04.10.2016, 06:39 Uhr

Häusliche Gewalt und kleine Kinder „Klein“: Ein Kinderbuch über Gewalt in der Erziehung


Osnabrück. Jede Woche sterben in Deutschland Kinder aufgrund von Gewalt. Gewalt, die auch innerhalb von Familien passiert. Weitaus höher dürften die Anzahl der Kinder sein, die von ihren Eltern immer noch mit Klaps und Gebrüll erzogen wird. Das Bilderbuch „Klein“ widmet sich dem Thema auf berührende Weise.

Klein, so der kleine Held der Geschichte, ist ein ganz normaler Wusel: Er geht gerne in den Kindergarten und mag seine Erzieherin Frau Traulich. Doch am besten ist es, wenn bei ihm zuhause alle froh sind und sich nicht streiten. Doch Groß und Stark, seine Eltern, streiten viel. Und dann wird es gefährlich und Klein ganz hilflos und ängstlich. Gibt es denn keinen, der ihm hilft? (Weiterlesen: Gewalt gegen Kinder: Jede Woche zwei Tote)

Das ideale Buch für Kitas und Kindergärten

Das Kinderbuch „Klein“ der Schwedin Stina Wirsén zeigt abstrakt und doch für kleine Kinder verständlich, was eine stets bedrohliche Stimmung im Elternhaus bei Kindern anrichten kann.

Wenn Vater und Mutter streiten und „alles zuviel wird“, dargestellt von krakeligen Wirbeln, vor denen sich der kleine Wusel unter einem Tisch zu verstecken versucht. Oder wenn die traurige Mutter keinen Trost zulassen kann und in dunklen Wirbeln in Depressionen versinkt, während Klein ängstlich daneben steht. Bei diesem Bild wurde mein fünfjähriges Kind selbst ganz traurig. (Weiterlesen: Warum Gewalt in der Erziehung immer falsch ist)

Gut für es und die anderen Leser, dass die Geschichte eine Art Happy-End hat: Klein vertraut sich der Erzieherin an, die kümmert sich, so dass er keine Angst mehr haben muss und auch Hilfe beim Nachbarn findet.

Geschichte mit Happy-End

„Klein“ macht betroffen. Die Leseempfehlung richtet sich an Kinder ab drei Jahren, doch mit dem Zielpublikum dürfte es etwas schwierig werden: Familien, in denen Gewalt zum Alltag gehört, kaufen sich das Buch eher nicht, nicht betroffene Familie aber auch nicht. Als Geschenk könnte es übergriffig wirken. Kindergärten und Grundschulen sind daher die anvisierte Käuferschaft. Und gerade in Kitas ist der beste Platz für das Buch, kann es hier doch die meisten Kinder erreichen.

Denn Reden hilft, auch mit Außenstehenden; das ist die Moral der Geschichte. Und sie ist auch stimmig, berichten Kinderschützer doch immer wieder, dass misshandelte Kinder ihr Schicksal besser verarbeiten, wenn sie jemanden hatten, dem sie sich anvertrauen konnten. (Weiterlesen: Was tun bei der Wut aufs Kind?)

Besonders gefallen hat meinem Kind aber der letzte Absatz: „Denn alle, die groß sind, sollen sich um die kümmern, die klein sind. So ist das.“ Ja, so sollte das sein.

Klein: Von Stina Wirsén; Klett Kinderbuch; 40 Seiten; 9,95 Euro


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