03.06.2016, 05:00 Uhr

Schriftstellerin wird 75 Monika Marons Flucht in die Natur

Die Schriftstellerin Monika Maron, aufgenommen am 24.05.2016 in Berlin während eines Interviews. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa (zu dpa-KORR „Schriftstellerin Monika Maron wird 75“ Wiederholung am 02.06.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++Die Schriftstellerin Monika Maron, aufgenommen am 24.05.2016 in Berlin während eines Interviews. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa (zu dpa-KORR „Schriftstellerin Monika Maron wird 75“ Wiederholung am 02.06.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Osnabrück. Die Berliner Schriftstellerin Monika Maron wird heute 75 Jahre alt. In neues Buch „Krähengekrächz“ ist ein beunruhigendes Werk.

Eigentlich wollte sie einen Roman schreiben, doch herausgekommen ist ein Buch über Krähen. Monika Maron , die heute ihren 75. Geburtstag feiert, widmet sich darin auf rund 60 Seiten diesen Vögeln, deren Existenz sie zum Anlass nimmt, über das Leben und das Sterben zu reflektieren. Je älter sie werde, desto mehr komme sie „beim Nachdenken über die Menschen ohne die Tiere nicht mehr aus“, heißt es in dem schmalen Band.

Maron, deren Debüt „Flugasche“, in dem sie sich bereits Anfang der Achtziger mit den Folgen der Umweltzerstörung auseinandersetzte, sah sich und ihre Arbeit schon immer eingebunden in weitausgreifende Kontexte. In den meisten Büchern, wie ihrem wohl größten Erfolg, dem Roman „Stille Zeile Sechs“, war dieser Rahmen gesellschaftlich definiert. „Pawels Briefe“, 1999 erschienen, geht indes in die Tiefe, lotet die eigene Existenz historisch-autobiographisch aus.

Dritte Rahmensetzung

Nun, als dritte Rahmensetzung, wendet sich die Autorin der Natur zu und zieht sich damit in sich selbst zurück. Dass es dabei Krähen sind, an denen sie ihre Gedanken aufhängt – nun ja. Es soll ein Zufall gewesen sein, dass sie bei ihren Spaziergängen auf die wenig scheuen Tiere stieß. Jedenfalls wuchs aus der Neugier das Interesse und darauf folgte das Schreiben. Es sind grundsätzliche aufs Leben und Sterben ausgerichtete Gedanken, die die gebürtige Berlinerin aus ihren Beobachtungen ableitet – und die mitunter ins Triviale („Wenn ich einen Film sehe, in dem ein Tier leidet oder stirbt, muss ich weinen“) abgleiten. Insgesamt überzeugt das nicht.

Bedrohlich einschläfernd

Maron, die sich vor nicht allzu langer Zeit kritisch gegenüber der Aufnahme von Flüchtlingen zeigte, und dabei weit übers Ziel hinausschoss, vollzieht mit „Krähengekrächz“ eine Volte. So liest sich das Bändchen als Flucht in die Hülle der Natur, einen Schutzraum vor allzu drängenden gesellschaftlichen Fragen. Beruhigend ist das nicht. Eher bedrohlich einschläfernd und durch kein Gekrächze gestört.


Monika Maron: „Krähengekrächz“. Erschienen im S. Fischer Verlag 2016, 63 Seiten, 12 Euro.

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