29.01.2014, 00:43 Uhr

Im Online-Zeitalter Messung der TV-Einschaltquoten verändert sich

Mit diesem Gerät werden bislang die Fernseh-Einschaltquoten in 5640 deutschen Haushalten gemessen. Die zunehmende Online-Nutzung aber erfordert künftig auch zusätzliche Methoden. Foto: dpaMit diesem Gerät werden bislang die Fernseh-Einschaltquoten in 5640 deutschen Haushalten gemessen. Die zunehmende Online-Nutzung aber erfordert künftig auch zusätzliche Methoden. Foto: dpa

Osnabrück. Die Einschaltquoten sind das Maß aller Dinge für Senderchefs und TV-Produzenten. Dabei entscheiden gerade einmal 5640 Haushalte darüber, wer im Quotenhimmel und wer in der Quotenhölle landet. Aber in Zeiten von Digitalfernsehen und Mediatheken kommen neue Messinstrumente hinzu.

Das Entsetzen in der Schweiz war groß. „Ein wüster TV-Streit mit Folgen“, titelte die „Neue Zürcher Zeitung“ am 14. Januar, habe dazu geführt, dass die Eidgenossen im vergangenen Jahr geschlagene sieben Monate komplett auf Einschaltquoten hätten verzichten müssen. Ein neues Messverfahren, das auch den Online-Konsum der TV-Zuschauer berücksichtigen sollte, arbeitete technisch nicht einwandfrei. Zudem kam es zu teilweise stark abweichenden Messergebnissen im Vergleich zum vorherigen Status quo.

Auf Tablets und Handys

Auch in Deutschland steht die Erhebung der Einschaltquoten vor einem Wandel, der den rasch ansteigenden Online-Konsum gerade der jüngeren Zuschauer stärker berücksichtigen soll. Immer mehr Menschen schauen sich ihre Lieblingsformate auf internetfähigen Smart-TV-Geräten oder unterwegs auf ihren Handys, Tablets und Laptops an. Ermittelt werden die TV-Quoten aber nur in jenen 5640 Haushalten mit rund 13000 Personen, die sich bereit erklärt haben, ihre TV-Gewohnheiten über ein sogenanntes GfK-Meter messen und zur Auswertung nach Nürnberg schicken zu lassen.

Falls Sie also meinen, auch Ihr TV-Verhalten werde gemessen, hier die gute Nachricht: Sie können getrost mal ganz kurz ins Dschungelcamp oder zu „Wetten, dass..?“ schalten, auch wenn Ihnen diese Formate zuwider sind. Wenn Sie nicht zu den 5640 Haushalten mit GfK-Meter zählen, ist es für die Einschaltquoten völlig egal, was Sie gerade schauen.

Und so verhält es sich bislang auch mit all jenen Zuschauern, die sich ihr Programm zunehmend online zu Gemüte führen. Sie finden in der bisherigen Quotenmessung gar nicht statt. Obwohl doch gerade sie als überwiegend junge, dynamische und kaufwillige Zielgruppe der Werbeindustrie das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen müssten.

Erhoben werden die Daten von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF). Dahinter stecken neben ARD und ZDF auch die ProSiebenSat.1 Media AG sowie die Mediengruppe RTL Deutschland. Nach und nach sollen nun neue Messmethoden ausprobiert und angewendet werden.

„Audio-Matching“

Ein Instrument, das bereits seit August 2012 eingesetzt wird, ist das sogenannte Audio-Matching. Hier werden „charakteristische Strukturen des Audiosignals als digitale Signaturen gespeichert“, wie es die AGF formuliert. Das betrifft die Daten von knapp 300 Digitalsendern, die dann abgeglichen werden können und genauestens in der Quotenmessung Berücksichtigung finden.

An weiteren Messverfahren wird aktuell gearbeitet. Dafür soll die Zahl der Personen, bei denen die Daten erhoben werden, auf rund 20000 erhöht werden. Und das Online-Publikum soll endlich bei der Erhebung der Einschaltquoten berücksichtigt werden.

Allerdings ist es gar nicht so einfach, Quoten aus Online-Diensten zu messen. Einfache Klickzahlen reichen da nicht aus, wie Stefan Geese aus der Medienforschung der Programmdirektion ARD gegenüber unserer Zeitung betont. Ob jemand, der sich beispielsweise die Dokumentation „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“ – eine der am häufigsten aufgerufenen Sendungen in der ARD-Mediathek – ganz oder nur teilweise anschaut, geht aus den einfachen Klickzahlen nicht hervor. Deshalb soll nun auch ein ausgeklügeltes „Nielsen Twitter Rating“ genauere Zahlen zur Online-Nutzung von TV-Inhalten im Internet liefern und ebenfalls in die Erhebung der Einschaltquoten einfließen lassen.

Auf alle Fälle werde der zunehmende Zugriff auf Mediatheken und Co auch Einfluss auf die Programmplanung im Fernsehen haben, ist sich Geese sicher. Doch welche Schlüsse die Programmverantwortlichen letztendlich daraus ziehen, wenn beispielsweise eine Sendung von jungen Leuten im linearen Fernsehen kaum wahrgenommen wird, dafür aber im Internet stark gefragt ist, darauf kann man gespannt sein.


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