17.04.2017, 06:00 Uhr

Wuppertal zeigt den Maler neu Comeback für den vergessenen Adolf Erbslöh?


Wuppertal. Adolf Erbslöh: Das ist ein Name für Spezialisten. Das Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum stellt den Maler neu vor, der Weggefährte Kandinskys war.

Er mischte mit, als Wassily Kandinsky und Franz Marc in München zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine neue Kunst erfanden. Aber sein Name ist nur Spezialisten geläufig. Adolf Erbslöh (1881-1947) hat bestechend schöne Bilder gemalt. Ein Star der Moderne ist er darüber nicht geworden. Jetzt stellt das Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum sein Werk neu zur Diskussion. Der Titel „Der Avantgardemacher“ formuliert genau jene starke These, die Erbslöh und sein Werk heute brauchen, um wieder wahrgenommen zu werden. Das Problem: Dieser Titel meint mehr den Vermittler als den Künstler Adolf Erbslöh. Denn der blieb konservativ, während Kandinsky und Macke den Schritt zur Abstraktion wagten. Hier weiterlesen: Künstlerpaare zwischen Symbiose und Konkurrenz.

Gruppenbild mit Zeitgenossen

Kuratorin Beate Eickhoff hat 55 Gemälde und 45 Arbeiten auf Papier von Erbslöh zum Ausstellungsparcour gefügt und die einzelnen Themengruppen noch mit 60 Bildern von Erbslöhs heute viel berühmteren Zeitgenossen von Wassily Kandinsky und Franz Marc bis zu Gabriele Münter zu einem kleinen Panorama jener Moderne gerundet, die mit dem Namen „Der blaue Reiter“ zur heute gesuchten Ausstellungssensation avancierte. Erbslöhs Bilder halten vollkommen das Niveau seiner Mitstreiter. Der Maler, der seine Jugendjahre in damaligen, heute zu Wuppertal gehörenden Barmen verbrachte, folgte Kandinsky allerdings nicht auf dem Weg in die Abstraktion. Als Kandinsky und Marc den „Blauen Reiter“ gründeten, verblieb Erbslöh in der „Neuen Künstlervereinigung“ und fiel so aus jener Wahrnehmung, die nur Abstraktion als modern anerkannte. Hier weiterlesen: Kunststars im Gespann - Museen setzen auf Konflikt.

Zwei Bilder als Paukenschläge

Dabei setzte der in Karlsruhe und München ausgebildete Erbslöh 1910 zwei echte Paukenschläge. „Mädchen (mit roten Rock)“ und „Der rote Rock“: Diese beiden Frauenakte zünden nicht mit ihrem damals provokanten Bildmotiv, sie fordern auch als intensive Farberlebnisse heraus. Erbslöh setzt mit seinen Farbsinfonien aus kaltem Blau und warmem Rot, giftigem Gelb und schattigem Grün eine Malerei in Szene, die bereits in ihrem triumphalen Beginn eine klassische Moderne ist - und bleibt. Denn der zurückhaltende Mann mit der runden Brille, mehr musischer Mensch als kantiger Revolutionär, lässt seine Farben stürmen und brodeln, löst darüber aber die Konturen gegenständlicher Motive nicht auf. Wassily Kandinsky erfindet 1910, was Experten heute als die ersten ganz abstrakten Bilder der Kunstgeschichte anerkennt. Erbslöh bleibt beim erkennbaren Motiv. Hier weiterlesen: Wie im Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum eine Impressionisten-Ausstellung entsteht.

Maler als Vermittler

Schrittmacher der Avantgarde ist Erbslöh weniger als Maler denn als Vermittler. Als Sohn aus begütertem Haus kann er die Bilder seiner Künstlerkollegen kaufen. Der Kollege avanciert so zum Mäzen und Förderer. Gleichzeitig organisiert Erbslöh Ausstellungen der Künstler des Blauen Reiter, trägt zu ihrer Bekanntheit bei und fördert so die Akzeptanz für diese zunächst heftig angefeindete Kunstrichtung. Der Maler als Vermittler: Erbslöh spielt damit eine Rolle, die vergleichbar Gustave Caillebotte für die Impressionisten und Hans Hofmann für die abstrakten Expressionisten gespielt haben. Die Ausstellung erinnert damit auch an einen lange vernachlässigten Künstlertyp und seine Rolle. Hier weiterlesen: Sport und Freizeit - Bremen zeigt Bilder von Max Liebermann.

Wirklich ein Macher?

Ob Erbslöh damit auch „Macher“ der Avantgarde gewesen ist, mag dennoch dahingestellt bleiben. Kandinsky und Marc setzten mit ihrem berühmten Almanach des Blauen Reiter 1912 einen Meilenstein der Moderne. Erbslöh hatte daran keinen Anteil. Auch in seiner Malerei wagt der Künstler kaum einen Ausgriff in ungewohnte thematische Felder. Porträt, Landschaft, Stillleben: Der enge Umkreis der Bildgattungen, in denen sich Erbslöh bewegt, signalisiert bereits seine Zurückhaltung. Dabei verfügt der Künstler über alle malerischen Mittel. Seine Bilder sind von herausragender Qualität. Allerdings schwenkt Erbslöh nach stürmischem Aufbruch bald auf einen neuen Klassizismus ein. Während des Dritten Reiches, das auch seine Kunst als „entartet“ verfemt, umkreist Erbslöh private Themen. 1923 feiert er mit seinem flammenden „Positano“-Bild noch eine Welt voll flammender Schönheit. Sein letztes Bild heißt 1947 „Blumenvase mit Streichholzschachtel und Postkarten“. Ob Erbslöh das Comeback gelingt bleibt fraglich - trotz des großen Auftritts, den Wuppertal ihm nun bereitet.


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