12.01.2015, 16:37 Uhr

Staffel acht der Erfolgsserie „Bergdoktor“ Hans Sigl: Es wird mega-dramatisch


München. Er gehört zu den deutschen Fernsehlieblingen. Dass die ZDF-Serie „Der Bergdoktor“ sich mittlerweile als fester Quotengarant etabliert hat, ist maßgeblich auch auf Hauptdarsteller Hans Sigl zurückzuführen. Ein Gespräch über die neue Staffel (die am 8. Januar angelaufen ist), die Musik zum Vorspann, den alten Bergdoktor-Mercedes und die Pläne für 2015.

Herr Sigl, wie viele Drehtage stehen für die achte Bergdoktor-Staffel zu Buche?

129 Drehtage für die acht Sommerfilme, dazu kommen noch 21 Drehtage für das Winterspecial. Also insgesamt 150 Drehtage, aber ich durfte nicht immer mitspielen (schmunzelt). Da war nicht mehr viel Platz für andere Aktivitäten.

Dennoch waren Sie in 2014 auch in verschiedenen Unterhaltungsshows zu sehen.

Das hat sich so ergeben. Durch die Ballung und Ausstrahlung von Staffel sechs und sieben, sprich 13 mal 90 Minuten in Folge, ist die Aufmerksamkeit sehr gesteigert worden. Ich wurde dann zu verschiedenen spaßvollen Veranstaltungen eingeladen. Das habe ich gerne gemacht, und meistens ist auch noch etwas für den guten Zweck herausgesprungen.

Sie haben gemeinsam mit Sandra Maischberger und Klaas Heufer-Umlauf die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises moderiert. Eine Veranstaltung, die in der bisherigen Form ja nicht mehr stattfinden soll.

Genau.

Ein Format, das aus Ihrer Sicht unbedingt bestehen bleiben sollte?

Ich finde, ja – und es sollte noch ausgedehnt werden. Man muss natürlich grundsätzlich darüber nachdenken, wie man sich in der Branche bepreist beziehungsweise welche Formate ausgezeichnet werden. Unterm Strich wird es immer eine Preisverleihung bleiben – jemand tritt auf die Bühne, wird ausgezeichnet und geht wieder runter. Die Frage nach der Grundkonstellation ist entscheidend.

Nörgler wird es ja immer geben.

Ich habe immer gedacht, dass branchenintern der Österreicher am meisten nörgelt und grantelt. Aber: Die deutschen Nörgler sind den österreichischen noch einen Schritt voraus.

Sind Sie eigentlich enttäuscht, dass es 2014 mit dem Publikums-Bambi für den Bergdoktor nicht geklappt hat?

Nein. Es war eine Ehre und große Freude, nominiert zu sein. Die Kollegen von „In aller Freundschaft“ sind vom Arbeitsaufwand her schon sehr viel länger dran als wir. Sie haben den Preis zu Recht verdient.

Zurück zum Bergdoktor. Wenn Musiker ein neues Album vorstellen, ist es meistens das beste Album überhaupt. Würden Sie bei der neuen Bergdoktor-Staffel auch von der besten Staffel überhaupt sprechen?

Ja. Jede Staffel in sich hat aber ihre Berechtigung in dem Sinne, dass wir zu dem Zeitpunkt, als wir sie jeweils gedreht haben, alles immer zu 100 Prozent so gemeint haben. Im Laufe der Zeit haben wir uns auch vom Look, von der Kameratechnik oder von der Art und Dramaturgie der Geschichten her entwickelt. Insofern sind wir jetzt an dem Punkt, wo wir die meisten Erfahrungen der letzten Staffeln einbauen konnten. Dass wir seit drei Jahren die 90-Minuten-Filme machen, ist ja auch eine Folge der Weiterentwicklung. Wir haben zur achten Staffel einen neuen Vorspann bekommen. Den haben wir sehr mühe- und lustvoll erstellt. Dadurch präsentieren wir ebenfalls einen neuen Look.

„Patience“ von Take That – der Song zum bisherigen Vorspann bleibt aber?

Ja, der bleibt. Regisseur Axel Barth, der für den Vorspann verantwortlich zeichnet, hat einmal den kruden Vorschlag in die Runde geworfen, über eine andere Musik nachzudenken.

Warum krude?

Wir hatten eine Einladung des Bergdoktor-Fanclubs in Ellmau. An diesem Abend hatten viele Gitarren mit – und sie haben miteinander den Song „Patience“ gesungen. Der Regisseur hat gesehen, was dieser Song bei den Fans auslöst. Ergebnis: Wenn wir diese Musik killen, dann sind wir verloren. Diese Musik ist schon sehr passend. Und wenn man den Song im Radio hört, dann denkt man an den Bergdoktor.

Welche andere Musik hat Axel Barth denn ins Spiel gebracht?

Noch gar keine. Konkret war da noch nichts. Aber als er die Fans gehört hat, war der Fall ja ohnehin erledigt. Ich persönlich würde eine neue Musik auch nicht gut finden, weil der Song seit sieben Jahren dazugehört. Das Gefühl dieses Liedes passt schon sehr gut zur Serie.

Axel Barth ist auch Ihr Lieblingsregisseur?

