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25.03.2016, 12:13 Uhr KOLUMNE

Umberto Eco verordnet Schweigen über sein Werk

Von Dr. Stefan Lüddemann

Seine letzte Pointe: Umberto Eco hat sein Werk mit einem Schweigegebot belegt. Jetzt rätselt die Welt: Was wollte uns Eco damit sagen? Foto: dpaSeine letzte Pointe: Umberto Eco hat sein Werk mit einem Schweigegebot belegt. Jetzt rätselt die Welt: Was wollte uns Eco damit sagen? Foto: dpa

Mailand. Zehn Jahre soll über sein Werk geschwiegen werden. Das hat Umberto Eco in seinem Testament verfügt. Bizarr? Nein, der letzte Geniestreich des großen Autors.

Was kommt nach dem Tod? Große Autoren wünschen sich Symposien zu ihrem Werk, Preisverleihungen in ihrem Namen, posthume Ehren, Straßenbenennungen. Nicht so Umberto Eco. Der italienische Autor von „Der Name der Rose“, der am 19. Februar 2016 gestorben ist, verordnet seiner Nachwelt Schweigen. Zehn Jahre lang soll sich keine öffentliche Veranstaltung mit ihm beschäftigen. Ecos Witwe hat diesen testamentarischen Wunsch Ecos mitgeteilt. Eine bizarre Bitte? Nein, eher ein letzter Geniestreich Umberto Ecos. Der Vielschreiber wusste genau, dass nichts so viele Kommentare herausfordern würde wie ein Schweigegebot. Hier weiterlesen: Umberto Eco - der Autor im Porträt.

Paradox der Kommunikation

Dieses Paradox erinnert daran, dass Eco nicht nur Romanautor, sondern vor allem Semiotiker war, also ein Wissenschaftler, der sich mit Zeichen und ihren Bedeutungen beschäftigt. In der Welt der Zeichen gibt es nichts, was nichts bedeuten würde. Man kann nicht nicht kommunizieren: Das berühmte Diktum von Ecos Professorenkollege Paul Watzlawick trifft auch hier. Unter Menschen ist alles Botschaft. Eco will Schweigen - und weiß doch ganz genau, dass gerade eine Medien- und Kommunikationsgesellschaft jede Stille sofort mit Wortmeldungen verfüllt. Die Diskursmaschine stellt niemand ab, oder? Hier weiterlesen: Umberto Eco - der Autor in Zitaten.

Den Leerlauf des Betriebes überdenken

Umberto Eco hat es dennoch versucht. Sein letzter Wunsch zwingt dazu, die übliche Routine der Verlautbarungen einmal zu unterbrechen, das Karussell der Tagungen und Kongresse wenigstens für einen Moment anzuhalten. Das Innehalten könnte genutzt werden. Dafür etwa, den Leerlauf des universitären Betriebes zu überdenken, dafür, den Stellenwert von Äußerungen überhaupt wieder zu reflektieren. Mit seinem letzten Wunsch kritisiert ausgerechnet Eco, dieser große Kommunikator, die mediale Kommunikation und ihre entleerten Praktiken. Seine wichtigste Botschaft: Redet nicht über mich, macht selbst etwas Neues. Hier weiterlesen: Bewegender Abschied von Umberto Eco .


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