19.06.2011, 12:31 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Der Franzose Emmanuel Peterfalvi alias Alfons hat einen ganz eigenen Blick entwickelt Der Deutschen-Versteher

Das Puschel-Mikrofon ist auch dabei, wenn Alfons alias Franzose Emmanuel Peterfalvi eine Gruppe von Nacktwanderern begleitet. Selten zuvor hat jemand einen derart skurril-liebevollen Blick auf die Deutschen geworfen. Foto: Public InsightDas Puschel-Mikrofon ist auch dabei, wenn Alfons alias Franzose Emmanuel Peterfalvi eine Gruppe von Nacktwanderern begleitet. Selten zuvor hat jemand einen derart skurril-liebevollen Blick auf die Deutschen geworfen. Foto: Public Insight

Osnabrück. „Heute mein Themaaaaa...“ – mit diesen Worten beginnt jede Umfrage und jede Reportage des Franzosen Emmanuel Peterfalvi alias Alfons. Seit 20 Jahren lebt er in Deutschland und versucht, die Deutschen zu verstehen.

Orange Trainingsjacke, angegelte Haare und ein Mikrofon mit Windschutz-Umpuschelung sind die Markenzeichen von Alfons, dem Franzosen, der in deutschen Fußgängerzonen vornehmlich Menschen ab 50 zu allen möglichen Themen befragt. Wenn dann seine im starken französischen Akzent vorgetragenen Fragen wie „Glauben Sie, der Papst erlaubt seiner Frau, sich zu emanzipieren?“ ernsthaft mit „Ich glaub, der sagt ,Nein, Du darfst das nicht‘“ beantwortet werden, ist das so amüsant wie traurig zugleich.

Dass es sich bei Alfons von Kopf bis Akzent um eine vom Franzosen Emmanuel Peterfalvi entworfene Kunstfigur handelt, stört niemanden. Anscheinend mögen es die Deutschen, wenn ihnen jemand von außen den Spiegel vorhält, und deshalb darf Alfons’ Fernseh-Show „Puschel-TV“ in die zweite Runde starten – wenn auch zu arg später Stunde.

„Alfons hilft mir, Dinge auszuleben. Er ist sozusagen meine andere Seite“, sagt Peterfalvi im Gespräch mit unserer Zeitung – übrigens mit deutlich weniger Akzent, als Alfons spricht. Seit 1991 lebt der gebürtige Pariser in Deutschland und arbeitete für mehrere Fernsehsender. In der NDR-Sendung „Extra3“ ging er ab 2000 zum ersten Mal als Reporter Alfons auf die Straße – und wurde schnell zum Publikumsliebling.

„Der Name ist selbst für französische Verhältnisse merkwürdig“, sagt der 44-Jährige über sein Alter Ego, das bei seinen Landsleuten nicht ganz so gut ankommt wie hier. „Vor Jahren hat mich der damalige Berater des französischen Botschafters ermahnt, dass der etwas trottelig wirkende Alfons keine gute Werbung für Frankreich sei“, erzählt er. Doch Peterfalvi ficht das nicht an: „Ich muss nicht für Sarkozy Werbung machen. Ich will herausfinden, wie die Deutschen sind.“

Allerdings ist Alfons’ Deutschland ein Land der skurrilen Hobbygruppen wie Nacktwanderer oder sich in der Öffentlichkeit fesselnde Pärchen. „ Alfons ist dann oft mein Türöffner, um mit diesen Menschen in Kontakt zu kommen, da sie sonst das mediale Interesse eher scheuen, erzählt er. Beispielsweise hat „es anderthalb Jahre gedauert, bis ich eine Nacktwandergruppe gefunden hatte, die bereit war, sich von mir begleiten zu lassen“.

Dass er bei diesen Subkulturen und in den Fußgängerzonen des Landes oft auf Mitwirker trifft, erklärt er sich mit der „Magie des Puschelmikros. Die Leute wissen, dass ich mich dabei nicht über sie lustig mache, sondern sie trotz ihrer Andersartigkeit ernst nehme.“

Wichtig sei zudem die Authentizität seiner Protagonisten, selbst wenn er mit den manchmal reaktionären Aussagen der Menschen nicht übereinstimme. „Ich suche den normalen Menschen und keinen, der eine Rolle spielt. Von denen ist das Fernsehen ja schon voll, das deprimiert mich.“ Daher komme er auch öfters mit Älteren ins Gespräch, denn „die Jüngeren stellen sich meiner Meinung nach mehr dar“. Der leichte Spott, der in seinen Beiträgen oft durchklingt, habe noch niemanden gestört.

„Aber es ist auch nicht alles lustig, was Alfons treibt“, sagt Peterfalvi und berichtet über einen Film der neuen Staffel, in dem er eine Wohnwagensiedlung besucht. „Die Leute konnten sich keine Wohnung leisten, haben sich das aber auf eine charmant-traurige Art schöngeredet.“ Überhaupt sei Comedy eigentlich nicht die richtige Bezeichnung für seine Sendung: „Der Begriff ist eine Schublade, die die Fernsehmacher brauchen, um etwas, und damit auch „Puschel TV“, einzuordnen.“ Peterfalvi selbst bezeichnet sie lieber als „Gesellschaftssendung“.

Doch wie gut kennt Peterfalvi denn nun nach 20 Jahren in Deutschland die Deutschen? „Ihr tickt so anders als die Franzosen und wisst gar nicht, dass ihr eigentlich ein tolles und sehr humorvolles Volk seid“, sagt er. Ganz durchschaut hat er sie jedoch noch nicht. Das wird seine Fans freuen, denn „bis ich die Deutschen verstanden habe, will ich weiter meine Sendung machen“, kündigt er an.

Puschel-TV, ARD, 21.06, 1.00 Uhr


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