19.07.2016, 09:21 Uhr

Star Trek: Wer ist Krall? Star Trek Beyond: Diese Enterprise ist Schrott!


Berlin. Vor 50 Jahren stieß die Enterprise zum ersten Mal in unendliche Weiten vor. Justin Lins „Star Trek Beyond“, der 13. Kinofilm zur Serie, lässt das Raumschiff radikal abstürzen.

Im Februar 2015 trauerte die Öffentlichkeit um den Schauspieler Leonard Nimoy; jetzt stirbt auch seine Figur Mr. Spock. In den letzten beiden „Star Trek“-Filmen hatte J.J. Abrams eine neue Zeitlinie eingeführt. Auf der Handlungsebene spielt Zachary Quinto den Vulkanier; Nimoys Original blieb als Spock aus der Zukunft präsent. Im neuen Film nun erfährt der junge Spock vom Tod des alten. Als letzter Gruß bleibt ein Foto der ersten Enterprise-Crew. Kurz vor dem Ende füllt es die Leinwand; danach stoßen die neuen Helden lustig auf die bestandene Mission an. (Spock ist tot: Was Sie über Nimoy noch nicht wussten)

J.J. Abrams und Justin Lin schrotten die Enterprise

Der Bruch zwischen den beiden Bildern trifft ziemlich genau das Verhältnis von J.J. Abrams (Produktion) und Justin Lin (Regie) zum kulturellen Großphänomen Star Trek. Vor 50 Jahren, am 8. September 1966, zeigte NBC die allererste Folge Original-Serie – und löste damit den Urknall eines Universums aus, das sich inzwischen auf sieben Serien, 13 Spielfilme, Comics, Spiele und Romane ausgedehnt hat . Mit dem Erinnerungsfoto der historischen Crew und einer Widmungsadresse an Nimoy verbeugen sich Abrams und Lin pflichtschuldig vor dem eigenen Stoff. Ansonsten reklamieren sie die Jubiläumsparty für sich.

Schon das Drehbuch von Simon Pegg (der als Scotty auch selbst mitspielt) wagt sich nicht in das komplexe Gestrüpp verfeindeter und befreundeter Völker vor. Mit dem Alien Krall schwirrt aus dem Nichts ein neuer Feind in Captain Kirks Flugbahn. Und das nicht mit einem einzelnen Raumschiff, sondern mit einem gigantischen Schwarm kleiner Flugkörper, von denen die Enterprise erst penetriert und dann zerteilt wird, um schließlich als Weltraumschrott auf einem fremden Planeten zu zerschellen. (Kritik: So schlecht war „Star Trek Into Darkness)

Star Trek Beyond: Wer ist Krall?

Krall lebt als echter Ur-Bösewicht nur für den Widerspruch gegen die Enterprise, die Föderation und ihre friedliebenden Ideale. Das Buch kombiniert in ihm das Stereotyp vom gefallenen Engel mit vampiristischen Motiven, und die Maske macht Krall unmissverständlich zum Monster, das Idris Elba brav mit schnaubenden Raubtiernüstern spielt.

Diese plakative Düsternis des Bösen wird mit mal amazonenhaft heroischen, mal klamaukigen Aliens ergänzt – ein Besatzungsmitglied der Enterprise öffnet Kombinationsschlösser kurzerhand mit Säureschnodder aus der Schnupfennase. In den Dialogen wechselt Pathos (Kirk) mit augenzwinkerndem Lakonimus (Spock, Scotty). Die Trickabteilung führt vor, welche Schaueffekte man von einem 150-Millionen-Dollar-Film erwarten darf. Qualm-Fallen erinnern dabei an Abrams‘ Serienerfolg „Lost“; schlechtere Effekte eher an den Budenzauber seiner Mystery-Serie „Fringe“. (Werden Sie der nächste Bond? Idris Elba im Interview)

Was haben die Beastie Boys in „Star Trek Beyond“ zu suchen?

Eine Szene zeigt Captain Kirk vor einem Kleiderschrank voll immer gleicher Uniform-Jacken. 50 Jahre auf der Enterprise – das geht nicht ohne leidige Routinen. Schon in seinen ersten beiden, noch von ihm selbst inszenierten Filmen hat J. J. Abrams sich deshalb Variationen erlaubt. Die Liebes des Vernunftwesen Spock beispielsweise, die auch in „Star Trek Beyond“ wieder Pointen liefert. Diesmal kommt das schon vorab verkündete Coming-out von Lieutenant Sulu dazu, das allerdings ohne jeden erzählerischen Einfall präsentiert wird – so als würden die Autoren schon die bloße Existenz eines schwulen Vaters für eine verblüffende Sensation halten. (Da war „Independence Day 2“ einfallsreicher.)

Zu diesem Spiel mit den Rollenprofilen kommen grobe Stilbrüche. Mitten im Weltall zum Beispiel lässt Justin Lin, der immerhin vier „Fast & Furious“-Filme gedreht hat, Captain Kirk rasante Motorradstunts vollführen. Und die Kommunikation der Feindflotte stört Scotty in der finalen Schlacht allen Ernstes mit dem Beastie-Boys-Hit „Sabotage“. „Ist das klassische Musik“, fragt McCoy? Nein, das ist nur ein Song, den der Regisseur mochte, als er jung war. Das Schlussbild von „Star Trek Beyond“ zeigt im Zeitraffer, wie die zerstörte Enterprise wieder zusammengebaut wird. Ob sie nach derart irreparablen Gags noch flugtauglich ist, muss bezweifelt werden. (Wer ist top, wer floppt? Die Kino-Charts der Woche)


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