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21.04.2017, 16:10 Uhr NITSCH UND POINCHEVAL

Gegen Extremkunst: Tiere dürfen nicht leiden

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Aktionskünstler Abraham Poincheval sitzt während einer Kunstaktion im Palais de Tokyo in Paris (Frankreich) in einem Glaskasten, um Hühnereier auszubrüten. Foto: dpaAktionskünstler Abraham Poincheval sitzt während einer Kunstaktion im Palais de Tokyo in Paris (Frankreich) in einem Glaskasten, um Hühnereier auszubrüten. Foto: dpa

Osnabrück. Extremkünstler quälen Tiere für ihre Kunst. Das ist nicht extrem spannend, das ist extrem dämlich. Respekt vor dem Geschöpf ist gefragt.

Der eine Künstler wühlt in Eingeweiden, der andere bebrütet Hühnereier. Beide Künstler machen seit Jahren als sogenannte Extremkünstler von sich reden. Viele Menschen finden solche Kunst nicht extrem gut, sondern einfach nur extrem blöd. Wer so denkt, ist nicht ignorant. Wer so denkt, hat recht. Hier weiterlesen: Künstlerpaare zwischen Symbiose und Konkurrenz.

Sicher, Kunst überschreitet Tabugrenzen und bricht mit Konventionen. So lautet eine jener Funktionen, die Künstler in der Moderne für sich reklamierten. Dass von solcher Grenzüberschreitung inzwischen aber noch aufklärerische Wirkung ausgeht, darf bezweifelt werden. Der Tabubruch der Kunst ist selbst längst zur Kulturkonvention erstarrt. Hier weiterlesen: Wie im Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum eine Impressionisten-Ausstellung entsteht.

Hermann Nitsch und Abraham Poincheval bedienen mit ihren Aktionen eine Logik der Überbietung. Sie machen ihre Kunst zum Spektakel in einer Medienwelt, in der Tabubrüche nichts verändern, sondern nur eines bestätigen – dass Aufmerksamkeit nur noch über extreme Handlungen erreichbar ist. Schade, dass Tiere dafür leiden müssen. Wir sind längst darüber hinweg, die Natur nur zu benutzen. Diese Einsicht sollten auch Künstler gewonnen haben.


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