17.02.2017, 19:25 Uhr

Sprachkolumne Luthers Deutsch: Schöpfer der Sprache

Luther hat die deutsche Sprache nachhaltig geprägt. Foto: dpaLuther hat die deutsche Sprache nachhaltig geprägt. Foto: dpa

Osnabrück. Luther, der Heilige – so verehrten ihn seine Anhänger nach dem Tod: Sie sammelten Reliquien und Andenken. Luther, der Teufel – so geschmäht von seinen meist katholischen Gegnern: ein Monster, ein Narr, ein Trunkenbold und Vielfraß.

Luther, der Deutsche – so haben ihn Nationalisten idealisiert: Vorkämpfer der deutschen Nation, die eins sei und stark.

Wer ist der wahre Luther? Eine Ausstellung in der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel zeigt die verschiedenen Ansichten unter dem satirischen Titel „Luthermania“ – und kommt zu dem Schluss: Jede Epoche hat sich ihr eigenes Bild gemacht, hat Luther für sich vereinnahmt.

Doch gibt es eine gemeinsame Basis: Luther als Schöpfer der deutschen Sprache, ausgehend von den beiden Grundsätzen der Humanisten:

1. Geht zurück zu den Quellen! Lest in den Ursprungs-Sprachen der Bibel und verlasst euch nicht auf die Übersetzungen, die allesamt Interpretationen sind und schnell zur Ideologie werden.

2. Hört den Menschen zu, wie sie in den Werkstätten, auf dem Markt, im Wirtshaus und zu Hause reden! Gebraucht ihre Wörter, ihre Sätze. „Wie denn alle Schulmeister lehren: dass nicht der Sinn den Worten, sondern die Worte dem Sinn dienen und folgen sollen.“

Doch auch Luther geriet in den Teufelskreis der Interpretation: Wer sich den Quellen nähert, nähert sich der Wahrheit – aber beginnt gleich, wenn er übersetzt, zu interpretieren und zu missionieren.

Und Luther verstand sich als Missionar: Er wollte die Menschen belehren, indem er die Wahrheit zeigt. Doch schnell wird die Ideologie zur Schwester der Wahrheit.


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