14.12.2015, 09:15 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Weihnachtskultfilm Sechs Fakten zu „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“


Osnabrück. „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist der Weihnachtsklassiker schlechthin im deutschen Fernsehen. Doch eigentlich sollte der Film im Sommer spielen. Warum er zum Winterfilm wurde und weitere verblüffende Fakten zum Klassiker, lesen Sie hier:

Was für eine Heldin: Anstatt brav und artig auf den Prinzen zu warten, der sie aus ihrem Elend befreit, reitet Aschenbrödel schnell wie der Wind, trickst Stiefschwester und die böse Stiefmutter aus und kann sogar besser mit Pfeil und Bogen umgehen als der Königssohn. Immer zu Hilfe dabei sind ihr Pferd Nikolaus, Eule Rosalie und Hund Kasperle. Und am Ende gibt es dann ein Happy-End. Keine Frage: Die tschechisch/ostdeutsche Koproduktion „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ hat sich zum deutschen Weihnachtskultfilm entwickelt und läuft selbst in diesem Jahr an die diverse Male im Fernsehen.

Kein Sommermärchen

Umso kurioser, dass der 1972/1973 in der damaligen DDR und in Tschechien gedrehte Film eigentlich im Frühling und Sommer spielen sollte: Die am Film beteiligte deutsche Film AG (DEFA) wollte jedoch, dass ihre Arbeiter auch im Winter beschäftigt werden, da sie im Sommer schon ausgelastet waren. Regisseur Václav Vorlíček ließ daraufhin das Drehbuch auf Winter umschreiben – und Aschenbrödel konnte durch den Schnee reiten. Wobei der Schnee auf sich warten ließ ...

Bäume mit angeklebtem Schnee

Im Winter 1972/1973 wurde gedreht – doch in der DDR fiel nicht eine Flocke Schnee. Für den Dreh an der sächsischen Moritzburg wurden daraufhin die Bäume bis zu einer bestimmten Höhe mit Kunstschnee beklebt und die Straßen vollgesprüht. Ganz anders hingegen die Situation in Tschechien: Hier war soviel Schnee gefallen, dass das gesamte Team beim großen Tauen kurze Zeit später in der Matsche stand. (Noch so ein Weihnachts-Klassiker: Sechs Fakten zu „Der kleine Lord“)

Fernsehballett tanzt im Ballsaal

Die Ballszene hingegen war von den Wetterkapriolen ausgenommen: Sie wurde in den Babelsberger Filmstudios bei Berlin gedreht. Die Tänzer waren daher überwiegend ostdeutscher Herkunft, viele von ihnen Mitglieder des Fernsehballetts.

Maul- und Klauenseuche

Problematisch war auch ein Ausbruch der Maul und Klauenseuche während der Dreharbeiten: Die an ihre Schauspieler gewöhnten Pferde durften nicht aus Tschechien nach Deutschland transportiert werden. Also musste hier für Ersatz gesorgt werden und Pferdekenner können beim genauen Hinsehen erkennen, welche Szenen wo gedreht wurden.

Karel Gott sang – aber nicht im Westen

Ohne die Musik von Komponist Karel Svoboda ist „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ nicht denkbar. Noch undenkbarer wäre aber, wenn es das Lied „Wo, kleiner Vogel, ist dein Nest“ vom Schlagerbarden Karel Gott tatsächlich in die deutsche Version des Films geschafft hätte. Ein Redakteur des beteiligten WDR griff glücklicherweise ein – aber wer will, kann sich hier einmal das Lied anhören. Karel Svoboda hingegen hatte dank des Films für Jahre weitere Aufträge aus Deutschland: Er komponierte unter anderem die Musik für „Wickie und die starken Männer“, „Nils Holgerson“ und „Der fliegende Ferdinand“.

Geschmackssache ist auch den Song „Küss mich, halt mich, lieb mich“: Die deutsche Schlagersängerin Ella Endlich alias Jacqueline Zebisch veröffentlichte Weihnachten 2009 das Lied, der auf der Melodie der Originalmusik beruht.

Und was wurde aus dem Paar?

1982 traf sich das Paar aus dem Film noch einmal in dem Märchenfilm „Der dritte Prinz“. Mittlerweile hat sich Aschenbrödel Libuše Šafránková jedoch aus dem Filmgeschäft zurückgezogen. Prinz Pavel Trávníček hingegen ist immer noch aktiv als Schauspieler und tschechische Synchronstimme für Alec Baldwin und Jeff Goldblum. Zudem sorgte er im Jahr 2000 für ein Rauschen im Blätterwald, als er eine 23-Jährige als dritte Gattin wählte – und die Ehe nur ein halbes Jahr hielt.

(Hier finden Sie alle Termine, an denen 2015 das rebellische Aschenbrödel und ihr etwas töffeliger Prinz im Fernsehen zu Sehen sind)


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