Er ist unser Hauptregisseur. In der neuen Staffel zeichnet Felix Herzogenrath als Regisseur für das Winterspecial verantwortlich, Axel Barth für sechs Folgen und Oliver Dommenget für die Filme sieben und acht. Bei solch einer Serie ist es zeitlich und logistisch nicht machbar, dass nur ein Regisseur verantwortlich ist. Wenn das so wäre, würde Axel Barth vielleicht die nächsten drei Jahre mit mir durchdrehen. Wir haben am Set sehr viel positive Energie miteinander. Axel Barth hat auch den zunächst sehr empathisch geladenen Dr. Martin Gruber etwas entkernt, indem diese Figur zum Beispiel bei der Vermittlung einer Diagnose nicht mehr so viel mitleidet. Die Empathie hat sich verlagert auf die fachliche Kompetenz, auf Klarheit und Gradlinigkeit.

Ansonsten haben Sie aber auch viele Freiheiten, wenn es zum Beispiel um die Auslegung des Drehbuchs geht…

Ich darf mir meine Texte sehr mundgerecht machen, weil ich es ja auch glaubwürdig formulieren muss. Ansonsten halte ich mich natürlich ans Drehbuch, sonst hätte ich ein Problem – und Autoren sind ja noch sensibler als Schauspieler (lacht).

Haben Sie in der neuen Staffel besondere Kollegen oder Gäste begrüßt?

Dr. Yusuke Yahagi, ein Herzchirurg aus Texas, hat mich am Set besucht – der Herzchirurg, der durch das Anschauen unserer Serie seine Deutschkenntnisse verbessert.

Und nun darf er auch in einer Folge mitspielen?

Das würde ich gerne wollen, was auch beim Produzenten und Redakteur gut angekommen ist. Ich hoffe, dass es im nächsten Jahr klappt. Dr. Yahagi hat uns ja auch ein sehr langes Treatment geschrieben, in dem er sich in die Serie reingeschrieben hat (schmunzelt). Ich würde es sehr begrüßen, wenn wir in der nächsten Staffel eine Herz-OP miteinander machen könnten.

In der achten Staffel hat er aber schon mal eine Komparsenrolle bekommen?

Er war ja am Set. Da haben wir ihn gleich als Arzt angezogen und durchs Bild laufen lassen. Er musste nicht sprechen, hat aber beim Vorbeigehen ein „Guten Morgen“ eingefügt, weil er zeigen wollte, dass er schon gut Deutsch sprechen kann (lacht). Ich weiß nicht, ob dieses „Guten Morgen“ in der Folge noch zu hören ist, aber sehen wird man ihn in jedem Fall. Wir sind uns sehr sympathisch, eine außergewöhnliche Begegnung – und ich hoffe, dass die Kollegen etwas für die neue Staffel hinbekommen.

Der in die Jahre gekommene grüne Mercedes bleibt auch in der neuen Staffel das Fahrzeug des Bergdoktors?

Absolut. Martin Gruber hat in der ersten Folge Geburtstag. Und was bekommt er von den Familienangehörigen geschenkt? Er bekommt eine neue Rollmatte für sein Auto und freut sich sehr darüber.

Ist es überhaupt denkbar, dass dieses Fahrzeug ausgetauscht wird?

Auf keinen Fall. Das geht nicht. Wenn das Auto eingeht, dann ist es vorbei.

Wird dieses Fahrzeug zwischendurch eigentlich gewartet?

Ja. Der Wagen ist vollgestopft mit Elektronik, der sieht ja nur von außen alt aus. Wir haben einen V8-Zylinder eingebaut, eine Sitzheizung – da ist alles drin. Das Auto ist völlig gepimpt, ausgestattet mit zahlreichen Bildschirmen. Wahnsinn!

Mit welchen Krankheitsbildern werden wir es in der neuen Staffel zu tun bekommen?

Da ist grundsätzlich alles dabei. Wir haben Hodgkin, Nierentransplantationen, Alzheimer, MS. In dieser Hinsicht haben wir uns etwas in die Richtung verändert, dass wir Krankheiten nicht nur mit den akuten Momenten erzählen, sondern uns auch sehr mit den emotionalen Aspekten befassen. Wie geht die Familie damit um? Was spiegelt sich bei Dr. Gruber wider, wenn er sich damit auseinandersetzen muss?

Gibt es dramatische Todesfälle, was dürfen Sie uns verraten?

Ich darf nichts verraten. Aber es wird mega-dramatisch, insbesondere die Folge fünf, ein sehr berührender Film.

Wird Dr. Gruber heiraten?

Hätten Sie das gerne?

Nein, eigentlich nicht.

Ist nicht wünschenswert, oder? Ich glaube, es ist auch karmisch bei ihm nicht angelegt. Da ist Dr. Grubers Bruder Hans eher der Typ fürs Heiraten. Er sucht schon sehr die Stabilität. Aber lassen Sie sich überraschen.

Und wie sieht es mit der Freundschaft von Dr. Martin Gruber und seinem besonderen Serienfreund Dr. Alexander Kahnweiler (Mark Keller) aus?

Es kommt dazu, dass die beiden zusammenziehen.

Nein – wirklich?

(lacht) Ja. Martin Gruber muss mal kurz bei ihm Unterschlupf finden. Warum, das wird sich dann erweisen.

Ihr Ausblick 2015?

Wir werden die neunte Bergdoktor-Staffel produzieren. Darüber hinaus werde ich im März für das ZDF eine Komödie drehen, die wir gerade entwickeln. Es wird eine Buddy-Komödie für den Mittwochabend, mal etwas anderes. Eine absolut leichtfüßige und schnelle Komödie. Was sonst noch dazwischen möglich ist – schauen wir mal.


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