21.08.2015, 15:22 Uhr

Open-Air-Festivals 2015 Hurricane, Amphi, Wacken: Ein Rocksommer im Schlamm

Schlammpackung beim Wacken Open Air 2015: Dauerregen hatte das Gelände in der schleswig-holsteinischen Gemeinde in eine Wattlandschaft verwandelt. Die Heavy-Fans hielten tapfer durch. Doch auch andere große Festivals hatten dieses Jahr zu kämpfen. Foto: dpaSchlammpackung beim Wacken Open Air 2015: Dauerregen hatte das Gelände in der schleswig-holsteinischen Gemeinde in eine Wattlandschaft verwandelt. Die Heavy-Fans hielten tapfer durch. Doch auch andere große Festivals hatten dieses Jahr zu kämpfen. Foto: dpa

Osnabrück. Ende August ist der Rocksommer unter freiem Himmel schon fast vorbei. Zeit also für eine Rückschau. Und für eine kleine Vorschau, denn ein paar Highlights erwarten die Liebhaber der härteren Gangart doch noch.

Man muss es so bitter sagen: Musikalisch war der Rocksommer so mittel. Natürlich, die Indierocker Placebo rockten Ende Juni erwartungsgemäß die grüne Bühne des Hurricane-Festivals in Scheeßel. Auch mehr als 20 Jahre nach ihrer Bandgründung wissen die Briten um den androgynen Frontmann Brian Molko live immer noch zu gefallen. Nun ja, Placebo bedeutet übersetzt ja auch genau dies: Ich werde gefallen.

Doch das Hurricane-Festival vor den Toren Bremens offenbart, wo aktuell das Problem bei all den großen Rockfestivals in Deutschland liegt: Bis auf wenige Ausnahmen monieren Fans wie Macher, dass durch den harten Konkurrenzkampf unter den Veranstaltern die wirklich großen Headliner rar werden. Wie Pilze sprossen neue Festivals in den vergangenen Jahren aus dem Boden , und nicht allen Bookern gelingt es, dafür Kracher wie die Foo Fighters, Metallica, Rammstein oder AC/DC zu verpflichten. Doch viele Festivals, vor allem kleinere, lockten mit Top-Bands.

Hurricane nicht ausverkauft

So auch beim Hurricane-Festival. Doch insgesamt haben die Line-Ups mit den Zweitbesten Folgen: Anders als in den Jahren zuvor war etwa das Hurricane, zu dem üblicherweise zuverlässig 70.000 Rockfans strömen, dieses Jahr nicht ausverkauft. Die meisten schieben dies auf Programm, und das war eben so mittel. Immerhin: 65.000 Festivalgäste ließen sich davon nicht abschrecken.

Wacken und das Wahnsinnswetter

Ein Besucherproblem hat das Wacken Open Air (W.O.A), das jährliche Welttreffen der Heavy-Metal-Szene in Schleswig-Holstein, nicht gerade. Die 75.000 verfügbaren Tickets für 2015 waren nach zwölf Stunden ausverkauft – ein neuer Rekord. Im Jahr zuvor dauerte es lahme 48 Stunden. Nach der offiziellen Statistik spielten auf den acht Bühnen dieses Jahr 158 Bands – auch das ist Rekord.

Headliner 2015: Der Schlamm

Und doch: Sogar hier fehlten die wirklich großen Stars. Was aber in diesem speziellen Fall auch wohl besser war. Denn der eigentliche Headliner beim Wacken 2015 war der Schlamm , wie es ein verschmiertes Besucherpaar aus der Schweiz erschöpft in die Mikrofone der ebenfalls geplagten Musikjournalisten hauchte. Nahezu das gesamte Gelände versank im Modder, Regengüsse von bis zu 30 Litern pro Quadratmeter waren schuld. Wacken im Watt. Da gingen selbst die erklärten Szene-Helden Judas Priest, Savatage oder In Flames – nun ja – etwas unter. Obwohl sie allesamt eine gute Show machten. Zum Glück, denn Schlamm ohne Rock ist einfach nur Schlamm.

