21.04.2017, 16:37 Uhr

Protest gegen Tier-Performances Australier wollen Aufführung mit Kadaver verhindern

„Menschliche Henne“: Abraham Poincheval brütete neun Küken aus. Foto: AFP„Menschliche Henne“: Abraham Poincheval brütete neun Küken aus. Foto: AFP

dpa/AFP Sydney/Paris. Tausende Australier haben sich gegen eine geplante Performance des österreichischen Aktionskünstlers Hermann Nitsch (78) mit einem frisch geschlachteten Bullen gewandt.

In einer Petition forderten mehr als 14000 Menschen, dass die für Juni auf der zu Australien gehörenden Insel Tasmanien geplante Aufführung verboten wird. Während der dreistündigen Performance wird kein Tier getötet, doch gehören Blut und der Kadaver eines frisch geschlachteten Bullen dazu.

Nitsch ist dafür bekannt, Tierkörper, Blut und Teile geschlachteter Tiere zu benutzen. Er zählt zu den bedeutendsten Vertretern des Wiener Aktionismus. Die Aufführung, die als „blutiges Opferritual“ beschrieben wird, soll im Rahmen des Dark-Mofo-Kunstfestivals in einem Museum in der Inselhauptstadt Hobart stattfinden.

Der Gründer des Museums für Alte und Neue Kunst, David Walsh, verteidigte die Aufführung. „Ich will, dass die Zuschauer darüber nachdenken, warum Fleisch als Lebensmittel in Ordnung ist, aber Fleisch für Rituale oder Unterhaltung nicht“, schrieb er in dem Museumsblog.

Der künstlerische Direktor von Dark Mofo, Leigh Carmichael, betonte, die Show werde „machtvoll“ sein. „Es ist die Absicht des Künstlers, dass das Fleisch nach der Performance gegessen wird“, schrieb er in einer Erklärung.

Kritik für seine Performance hat auch der französische Extremkünstler Abraham Poincheval geerntet. Er hatte neun Küken ausgebrütet. Der 44-Jährige beendete am Donnerstag seine Performance „Oeuf“ (Ei) im Pariser Palais de Tokyo und verließ die selbst geschaffene Brutstation aus Plexiglas.

Die Tierschutz-Organisation Peta protestierte gegen die Aktion. „Tiere haben keinen Platz in der Kunst“, erklärte Peta. Küken seien sensible Lebewesen, die „genau wie wir Leid und Schmerz empfinden“ könnten, fügte Peta hinzu. Die Küken würden niemals ihre Mütter kennenlernen. Die Organisation hat nach eigenen Angaben bereits einen Brief an den Künstler geschrieben. Das Kunstmuseum betonte dagegen, die neun Küken seien nun „auf dem Weg zu einem Bauernhof in der Normandie, wo sie glückliche Tage verbringen werden“. Der Hof gehört Poinchevals Vater. Während seiner gut dreiwöchigen Performance als „menschliche Henne“ saß der Künstler umhüllt von einer dicken Decke auf einem Stuhl mit einer Kuhle, in der die Eier lagen. Das Plexiglasgehäuse, in dem Essen und Trinken bereitstanden, verließ er jeden Tag nur für eine halbe Stunde. Der Extremkünstler hat in der Vergangenheit bereits mehrfach durch ausgefallene Aktionen von sich reden gemacht. Zuletzt ließ er sich im Februar eine Woche lang in einen tonnenschweren Felsen einsperren. Davor lebte er zwei Wochen lang im Inneren eines ausgestopften Bären.


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