18.10.2014, 16:31 Uhr

Vampir als Wirtschaftsboss Vox zeigt die Serie „Dracula“ mit Jonathan Rhys Meyers


Berlin. In der Serie „Dracula“ kooperiert der Vampir mit seinem Erzfeind Van Helsing. Vox zeigt das Format mit Jonathan Rhys Meyers und Thomas Kretschmann, das NBC nach nur einer Staffel wieder eingestellt hat, immer montags.

Van Helsing und Graf Dracula machen gemeinsame Sache. Gleich in der ersten Episode wartet „Dracula“ mit dieser verblüffenden Konstellation auf. Wenn der versierteste aller Vampirjäger und sein Widersacher einen gemeinsamen Gegner bekämpfen, muss es sich um eine wahrlich grausige Macht handeln. Hinter wem ist der Vampir also in dieser Version des mehr als 200-mal verfilmten Stoffs her?

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Warum hasst Dracula den „Orden des Drachen“?

Cole Haddon und Daniel Knauf, die Bram Stokers Figuren für die amerikanisch-britische Ko-Produktion von NBC und Sky zu Serienhelden gemacht haben, lassen Dracula gegen die Geheimorganisation „Orden des Drachen“ antreten. Seit Jahrhunderten verfolgen die Mitglieder des Ordens die Untoten; auch für den qualvollen Tod von Draculas Geliebter Ilona sind sie verantwortlich. Im London des ausgehenden 19. Jahrhunderts tritt der Vampir seinen Feinden in der Rolle eines US-Magnaten entgegen und will Rache nehmen. Zum einen, indem er dem Orden die Finanzmacht raubt und ihr Ölmonopol mit neuartigen Energien entwertet. Zum anderen auf die klassische Weise des Vampirs: mit dem gezielten Kehlbiss.

Zu Geheimbünden und wirtschaftliche Intrigen setzt auch diese Weitererzählung des klassischem Horrorroman „Dracula“ (1897) auf die Erotik der Bedrohung. In der Studentin Mina begehrt der Vampir eine Wiedergängerin seiner toten Geliebten. Bei einer Affäre mit der rätselhaften Lady Jayne geht er ausgerechnet mit der Frau auf Tuchfühlung, deren geheime Mission sein eigener Tod ist.

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„Dracula“ floppt – trotz Online-Ableger „Dracula rising“

Bei der Besetzung bauen die Produzenten auf bewährte Stars: Die Hauptrolle übernimmt Jonathan Rhys Meyers, der im Serienhit „Die Tudors“ (2007-2010) als König Heinrich VIII. zu sehen war. Den Part des Van Helsing übernimmt der deutsche Hollywoodexport Thomas Kretschmann – der zwei Jahre vorher noch die Titelrolle in Dario Argentos „Dracula 3D“ gespielt hatte.

Um das Format auch ganz sicher zum Kult zu machen, hat NBC ihm sogar die animierte Webserie „Dracula rising“ als Prequel an die Seite gestellt. Geholfen hat es alles nichts. Die Quoten der ersten zehn Episoden waren zu schlecht für eine Fortsetzung. „Dracula“ wurde nach der ersten Staffel eingestellt. Der „neue US-Serienhit“, den Vox in seiner Pressemitteilung ankündigt, ist „Dracula“ also nicht. Der Sender setzt trotzdem auf die Grusellust vor Halloween und ergänzt seinen Serienmontag ab sofort mit viktorianischer Schauerromantik. „Dracula“ läuft in den nächsten Wochen immer nach den Serien „Arrow“ und „Grimm“.

„Dracula“, Vox, 10 Episoden, immer montags, 22.10 Uhr.

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Als Bram Stoker 1897 den Schauerroman „Dracula“ veröffentlichte, schuf er zugleich eine Metapher für aktuelle Themen seiner Zeit: Angst vor der Sexualität und besonders vor dem weiblichen Begehren waren eine Reaktion auf die viktorianische Moral, das Unbehagen an der Begegnung mit dem Fremden die Kehrseite des Kolonialismus. Die fantastische Ausgestaltung der Geschichte hält sie bis heute für immer neue Lesarten offen – sodass Dracula zum populären Mythos werden konnte. Seit Murnaus „Nosferatu“ und dem „Dracula“ mit Bela Lugosi (1931) wurde der Stoff weit über 200-mal verfilmt. Eine Zahl, die sonst nur noch Sherlock Holmes erreicht.

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