14.10.2015, 17:54 Uhr

Stücke aus dem C&A-Archiv Draiflessen Collection zeigt „Kunst des Aufbewahrens“


Mettingen. Schätze aus dem C&A-Archiv: Die Draiflessen Collection Mettingen zeigt „Die Kunst des Aufbewahrens“ mit Kunst von Candida Höfer bis Hilla Becher.

Auf wessen Schreibtisch wohl die Stempel standen? Wer sind die Menschen auf den Fotos zum Firmenjubiläum? Und wem mag der Schuhlöffel aus Plastik gehört haben? Die Draiflessen Collection, das 2009 gegründete Ausstellungs- und Archivzentrum der C&A-Familie Brenninkmeijer im westfälischen Mettingen, breitet auf Stellagen aus, was ansonsten im Firmen- und Familienarchiv verborgen bleibt. Da liegt nebeneinander, was unterschiedlicher kaum sein könnte - der Ablaufplan für den Besuch des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss in der C&A Eigenfabrikation in Essen und das Sammelalbum eines Angestellten, der seine Erinnerungen an Mitarbeiterveranstaltungen fein einsortiert hat. Staatsakt neben Abteilungsfest: Auf 250 Regalmetern ist im C&A-Archiv große Firmengeschichte so wie der graue Büroalltag präsent. In der Ausstellung „Die Kunst des Aufbewahrens“ haben Sammlungsleiterin Corinna Otto und Kuratorin Barbara Segelken Archivfunde aus dem eigenen Bestand ausgebreitet. Die Geschichten zu den Objekten erzählen sie leider nicht. (Hier weiterlesen: Die Mode von Chanel in der Draiflessen Collection) .

Denn das Ausstellungsprojekt will keine Familien- oder Firmengeschichte ausbreiten, sondern das Archiv und seine Ordnungsprinzipien selbst zum Thema machen. Dafür haben die Ausstellungsarchitekten rund um eine zentrale Kreuzung vier Kompartimente aus meterhohen Archivstellagen eingerichtet. Die Archivalien liegen hinter schwarzen Gaze-Bespannungen. Die Präsentation wirkt exakt und übersichtlich, strahlt aber auch die ganze Kühle eines Depots aus. Nicht weniger abgezirkelt nehmen sich jene Kunstwerke aus, die in den einzelnen Kabinetten in Dialog mit den Archivalien treten sollen. Die kühl registrierenden Fotos von Candida Höfer von der historischen Stadtbibliothek Neapel passen ebenso in dieses Umfeld wie die Fotoserie der Siegener Fachwerkhäuser von Bernd und der eben verstorbenen Hilla Becher. Bei den Collagen von Hannah Höch oder Kurt Schwitters funktioniert das Ausstellungsprinzip schon nicht mehr. Surreal verspielte Collagen wirken in diesem unterkühlt abgezirkelten Ausstellungsgeviert seltsam deplatziert. (Hier weiterlesen: Bernd und Hilla Becher - das Erfolgsmodell Künstlerpaar) .

Umso besser sortiert nimmt sich das Ausstellungskonzept aus, das mit den Leitbegriffen „Dokumentieren“, „Bewahren“, „Sammeln“ und „Erkunden“ grundsätzliche Umgangsformen mit Archivgut fokussiert. Dabei konfrontiert die Schau konsequent mit der Magie der Objekte - eine Leistung, die in der digitalen Ära für manchen Besucher zur produktiven Herausforderung avancieren mag. Der mediale Epochenwandel sorgt jedenfalls dafür, dass viele der Archivexponate außerordentlich entrückt wirken. Ob Stempelreihen, Fotoschatullen oder Objektkästen - „Die Kunst des Aufbewahrens“ stellt nicht nur Objekte, sondern vor allem die Formen ihrer Archivierung aus. Die Ausstellung nimmt damit in den Blick, wie mit Ordnungssystemen auch Formen der Erinnerung und des Gedächtnisses möglich werden. Darin liegt ihre besondere Leistung - auch wenn sie es natürlich mit den großen künstlerischen Erkundungsunternehmen wie der Ausstellung „Deep Storage“ zum gleichen Thema 1997 im Münchener Haus der Kunst nicht aufnehmen kann. (Hier weiterlesen: Der Kurator aus Mettingen: Was hat Kasper König bei den „Skulpturprojekten“ 2017 vor?) .

Gleichviel. Allen Respekt verdient die Entscheidung, mit Exponaten aus dem eigenen Archiv auch den Findungsprozess zu thematisieren, der sich rund um diesen Bestand gerade abspielt. Der Bestand wird den Angaben zufolge permanent erschlossen. Noch fehlen offenbar aber Richtung und Struktur der Sammeltätigkeit. Mit der Präsentation wird nun die Struktur des eigenen Erinnerungsbestandes befragt. Bei der nächsten Präsentation könnten dann vielleicht bestimmte Themen genauer gruppiert und die Geschichten zu den Exponaten ausführlicher auch in der Ausstellung erzählt werden. Für dieses Mal bleibt der Besucher auf meist karge Angaben im Begleitheft verwiesen.

Mettingen, Draiflessen Collection: Die Kunst des Aufbewahrens. 19. Oktober 2015 bis 31. Januar 2016. Mo., 14-17 Uhr, Do., 11-21 Uhr, Fr., So., 11-17 Uhr. Anmeldung: 05452/91683500. www.draiflessen.com


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