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04.03.2016, 14:03 Uhr KÜNSTLER PROTESTIEREN

Finsterer Deal: Kapoor kauft das schwärzeste Schwarz

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Er genießt seinen weltweiten Erfolg: Der Bildhauer Anish Kapoor 2007 vor einem seiner verspiegelten Objekte im Schlossgarten von Versailles. Foto: ReutersEr genießt seinen weltweiten Erfolg: Der Bildhauer Anish Kapoor 2007 vor einem seiner verspiegelten Objekte im Schlossgarten von Versailles. Foto: Reuters

London. Der Künstler Anish Kapoor hat sich mit dem Aufkauf des schwärzesten Schwarz den Unmut anderer Künstler zugezogen. Vollkommen zu recht.

Lila ist die Milka-Kuh, gelb das Kornfeld von Vincent van Gogh. Und schwarz? Eigentlich das berühmte Quadrat von Kasimir Malewitsch. Aber jetzt kauft Anish Kapoor das schwärzeste Schwarz, als wäre es ein Markenzeichen. Das wäre ungefähr so, als dürfte die Klaviertaste mit dem tiefsten A nur von einem einzigen Pianisten angeschlagen werden. Ein Witz? Nein, eine Unverschämtheit. Hier weiterlesen: Anish Kapoor im Berliner Martin-Gropius-Bau.

Natürlich hat Kapoor mit diesem buchstäblich finsteren Deal als Label-Künstler gehandelt, der genau weiß, dass exklusive Wiedererkennbarkeit auf dem Kunstmarkt alles ist. Dafür entzieht er mit dieser Farbe anderen Künstlern auch eine Option des Ausdrucks. Hier weiterlesen: Der Streit um die Kapoor-Plastik in Versailles.

Der Protest kommt jetzt zu Recht. Eine Farbe kann einem Menschen ebenso wenig gehören wie eine menschliche DNA einem Pharmakonzern. Anish Kapoor hat Rechte erworben und die Konkurrenz der Künstler um das beste Werk blockiert. Aber was sagt eigentlich Pierre Soulages dazu? Dieser Künstler malt ja immer noch die schwärzesten Bilder – weltweit.


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