27.08.2013, 15:49 Uhr

Kritik am neuen Werbeclip Spielt Ferrero-Spot mit Rassismus?

„Deutschland wählt weiss“: Der neue Ferrero-Küsschen Spot. Screenshot: noz„Deutschland wählt weiss“: Der neue Ferrero-Küsschen Spot. Screenshot: noz

Osnabrück. Der Süßwarenhersteller Ferrero wirbt mit einem neuen Spot für Ferrero Küsschen mit weißer Schokolade. Offensichtlich in Anlehnung an die Obama-Kampagne von 2008 heißt es in dem Spot, der eine Art Wahlkampfveranstaltung nachahmt: „Yes weiss can“ und „Deutschland wählt weiss“. Ein Clip mit rassistischen Untertönen, finden Kritiker.

Eine heisere Stimme brüllt aus dem Off „Weiß Nuss bleiben“. Wiederholt wird die Parole von einem jungen und ganz überwiegend weißen Publikum. „Weiß muss bleiben“, so kommt der Spruch im Ohr des nicht ganz aufmerksamen Hörers an. Der Clip spielt mit Rassismus, findet Wulf D. Hund , emeritierter Professor der Uni Hamburg. Er hat unter anderem zu Rassismus in der Werbung geforscht.

„Es gibt einige eindeutig rassistische Anspielungen“, sagt Hund im Gespräch mit noz.de. Der Obama-Slogan werde in sein Gegenteil verkehrt. „In den USA konnte ein Schwarzer die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich bringen, in dem Clip hingegen gilt: Deutschland muss weiß bleiben.“ Dahinter stecke der Gedanke von der Überlegenheit der Weißen, wie sie von Rassisten vertreten werde, so der Professor.

Weiter heißt es in dem Spot: „Wir wollen Deutschland zum Leckeren verändern: Wir wollen weiße Ferrero-Küsschen.“ Hund: „Viel blöder kann man Rassismus kaum verpacken. Das ist eine Süßigkeit für Veranstaltungen unter dem Motto „Deutschland den Deutschen“.


Auch Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland kritisiert die Ferrero-Werbung. „Der gewollte Bezug zu den anstehenden Wahlen ruft natürlich bestimmte Assoziationen ab“, sagt Della. „Alles dreht sich um die Farbe Weiß und das in einem Land, dass sich ohnehin mehrheitlich immer noch als homogene weiße Gesellschaft definiert.“ Della findet die Slogans in dem Clip problematisch: „Indirekt werden schwarze Menschen ausgegrenzt.“

Unsagbar peinlich findet Jean-Alexander Ntivyihabwa von der Media-Watch-Organisation Der Braune Mob den Spot: „Alle gesellschaftlichen Debatten, in denen es um Kritik an Rassismus ging, sind an den Machern offenbar völlig vorbei gegangen.“ Ntivyihabwa: „Man kann ja nicht mal von Satire sprechen, wenn eine weiße Firma einen Spot inszeniert, in dem fast ausschließlich weiße Menschen weiße Schokolade mit dem Spruch ’Weiß Nuss bleiben‘ bejubeln.“

Bei Ferrero ist man erstaunt über die Kritik an dem Spot. „Die ’Wählt Weiß‘-Aktion dreht sich einzig und alleine um die Ferrero Küsschen-Sorte mit weißer Schokolade und setzt dabei auf Wortspiele rund um das Wort ’weiß‘- ganz klar ohne fremdenfeindlichen Hintergedanken“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des Konzerns. „Wir bedauern, wenn diese Produktbotschaft anders aufgefasst wird, denn das war keinesfalls unsere Absicht.“


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