19.11.2016, 07:00 Uhr

Theatermacher in Saarbrücken Milo Rau übernimmt Poetikdozentur für Dramatik

Der Schweizer Regisseur Milo Rau (rechts) und die deutsch-türkische Schauspielerin Sascha Ö. Soydan proben .2012 in Weimar die Lesung „Breiviks Erklärung“. Foto: dpaDer Schweizer Regisseur Milo Rau (rechts) und die deutsch-türkische Schauspielerin Sascha Ö. Soydan proben .2012 in Weimar die Lesung „Breiviks Erklärung“. Foto: dpa

Saarbrücken. Nach Rimini Protokoll, Roland Schimmelpfennig, Kathrin Röggla, Albert Ostermaier und Falk Richter übernimmt der Schweizer Film- und Theatermacher, Autor und Aktivist Milo Rau die sechste Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik der Universität des Saarlandes.

Milo Rau wird für 2017 mit der Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik geehrt. In der Begründung heißt es: „Mit größter Konsequenz spürt Rau in seinen Arbeiten dem „weitumspannenden Innenraum des Kapitals, seinen Alpträumen und Hoffnungen, seinen Unter- und Gegenwelten“ nach. Im Rahmen seines Konzepts eines ;globalen Realismus‘ ist er einer der schärfsten Kritiker Europas: der Inhumanität der für Krisen und Elend verantwortlichen globalen Wirtschaftspolitik Europas einerseits wie der humanistischen und zivilisatorischen Selbstverklärung der Europäer andererseits. Mit Milo Rau ehrt die Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik einen der konsequentesten Denker des Theaters der Gegenwart und einen der wichtigsten Wegweiser für ein Theater, das sich intellektuell wie ästhetisch den Krisen der Gegenwart zu stellen und an der Erarbeitung von Antworten zu beteiligen sucht.“

Politische Schauprozesse

Aus Saarbrücken heißt es weiter: „Milo Rau hat etwa 2013 in den „ Moskauer Prozessen “ drei politische Schauprozesse zur Einschränkung der Kunstfreiheit mit den Beteiligten erneut durchgeführt und dem juristischen Streit, der im Gericht zum Theater verkommen war, im Theater neuen Raum gegeben. ;Die letzten Tage der Ceauşescus‘ (2009), ;Hate Radio‘ (2011) oder ;Breiviks Erklärung‘ (2012) variieren die Idee eines post-dokumentarischen „Realtheaters“ (so Alexander Kluges Bezeichnung von Raus Ästhetik) und erzeugen dabei produktive politische und ästhetische Ambivalenzen. Seine Stücke belegen zugleich, wie auch die weltweit debattierte Produktion ;Das Kongo Tribunal‘ (2015) oder die ;Europa Trilogie‘ (2014-16), wie sehr Milo Raus Theater ein Theater in Reaktion auf eine wirtschaftliche globalisierte Welt ist.“

Milo Rau wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt unter anderem mit dem Schweizer Theaterpreis (2014), dem Hörspielpreis der Kriegsblinden (2015), dem Preis des Internationalen Theaterinstituts (2016) oder dem Spezialpreis des Prix de la Critique Théâtre et Danse (2016).

Webseite: www.poetikdozentur-dramatik.de


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