18.10.2016, 20:41 Uhr

Mundart-Komödie mit politischer Haltung „Die letzte Sau“ eröffnet Filmfest Osnabrück 2016

Widerstand in Tracht: Golo Euler als Huber. Foto: VerleihWiderstand in Tracht: Golo Euler als Huber. Foto: Verleih

Berlin. Das 31. Unabhängige Filmfest Osnabrück eröffnet mit Aron Lehmanns Mundart-Komödie „Die letzte Sau“.

Das Nördlinger Ries, jene malerische Landschaft auf der Grenze von Bayern und Baden-Württemberg, verdankt seine Gestalt einem prähistorischen Kometeneinschlag. Aron Lehmanns „Die letzte Sau“, mit dem das 31. Unabhängige Filmfest sein Programm eröffnet, erinnert mit einer kleinen Reprise daran: Mit rund 15 Millionen Jahren Verspätung fällt hier ein Nachzügler des Riesenkometen vom Himmel und zerschlägt dem Schweinebauern Huber seinen Hof. (Die neue Leiterin des Filmfest Osnabrück: Julia Scheck im Interview)

„Die letzte Sau“ bekämpft die Agrarindustrie

Viel kaputt zu machen war ohnehin nicht mehr. Denn mit dem Totalschaden verliert Huber nur den letzten Rest einer bürgerlichen Existenz, die längst von einer noch viel größeren Katastrophe untergraben war: der Agrar-Industrie. Hubers Hof ist unrentabel. Und mit seiner Not ist er nicht allein. Gerade erst hat sich der Metzger erschossen, der nicht nur im Konkurrenzkampf mit den Großschlachtereien gescheitert war – sondern sogar als Bankräuber. Der Mann am Schalter versteht den örtlichen Dialekt nicht mehr.

„So geht es nicht weiter“, sagt also Bauer Huber, besteigt seine BMW R25 und fährt mit der letzten Sau im Beiwagen in die weite Welt hinaus. Auf seinem Weg ins Brandenburgische, wo Hubers einstige Dorfliebe jetzt einen industriellen Mastbetrieb managt, entdeckt der Vagabund immer neue Schicksalsgenossen: Imker, denen Pestizide die Bienenvölker verderben. Bauern, die sich vor der Pfändung auf dem eigenen Hof verschanzen. Und weil es so nun wirklich nicht weitergeht, geht Huber zum Widerstand über, befreit einen Laster voller gepeinigter Schweine und tritt damit unfreiwillig eine Agrar-Revolution an, der sich bald auch militante Mitstreiter anschließen. (Florian Vollmers geht: Wieso hat das Filmfest eine neue Leitung?)

Aron Lehmanns Mundart-Komödie hat eine Botschaft

Aron Lehmann legt mit seiner „Letzten Sau“ eine Mundart- und Typenkomödie vor, die es in sich hat. Nicht von ungefähr versammelt der Soundtrack Songs von „Ton Steine Scherben“. Die Protestgeste der Band ist hier jeder Sequenz eingeschrieben. Denn hinter dem bis an den Klamauk gehenden Humor der Bauerngroteske steckt unverkennbar tiefer Zorn auf die Fleischindustrie. Huber ist kein Vegetarier und die fanatisierten Tierschützer, die am Ende des Films zum Sturm auf Masthöfe blasen, karikiert Regisseur Lehmann als Witzfiguren – einer wird sogar von Christoph-Maria Herbst gespielt. An der Haltung des Films, der auch Bilder von realen Schlachtungen nicht scheut, kommt trotzdem nie ein Zweifel auf. Würdelos wird der Umgang mit Tieren in der heutigen Landwirtschaft von Hubers Freund, dem Metzger, genannt. Und wenn das schon ein Mann sagt, der dreimal die Woche schlachtet und wenige Augenblicke später Amok laufen wird – dann muss der Missstand wirklich unerträglich sein. (Heimatfilme auf dem Filmfest Osnabrück? Eine Querschau durch das Programm 2016)

„Die letzte Sau“ eröffnet am Mittwoch, 19.30 Uhr, in der Lagerhalle das Filmfest. Am Sonntag, 17.30 Uhr, wird die Komödie am selben Ort wiederholt.


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