20.01.2013, 19:30 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Wer guckt denn so was? Frauen, Kinder und Akademiker bescheren dem Dschungelcamp Rekordquoten

<em>Mitfiebern</em> beim Quotenprimus Dschungelcamp. Cartoon: Piero MasztalerzMitfiebern beim Quotenprimus Dschungelcamp. Cartoon: Piero Masztalerz

Osnabrück. Wer guckt eigentlich „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“? Wenn man den Kommentaren auf der Internetseite und der Facebook-Seite unserer Zeitung glauben will, niemand. „Trash-TV“, „unseriös“, „widerlich“ – das sind nur ein paar der Bezeichnungen für das TV-Format. Die Quoten sprechen eine andere Sprache: Das Dschungelcamp auf RTL ist so erfolgreich wie nie.

Nur die ZDF-Show „Wetten, dass..?“ überholte am Samstagabend mit 9,04 Millionen Zuschauern das Dschungelcamp. Die RTL-Sendung erzielte trotzdem einen neuen Rekord: 7,97 Millionen Zuschauer wollten Samstag sehen, wie sich die Prominenten im australischen Dschungel gegen Insekten und Zickereien erwehren. Das ist ein Marktanteil von 30,7 Prozent.

In der Spitze verfolgten laut RTL 8,98 Millionen Zuschauer die neunte Folge, an deren Ende Klaus Baumgart als zweiter Star das Camp verlassen musste. Der sonstige Quotenbringer am Samstagabend, die RTL-Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“, ist dagegen mit 4,75 Millionen Zuschauern abgeschlagen.

Mit der Quote vom Samstag übertrumpft sich das Camp selbst: Die Auftaktsendung am 11. Januar sahen 7,77 Millionen Zuschauer. Das war bereits ein neuer Rekord für die siebte Staffel der Reality-Show, die 2004 das erste Mal in Deutschland ausgestrahlt wurde.

Die Ekel-Show mag immer noch umstritten sein, trotzdem hat sie es zum unschlagbaren Mainstream-Format gebracht. Das Moderatoren-Duo Sonja Zietlow und seit diesem Jahr Daniel Hartwich als Ersatz des verstorbenen Schauspielers und Moderators Dirk Bach kommentiert gewohnt bissig das Geschehen im Camp. Die Prüfungen sind weiterhin ekelig, vor allem das Verspeisen von Insekten und anderem Getier. Die Zickereien zwischen den prominenten Camp-Bewohnern werden wie üblich medienwirksam in Szene gesetzt. Doch bei aller Quotenliebe: Wer tut sich das eigentlich an?

An erster Stelle: die Frauen. Laut den Marktforschern von Media Control sind vor allem Frauen für die guten Werte verantwortlich. Eine halbe Million weibliche Zuschauer mehr verzeichnet das Dschungelcamp in diesem Jahr – das bedeutet einen Anstieg von 14 Prozent. Zum Vergleich: 2012 sahen 3,57 Millionen Frauen ab 14 Jahren das Camp, das ist ein Marktanteil von 24,9 Prozent.

Es gibt aber eine Gruppe, bei der die Sendung noch beliebter ist: Kinder beziehungsweise Jugendliche. 210000 Mädchen zwischen drei und 13 Jahren (Marktanteil: 55,0 Prozent) schalten laut Media Control abends ein. Zusammen mit den 14- bis 19-jährigen Frauen (56,6 Prozent) bilden sie die größte Gruppe, die das Camp sehen. Die Männer hingegen haben von 2012 auf 2013 keinen nennenswerten Zuwachs verzeichnen können. Aktuell sehen 2,70 Millionen Männer die Sendung, im Jahr 2012 waren es 2,69 Millionen.

Überraschend mag die dritte Gruppe sein, die sich täglich für das Geschehen im Camp interessiert: die Akademiker. Vom „Unterschichtenfernsehen“ könne man also laut Dschungelcamp-Autor Jens Oliver Haas nicht allein reden. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärt er, dass die Sendung den höchsten Anteil an Akademikern im gesamten RTL-Programm habe. Daher würden er und Autor Micky Beisenherz nicht nur die üblichen Schenkelklopfer schreiben, sondern auch Intellektuellenwitze. Den Erfolg der Sendung sieht er deswegen auch in der Moderation beziehungsweise in den Witzen, die er und Beisenherz schreiben.

Frauen, Kinder, Akademiker: Die Faszination des Dschungelcamps ist auch bei der siebten Staffel ungebrochen. Allein der Quote wegen dürfte eine achte Staffel mehr als wahrscheinlich sein.

Wer ist wer im Dschungel? Wie begleiten Twitterer die Show? Was taugen die Gag-Autoren? Wie deuten dubiose Astrologen die Ereignisse? Vier Redakteure unserer Zeitung begleiten täglich das Geschehen im Online-Blog.


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