Wacken 2016: Ausverkauft!

So aber wurde es am Ende doch noch ein Fest, das Herzen die Metalheads zum Glühen und ihre Haare zum Fliegen brachte. So sehr, dass sie alle 75.000 Karten für das W.O.A. 2016 ratzfatz aufkauften. Nach 23 Stunden waren sie vergriffen.

Gruftis und schlechtes Wetter: Haarige Angelegenheit

Während die Heavys mieses Wetter aber mit Stil und Humor nehmen, haben die Gothics damit ein Problem. Wind und Regen zerstören die stundenlang toupierten Haare und zerlegen die mühevoll gruftig gestylte Garderobe. Und erst die Schminke, ach. So war es fast ein Segen, dass das Amphi-Festival in Köln dieses Jahr erstmals vom angestammten Tanzbrunnengelände am Rheinufer in die schnieke, neue Lanxess-Arena umzog.

Juicy Beats vom Winde verweht

Denn im Gegensatz zu vielen anderen Großveranstaltungen am letzten Juli-Wochenende fiel das Amphi nur teilweise der Sturm- und Unwetterwarnung zum Opfer. In Dortmund etwa musste das Juicy Beats mit Fettes Brot und Fritz Kalkbrenner am Samstag abgesagt werden. Die Amphi-Veranstalter dagegen schlossen am stürmischen Samstag schnell beide Außenbühnen und trieben das Dunkelvolk einfach komplett in die wetterfeste Arena, die glücklicherweise groß genug für alle war. Und die mit den norwegischen Brachial-Rockern Combichrist, den Berliner Depeche-Mode-Erben And One und den Hamburger Elektro-Helden VNV Nation auch tolle Headliner bot.

Sonntag durften alle raus zum Spielen

Am Sonntag durfte dann auch draußen gefeiert und gespielt werden. Und einige Bands, etwa die Elektro-Rampensäue von Neuroticfish, holen den ausgefallenen Auftritt beim Amphi 2016 einfach nach. Das findet wieder in der und rund um die Lanxess-Arena statt. Auf dass der stürmische und deshalb extrem mühevolle Auftakt in der neuen Location bald ins Reich der Grufti-Legenden einziehen möge.

M‘era Luna: Alles im schwarzen Bereich

Kaum zwei Wochen später durfte die Grufti-Gemeinde bei ihrem weltgrößten Treffen, dem M‘era Luna Festival in Hildesheim , auch wieder mehrere Tage am Stück Open-Air-Luft schnuppern. Denn hier lief alles wie immer, mit 25000 Besuchern war das Fest ausverkauft. Das Wetter war bestens, und mit Rob Zombie, der schon in der Schlammhölle Wacken aufgespielt hatte, den deutschen Szene-Lieblingen ASP sowie den finnischen Symphonic-Metal-Größen Nightwish war auch musikalisch alles im grünen – sorry – im schwarzen Bereich.

Wacken im TV: Schlammfreies Headbangen

So. Und wer jetzt traurig ist, all das verpasst zu haben, dem sei gesagt: Diesen Samstag zeigt ZDFkultur ab 20.15 Uhr das Beste vom Wacken Open Air 2015. Das verspricht schlammfreies Headbangen auf dem heimischen Sofa.

Ein paar Highlights kommen noch

Wem das nicht reicht: Das Festival-Jahr ist noch nicht zu Ende. Auf dem Flughafen Tempelhof in Berlin steigt vom 12. bis 13. September das Lollapalooza mit Deichkind, den Beatsteaks und der angeblich größten und tollsten Live-Rockband überhaupt: Muse. Tickets gibt es noch.

Oder wie wäre es mit einem spontanen Trip zum Hockenheimring? Am Sonntag lockt das Rock’n‘Heim mit Linkin Park, Farin Urlaub Racing Team und Kraftklub zum Ein-Tages-Festival. Und das Beste: Das Wetter wird gut.


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