09.11.2016, 14:43 Uhr

Landesmuseum zeigt Bildhauer Riese der Skulptur: Henry Moore in Münster

Henry Moore im europäischen Kontext: Fachbesucher schauen im LWL-Museum für Kunst und Kultur die Skulpturen „Arbeitsmodell für zweischneidige Messerschneide“ (1962, M), „Arbeitsmodell für Dreiwegestück (1964, l) und „Arbeitsmodell für Dreiwegestück Nr.1: Spitzen“ (1964) an. Foto: Roland Weihrauch/dpaHenry Moore im europäischen Kontext: Fachbesucher schauen im LWL-Museum für Kunst und Kultur die Skulpturen „Arbeitsmodell für zweischneidige Messerschneide“ (1962, M), „Arbeitsmodell für Dreiwegestück (1964, l) und „Arbeitsmodell für Dreiwegestück Nr.1: Spitzen“ (1964) an. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Münster. Münster zeigt Henry Moore. Der Klassiker der modernen Skulptur ist im LWL Museum mit Großplastiken zu sehen.

Wuchtige drei Tonnen wiegt „Three Way Piece“, immerhin noch eine hübsche Tonne bringt „Two Piece Reclining Figure“ auf die Waage. Zehn weitere Skulpturen kommen auf mindestens 500 Kilogramm pro Stück. Ausstellungen des Bildhauers Henry Moore (1898-1986) gibt es nur als Treffen der Schwergewichte. Das ist in Münster nicht anders, wo das LWL Museum für Kunst und Kultur nun Henry Moore selbst als jenes Schwerwicht der Moderne präsentiert, das er in der Nachkriegszeit war. Moore formte mit seinen gewaltigen „Liegenden“ eine Formensprache der Skulptur, die zum kulturellen Esperanto Europas, ja der Welt avancieren sollte. Hier weiterlesen: Skulptur-Projekte Münster fragen nach Kunst im öffentlichen Raum.

Moores Plastiken haben den Look vieler Plätze und Kulturbauten in aller Welt geprägt. Ob die Neue Nationalgalerie in Berlin oder das Festspielhaus in Recklinghausen: Henry Moores Arbeiten sind bis heute Ausdruck und Signal einer westlich geprägten Weltoffenheit. Die Bronzeplastik „Large Two Forms“ vor dem Bonner Bundeskanzleramt war in den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts jedem Zuschauer der „Tagesschau“ so geläufig wie die Gesichter von Helmut Schmidt und Helmut Kohl. Moore - das war Kanzlerkunst.

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121 Werke, davon immerhin 68 Skulpturen, von denen vier im Außenraum des Landesmuseums stehen – Münster fährt ein halbes Jahr vor dem Start der fünften Ausgabe der „Skulptur-Projekte“ groß auf. Die Kuratoren stellen den Bildhauer, dessen Skulpturenriese „Three Piece Sculpture: Vertebrae“ 1977 zur ersten Ausgabe der „Skulptur-Projekte“ an Münsters Aasee aufgestellt wurde, in einen europäischen Kontext. Von Pablo Picasso bis Markus Lüpertz wird ein weiter Bogen gespannt. Die Dramaturgie zeigt Henry Moore als personifizierte Drehscheibe der Kunst und bringt so ein Werk neu in Bewegung, das schon in seiner Monumentalität erstarrt zu sein schien.

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Moore ist mehr als sein eigenes Denkmal. Das belegen seine Findungsphasen, die ihn in Auseinandersetzung mit den Formzertrümmerern Picasso und Giacometti zeigen. Das verdeutlichen aber auch Skulpturen von Karl Hartung oder Bernhard Heiliger, die sich unverkennbar auf Moore beziehen. Moore hat seine gigantischen Plastiken nicht nur an Naturformen wie Knochen oder Landschaften orientiert, seine ausladenden Variationen des Motivs der liegenden menschlichen Figur haben auch wiederum die Landschaft erobert. Eine weite Parklandschaft und eine „Liegende“ Henry Moores – diese Beziehung empfinden viele Menschen zu Recht als symbiotisch. Hier weiterlesen: Künstler Thomas Schütte und seine neue Skulpturenhalle.

Denn seine Plastiken verwandeln den menschlichen Körper in Landschaften, die mal harmonisch fließen wie eine Folge sanft schwingender Hügel, mal schroff aufragen wie eine felsige Küste. Moore hat die Skulptur mit Durchbrüchen geöffnet. Seine Werke mögen massig sein, aber sie kommunizieren unentwegt mit ihren Umgebungen und mit dem Betrachter. Diese „Liegenden“ artikulieren in ihrer wärmenden Körperlichkeit eine universale Erfahrung. Das macht sie gewichtig, gerade jenseits aller Tonnenschwere. Hier weiterlesen: Bildhauer Henry Moore und die Künstler von heute .


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