24.04.2017, 07:11 Uhr

50 Jahre NOZ 1982: 74-Tage-Krieg um die Falklands


Osnabrück. Ein langer Streit um Land endet in einem 74-Tage-Krieg, und die Weltöffentlichkeit ist fassungslos: Argentinien und Großbritannien kämpfen erbittert um die Falklandinseln im südlichen Atlantik. Im Juni 1982 steht die ehemalige Kolonialgroßmacht als Sieger fest.

Weltweit schafft es die britische Fregatte „Antilope“ auf die Titelseiten der Zeitungen: Der moderne Zerstörer sinkt am 24. Mai 1982 vor den Falklandinseln – getroffen von zwei argentinischen Bomben, die zunächst nicht explodierten. Die Entschärfung an Bord misslingt. Die anschließende Explosion löst ein Feuer aus. Tonnen von Munition explodieren und hüllen das Schiff in ein grausiges Licht. Das Foto vom Untergang der Fregatte gilt in Großbritannien heute als eines der entscheidenden, meinungsbestimmenden Bilder, die zur Rechtfertigung der kriegerischen Auseinandersetzung dienten.

Auf dem Rücken von 1600 Einwohnern und 600000 Schafen wurde vor den Augen der fassungslosen Weltöffentlichkeit ein politisches Süppchen um die Falklandinseln gekocht, das 712 argentinische und 265 britische Soldaten das Leben kostete und das politische Klima zwischen den beiden Staaten bis heute belastet.

Argentinische Invasion

Brandstifter war zunächst die im Kreuzfeuer der Kritik stehende Militärjunta, die seit 1976 Argentinien regierte. Die wirtschaftliche Situation des Landes verschlechterte sich von Jahr zu Jahr. Die massive Unterdrückung der Opposition kostete nicht nur viele Menschen das Leben, sondern isolierte die Militärjunta weltweit. Militärherrscher Leopoldo Galtieri setzte mit seinem Versuch, die Falklandinseln „heimzuholen“, auf die Karte „Patriotismus“ – zunächst erfolgreich. Seine Milchmädchenrechnung schien aufzugehen. Alle politischen Gruppen stellten sich zunächst hinter den vermeintlich starken Mann an der Spitze, der über diesen außenpolitischen Schachzug die innenpolitischen Probleme vergessen machen wollte. Denn Argentinien hatte seit 1833 den Anspruch auf die Falklandinseln nie aufgegeben. 1982 schien der Junta die Zeit reif zu sein, den Anspruch auf die Inselgruppe mit militärischer Gewalt durchzusetzen. Die gut 70 auf den Falklands stationierten britischen Marinesoldaten hatten den am 2. April gelandeten 5000 argentinischen Marineinfanteristen wenig entgegenzusetzen und kapitulierten schnell.

Thatcher nutzt die Chance

Genauso schnell erkannte die britische Premierministerin Margaret Thatcher die politische Chance, die ihr die argentinische Militärjunta geboten hatte. Ähnlich wie die Militärjunta steckte auch Thatcher in einem Tief. Nach dem Wahlsieg ihrer Konservativen Partei 1979 betrieb Thatcher eine komplette Neuausrichtung der Innenpolitik. Die Premierministerin befürwortete eine schnelle Privatisierungspolitik – die Arbeitslosenzahlen schnellten nach oben. Die extreme Sparpolitik der Regierung kostete weitere Sympathien. Auch wenn es innerhalb der britischen Regierung sehr wohl mahnende Stimmen gegen eine kriegerische Auseinandersetzung um die Falklands gab, schwor Thatcher das Land schnell auf einen Krieg ein. In rasender Geschwindigkeit baute die ehemalige Kolonialgroßmacht eine Einsatzflotte auf. Zwei Flugzeugträger, über 40 Kriegs- und 20 Versorgungsschiffe sowie über 60 zivile Schiffe, darunter auch der zum Truppentransporter umgewandelte Luxusliner „Queen Elisabeth II., machten sich einer nicht vorhersehbaren patriotischen Welle der Begeisterung auf ins fast 13000 Kilometer entfernte Konfliktgebiet.

Im beginnenden arktischen Winter siegten die britischen Verbände trotz anfänglicher Verluste über mangelhaft ausgerüstete, demoralisierte argentinische Truppen, die überwiegend aus schlecht ausgebildeten Wehrpflichtigen bestanden.

Militärmachthaber wird entmachtet

Der argentinische Militärmachthaber Galtieri wurde nach dem britischen Sieg kurzerhand entmachtet und von einem Gericht wegen Menschenrechtsverletzungen und seinem katastrophalen militärischen Missmanagements zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Seine hoffnungsvolle Annahme, Margaret Thatcher würde vor einer kriegerischen Auseinandersetzung über eine Entfernung von 13000 Kilometern zurückschrecken, erfüllte sich nicht. Die Briten waren bereit, für ein Symbol ihrer Macht militärisch sehr weit zu gehen. Die Niederlage bringt letztlich das Aus für die argentinische Militärjunta und einen demokratischen Neustart für das südamerikanische Land.

Der Konflikt zwischen Argentinien und Großbritannien schwelt weiter. Angesichts der Entdeckung großer Ölvorkommen vor den Inseln haben sich die Spannungen zwischen beiden Staaten in den vergangenen Jahren wieder verschärft.

50 Jahre NOZ: Die Serie zum Jubiläum

Vor diesem Hintergrund irritiert aktuell der Brexit-Streit um Gibraltar. Wieder sprachen – zumindest kurzfristig – erzkonservative britische Politiker davon, für die Souveränität der Halbinsel gegebenenfalls in den Krieg ziehen zu wollen. Und die amtierende britische Premierministerin May musste allen Ernstes erklären, dass sie keine militärische Einsatzgruppe nach Gibraltar schicken werde. Gibraltar, dieses britische Überseegebiet an der Südspitze der iberischen Halbinsel, bleibt ein politischer Zankapfel – wie seit über 300 Jahren. Offiziell hatte Spanien die gerne als „Affenfelsen“ titulierte 6,5 Quadratkilometer großen Enklave im Frieden von Utrecht an die Briten abgetreten, den Anspruch darauf aber nie aufgegeben. Die Briten unterhalten dort heute einen wichtigen Flottenstützpunkt. Die Straße von Gibraltar besitzt als maritime Verbindungsroute zwischen Mittelmeer und Atlantik eine immense strategische Bedeutung.


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