18.03.2016, 08:30 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Ehrliche Songs werden Hits AnnenMayKantereit veröffentlichen erstes Album

In ihren Songs erzählen die Bandmitglieder von AnnenMayKantereit aus ihrem Leben. Foto: Fabien J. RacletIn ihren Songs erzählen die Bandmitglieder von AnnenMayKantereit aus ihrem Leben. Foto: Fabien J. Raclet

Osnabrück. Sie wurden berühmt und füllten bereits die großen Hallen, als sie noch gar keinen Plattendeal hatten: AnnenMayKantereit, Kölner Quartett, das jetzt sein Debütalbum veröffentlicht. Die zwölf Songs, irgendwo zwischen Rock, Folk und Pop, nennen sie „Alles nix Konkretes“.

Man spricht über diese drei Musiker aus Köln. Am 18. März veröffentlichen Christopher, Henning und Severin ihr erstes „richtiges“ Album. Mit Nachnamen heißen sie übrigens Annen, May und Kantereit, was zusammengefügt zum Bandnamen wurde. Ein Phänomen ist diese Band: Von Straßenmusikern, die sich ihre akustisch gespielten Songs von Passanten mit einem Euro in den Gitarrenkoffer honorieren ließen, mutierten sie ohne die im Musikgeschäft üblichen Marketingmaßnahmen innerhalb kurzer Zeit zu unprätentiösen Stars, die in ausverkauften, großen Hallen auftreten und deren erstes Album bei einer richtigen Plattenfirma jetzt sicherlich zum Verkaufsschlager wird.

Daher redet man über AnnenMayKantereit. Max Mohr, TitelThesenTemperamente-Moderator, begrüßte die Shootingstars der besonderen Art im „Kulturestablishment“ und Zeit Online fragt, ob die jungen Leute von heute denn die „sturzbiedere“ Musik von AnnenMayKantereit verdient hätten. Den Verfasser des Artikels stört offenbar, dass das Trio, das seit einiger Zeit von dem Bassisten Malte Huck flankiert wird, keine Protestsongs singt. Nur weil sich Henning May mit seiner Reibeisenstimme wie einst Rio Reiser anhört, die Gitarren gern akustisch gespielt werden und bisweilen eine Mundharmonika eingesetzt wird, wie bei Bob Dylan, muss die Musik ja nicht gleich Agitprop sein. Warum also sollte Henning nicht vom eigenen Leben singen, von der Liebe, vom Umzug in eine andere Wohnung, vom Älterwerden. Damit befriedigen Annenmaykantereit das Verlangen der Leute nach handgemachter Musik, die nicht vorgibt, etwas anderes zu sein als einfache, ehrliche Musik, gespielt von sympathischen Menschen.

„Alles Nix Konkretes“ heißt das Album mit zwölf Songs, die schon sehr viele Leute kennen. Die haben sie während der umfangreichen und enorm erfolgreichen Tour der Band im vergangenen Jahr bereits live gehört. Und mitgesungen. Das als Vorabsingle veröffentlichte Lied „Oft Gefragt“, das May seinem Vater als „Liebeslied“ widmet, befand sich 22 Wochen in den deutschen Verkaufscharts.

„Es geht mir gut“ heißt ein anderer Song mit klackernden Beats, funkiger Gitarre und schöner Basslinie, der in der Mitte mit einer tanzbaren Passage aufwartet. Die lapidare Antwort zur Frage nach der persönlichen Befindlichkeit lautet darin: „Es geht mir eigentlich immer gut, frag doch nicht so blöd“. Aus dem Song wurde auch die Zeile „Alles nix Konkretes“ entnommen, die irgendwie zum Slogan wird. Zur Message: Wir wollen uns nicht festnageln lassen. Von niemandem. Wir sind junge Leute, die ihre eigene Musik machen und einfach aus ihrem Leben erzählen.


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