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01.12.2016, 17:41 Uhr GERHARD RICHTER WIEDER VORN

Kunstkompass wieder da: Was soll das Ranking?

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Mit solchen Werken punktet Hito Steyerl: Ihre Arbeit „Factory in the Sun, 2015“ war 2015 in Venedig auf der Biennale im Deutschen Pavillion zu sehen. Foto: dpaMit solchen Werken punktet Hito Steyerl: Ihre Arbeit „Factory in the Sun, 2015“ war 2015 in Venedig auf der Biennale im Deutschen Pavillion zu sehen. Foto: dpa

Osnabrück. Der Kunstkompass ist wieder da - mit Gerhard Richter auf Platz eins. Das überrascht nicht. Wichtiger als das starre Ranking wäre der Blick auf Kunst in Bewegung.

Funktioniert die Kunst nach Ranglisten? Natürlich nicht. Aber der Kunstbetrieb befeuert mit Bestenlisten sein Spiel der Selbstinszenierungen und Eifersüchteleien. Ob die wichtigsten Künstler oder die einflussreichsten Persönlichkeiten der Kunstszene – unablässig vermessen Experten jene Kräfteverhältnisse, die das Feld der Kunst zur Arena der Kämpfe machen. Hier weiterlesen: Kunstkompass - woher weht der Wind der Kunst?

Dabei verwundert, mit welcher Konstanz Matadore wie Gerhard Richter und Bruce Nauman seit Jahren die Spitzenplätze halten. Beachtung verdienen die Bewegungen dahinter. Videokünstler wie Hito Steyerl und William Kentridge sind ebenso wie Olafur Eliasson, der Spezialist für Installationen im Maßstab von Altmeister Christo, im Ranking nicht ohne Grund geklettert. Denn sie verkörpern eine Kunst in Bewegung, die multimedial und im Hinblick auf ihren spezifischen Ort operiert. Hier weiterlesen: Genre der Kunst - was ist eigentlich eine Installation?

Medien, Orte, Praktiken: Erst mit diesem Beziehungsgeflecht kommt Kunst wirklich in Bewegung – und mit ihr die dazugehörende Debatte. Das ist allemal wichtiger als ein Marktbarometer, das Spitzenplätze vergibt. Immerhin artikuliert das Ranking, was auch zur Kunst gehört: extremer Konkurrenzkampf. Hier weiterlesen: Kunststars im Gespann - Museen setzen auf Konflikt.


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