18.04.2017, 07:11 Uhr

50 Jahre NOZ 1981: Attentate auf US-Präsident und Papst schocken die Welt


Osnabrück. Attentate auf den amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan am 30. März und auf Papst Johannes Paul II. am 13. Mai schocken die Welt. Die missglückten Anschläge verdeutlichen einmal mehr: Absolute Sicherheit gibt es nicht.

Umringt von seinen Leibwächtern, geht US-Präsident Ronald Reagan am 30. März 1981 zu seiner gepanzerten Limousine. Er kommt gut gelaunt von einer Gewerkschaftsveranstaltung, winkt vor dem Hilton Hotel in Washington D.C. wartenden Journalisten zu. Da fallen Schüsse. Der Pressesprecher des Weißen Hauses, ein Polizist sowie ein Secret-Service-Beamter brechen getroffen zusammen. Der Präsident wird, scheinbar unverletzt, in seinen Wagen gestoßen. Seine Limousine rast zum Weißen Haus zurück. Erst jetzt merken die Begleiter, dass ein Querschläger den Präsidenten getroffen hat. Im George Washington University Hospital gelingt die dramatische Not-OP.

Erst am 20. Januar 1981 hatte Reagan nach einem überwältigenden Wahlsieg der Republikaner die Präsidentschaft angetreten. Seine Botschaft, die Staatsausgaben zu reduzieren, die Wirtschaft durch Steuersenkungen wieder anzukurbeln und eine härtere Gangart gegenüber der Sowjetunion einzuschlagen, hatte breite Wählerschichten überzeugt. Nach einem verlorenen Krieg in Vietnam und dem Watergate-Skandal, die eine Vertrauenskrise auslösten, war Reagans Botschaft, die alte amerikanische Größe wiederherzustellen, geradezu Labsal für jeden Konservativen im Lande. Dazu verkörperte der Präsident das Sinnbild des amerikanischen Traums: Aus bescheidenen Verhältnissen stammend, machte er zunächst als Schauspieler Karriere, bevor er über das Amt des Gouverneurs von Kalifornien zum Präsidenten aufstieg.

Seine humorvollen Reaktionen unmittelbar nach dem Attentat brachten dem 40. Präsidenten der Vereinigten Staaten viele Sympathiepunkte ein. „Schatz, ich habe vergessen, mich zu ducken“, soll er spontan gegenüber seiner Frau Nancy geäußert haben. Und dem Chirurgenteam vor der Not-OP ein „Bitte sagen Sie mir, dass Sie alle Republikaner sind…“, mit auf den Weg gegeben haben.

Das Motiv des Attentäters John Hinckley jr. war seine Liebe zur US-Schauspielerin Jodie Foster, die er mit dem Anschlag beeindrucken wollte. Der nach einem Gerichtsbeschluss als psychisch krank eingestufte Täter wurde nach 35 Jahren Sicherungsverwahrung im September 2016 entlassen.

Bis heute ungeklärt und widersprüchlich sind Hintergründe und Motive des Attentats auf Papst Johannes Paul II. am 13. Mai auf dem Petersplatz in Rom. Der Täter Mehmet Ali Agca, ein ehemaliger Ultranationalist aus dem Umfeld der rechtsextremen türkischen „Grauen Wölfe“, war zu diesem Zeitpunkt bereits ein verurteilter Mörder auf der Flucht. Er hatte 1979 den Chefredakteur der türkischen Zeitung „Milliyet“ getötet.

Im Untersuchungsbericht des italienischen Parlaments nach dem Papst-Attentat hieß es, der Attentäter habe im Auftrag kommunistischer Geheimdienste geschossen. Der Grund für diese Annahme: Kommunistische Machthaber wie Leonid Breschnew hätten im Papst eine Gefahr für ihre Länder gesehen.

Die Bedeutung des Papstes als gebürtiger Pole für die politische Entwicklung und den Zusammenbruch seines Heimatlandes wird heute in der Tat nicht mehr bestritten. Auch vor diesem Hintergrund kommt dem Untersuchungsbericht eine gewisse Plausibilität zu. Der türkische Attentäter Agca selbst macht aber widersprüchliche Angaben. In seinen Memoiren spricht er 2013 beispielsweise davon, dass ihm der iranische Ajatollah Chomeini persönlich den Mordauftrag erteilt habe.

Papst Johannes Paul II. erregte weltweites Aufsehen, als er seinem Attentäter noch auf dem Krankenbett verzieh und ihn im Dezember 1983 bei einem Besuch im Gefängnis sogar umarmte.


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