf eine neue Facebook-Seite an: die Geburtsstunde der wahren JayJay Jackpot. Ganz lassen sich die Spuren der Vergangenheit aber nicht löschen: Musik-Videos von Essence kann man immer noch googeln. Genau wie ein Interview, das JayJay im Neustädter Pizza Flitzer dem „TV Strassensound“ gegeben hat – dem gegenüber sie auch über ihre neue Karriere als welterklärender Lady-Proll Auskunft gibt.

Die wahre Identität von JayJay soll geheim bleiben

Wer ist JayJay Jackpot denn nun wirklich? Wie heißt sie? Wie sieht sie selbst ihre Kunstfigur? Und wie ist sie bloß so schnell in die Medien gekommen? Carlo Vista, JayJays Manager, muss es wissen – aber er verrät es nicht. Eine Anfrage nach Informationen zu der Frau, die gerade durch DSDS und Bild zur Marke wird, beantwortet er mit dem Hinweis, es sei „zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh, um den Menschen hinter JayJay Jackpot zu beleuchten“. Wir bleiben gespannt. (Dieter Bohlen: Jury-Sex-Talk mit Mandy Capristo. Wie weit geht er noch?)

Alle Glanzmomente von Jury und Kandidaten auf unserem DSDS-Themenportal.


Fernsehstars aus dem Netz

JayJay Jackpot ist nicht der erste Star, der aus dem Netz ins Fernsehen wechselt. Diese Promis haben ihren Weg schon hinter sich:

In der Web-Show „Ehrensenf“ wirbelte Katrin Bauerfeind (*1982) die Buchstaben des Begriffs Fernsehens durcheinander. Seit 2007 macht sie selbst TV. Für die ARD moderiert sie das Magazin „Polylux“, Harald Schmidt holt sie ins Team seiner Late-Show. Bei alledem ist Bauerfeind so erfolgreich, dass ihr 3sat-Pop-Magazin seit Jahren ihren Namen trägt: „Bauerfeind“.

Eine der „Ehrensenf“-Erbinnen Bauerfeinds ist Jeannine Michaelsen (*1981). Das Fernsehpublikum kennt sie aus dem „Duell um die Welt“ mit Joko und Klaas oder als Moderatorin der Vox-Show „Sing meinen Song“. Pech hatte sie mit der „Millionärswahl“: ein kostspieliger Sat1-Flop.

Als Freshtorge (*1988) unterhält Torge Oelrich mit seiner Comedy mehr als eine Million YouTube-Fans. Was für ein Entertainment-Machtfaktor man damit ist, erprobt er 2013, als er einen eigenen Song komponiert, um der DSDS-Siegerin die Charts zu versperren. Beatrice Eglis Nummer-1-Hit verhindert er nicht. Heute kämpft er nicht mehr gegen das Fernsehen, sondern im Fernsehen für seinen Musik-Geschmack: als ESC-Berichterstatter im Auftrag des NDR.

Auf YouTube hat Sami Slimani (*1990) über eine Million Abonnenten; nach Videoabrufen sein seine Videos allerdings auf Rang 76 der meistgesehenen deutschen Kanäle abgerutscht. Bei VIVA hat er die Top 100 dafür im Griff – als Moderator.

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