09.02.2015, 05:39 Uhr

4K in Deutschland Ultra HD: Technik ohne Inhalte

4K und UHD werden auch in Deutschland viel beworben – dabei gibt es kaum Quellen für den neuen Standard. Und daran wird sich in nächster Zeit auch nichts ändern. Bei der Technikmesse CES hatte trotzdem jeder Hersteller neue Ultra-HD-Fernseher im Gepäck. Foto: Imago4K und UHD werden auch in Deutschland viel beworben – dabei gibt es kaum Quellen für den neuen Standard. Und daran wird sich in nächster Zeit auch nichts ändern. Bei der Technikmesse CES hatte trotzdem jeder Hersteller neue Ultra-HD-Fernseher im Gepäck. Foto: Imago

Osnabrück. Glaubt man den Fernsehherstellern, führt an Ultra HD, oder 4K, kein Weg mehr vorbei. Dabei gibt es kaum Inhalte für den neuen Übertragungsstandard. Und daran wird sich in nächster Zeit auch nichts ändern.

Noch schärfer, noch brillanter, noch detailreicher – all das verspricht die Werbung für UHD-Fernseher. Auf dem Papier stimmt das zunächst. Immerhin bietet das beworbene Format mindestens viermal so viele Bildpunkte wie Full-HD. Für Professor Peter C. Slansky von der Hochschule für Fernsehen und Film München handelt es sich bei UHD nur um einen „aktuellen Hype“. Zu groß seien die nötigen Investitionen, um die Produktion von HD auf UHD umzustellen, und die Datenmengen, die der neue Standard bei flächendeckender Übertragung mit sich brächte. Slansky sieht UHD „auf mittlere Sicht, zumindest in Europa, nicht als neuen Standard, sondern als Spezialanwendung“, sagte er unserer Redaktion.

Nur ein Kaufanreiz?

Das Werben für das noch hochauflösendere Seherlebnis hat seiner Meinung nach einen ganz bestimmten Hintergrund: Da 3-D den TV-Herstellern „kein signifikantes Zusatzgeschäft gebracht hat, soll jetzt UHD die bereits eingetretene Marktsättigung bei den Displays aufbrechen.“ Laut den Marktforschern von Statista waren die Verkäufe von Flachbildschirmen zwischen 2006 und 2011 von drei auf 9,5 Millionen Geräte pro Jahr gestiegen. 2014 wurden aber nur noch 7,9 Millionen Geräte verkauft. Ist UHD also nur ein Impuls für Neukäufe? Auf den Prioritätenlisten der deutschen TV-Sender steht es jedenfalls nicht besonders weit oben. (Lesen Sie weiter: Wann steigen deutsche TV-Sender auf Ultra HD um?)

Sky als Vorreiter

Bislang hat nur der Pay-TV-Sender Sky einige Sendungen in UHD-Auflösung gefilmt und ausgestrahlt. Bei der Live-Übertragung eines Konzerts im Dezember 2014 wurde erstmals eine Ultra-HD- und eine HD-Produktion in einem realisiert. Nur so kann die Produktion in Zukunft funktionieren. Bis dahin waren zwei komplette Teams im Einsatz: Eins für die HD-Produktion, eins für die UHD-Produktion. „Dies war ein wichtiger Schritt auch hinsichtlich des Aufwands und der Kosten“, sagte Stephan Heimbecher, bei Sky Deutschland für Innovationen und Standard zuständig. Sky betreibt auch einen 3-D-Sender. „Mit der Nutzung unseres 3-D Angebots sind wir sehr zufrieden“, sagte Heimbecher. Genaue Zugriffzahlen nennt er nicht. Dennoch will der Sender auch beim Thema Ultra HD Vorreiter bleiben. Ziel sei der UHD-Regelbetrieb. Der Zeitpunkt dafür ist jedoch völlig offen.

Von Markteinführung „weit entfernt“

Noch zurückhaltender sehen die öffentlich-rechtlichen Sender den Standard. „Derzeit und auch mittelfristig“ gebe es keine Pläne für die Einführung von UHD, sagte ARD-Sprecherin Ilka Steinhausen. Auch beim ZDF sei man von der Markteinführung „noch weit entfernt“, sagte Sprecherin Regina Henrich-Dieler. Bei den Privatsendern sieht man das ähnlich. „Bei 4K können wir im Moment noch keine seriöse Prognose abgeben, wann das Thema tatsächlich marktrelevant wird“, sagte Jasmin Mittenzwei, Sprecherin der ProsiebenSat.1-Gruppe. Thomas Harscheidt, Mitglied der Geschäftsleitung Mediengruppe RTL Deutschland, ist immerhin sicher, das UHD relevant werde. Das macht einen 4K-Fernseher aber noch lange nicht zum Pflichtkauf.


Ultra HD, oder UHD, steht für Ultra High Definition. Dabei handelt es sich um einen hochauflösenden Übertragungsstandard und den Nachfolger von Full HD. UHD ist unterteilt in die Auflösungen 4K, mit 3840 x 2160 Bildpunkten (UHD-1), und 8K 7680 x 4320 Bildpunkten (UHD-2), auch Pixel genannt.

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