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30.11.2016, 06:00 Uhr SCHON 1977 VON SED DISTANZIERT

Kleine Ausflüchte: Christa Wolf und die DDR

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Schwieriges Verhältnis zu ihrem Staat: Die Schriftstellerin Christa Wolf im Jahr 1971. Foto: dpaSchwieriges Verhältnis zu ihrem Staat: Die Schriftstellerin Christa Wolf im Jahr 1971. Foto: dpa

Osnabrück. Hat Christa Wolf schon 1977 mit dem SED-Regime gebrochen? Ein neu edierter Brief wirft ein unerwartetes Schlaglicht auf die DDR-Autorin.

Was bleibt“ lautet der Titel jener Erzählung von Christa Wolf, die bei ihrem Erscheinen 1990 einen Literaturstreit auslöste. Hatte sich die Nationalpreisträgerin in diesem Text zu Recht als Opfer der DDR dargestellt, oder demonstrierte die Novelle nicht vielmehr die Bequemlichkeit einer Opportunistin? Hier weiterlesen: Christa Wolfs Briefe in einer neuen Edition .

Nun taucht ein Brief auf, der eine überraschend neue Information enthält. Trotzdem stellt er Christa Wolf in kein neues Licht. Die Autorin hat schon 1977 ihren Austritt aus der SED erklärt, den Brief aber nie abgeschickt. Das passt zu einer Frau, die als Autorin großer Bücher, aber auch als Mensch der kleinen Ausflüchte in Erinnerung bleiben wird. Christa Wolf hat ihren Staat kritisiert, blieb ihm als Repräsentantin aber verbunden. Den Absprung fand sie erst, als die friedliche Revolution bereits gesiegt hatte. Hier weiterlesen: Ein verletztes Leben - Christa Wolfs letzte Erzählung „August“.

Christa Wolfs Person und Werk bleiben ein Lehrstück für das schwierige Verhältnis von Literatur und Macht. Der jetzt edierte Brief wirft ein Schlaglicht auf ein lasches Einverständnis. Welch trauriges Lehrstück. Hier weiterlesen: Jahrhundertbilanz - Christa Wolfs „Stadt der Engel“.


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