28.05.2015, 16:56 Uhr

Es muss nicht immer der Mann führen Vielfalt und Offenheit zählen in der Tangoszene der Hochschule

Frau tanzt mit Frau - auch das ist möglich beim Tango im Learningcenter. Fotos: Swaantje HehmannFrau tanzt mit Frau - auch das ist möglich beim Tango im Learningcenter. Fotos: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Männer führen, Frauen folgen? Beim Tango des Hochschulsports werden die traditionellen Rollenbilder schon mal vertauscht. Die Folge ist mehr Achtsamkeit füreinander. Am Wochenende ist das in Workshops mit renommierten Tangolehrerinnen im Learningcenter zu lernen.

Schon auf dem Hof des Learningcenters der Hochschule ist Tangomusik zu hören. Drinnen bewegen sich Paare zu den Klängen über das mit Spots beleuchtete Parkett. Wer reinkommt, kann damit rechnen, zu einem Tanz aufgefordert zu werden. 

Jeden Mittwoch findet die Tango Práctica im Learningcenter statt. Sie ist offen für alle. Es kommen viele Studierende, die Tango im Hochschulsport lernen. Aber auch Externe sind willkommen. Die Tänzer üben hier, indem sie mit verschiedenen Partnern tanzen und voneinander lernen.

Es wird aber nicht nur klassisch getanzt. Zum einen gibt es gleichgeschlechtliche Tanzpaare. Zum anderen werden die Rollen schon mal getauscht. Traditionell ist der Mann beim Tango der Führende und die Frau die Folgende. Bei der Práctica im Learningcenter läuft das bei manchen Paaren aber auch umgekehrt. Viele Tänzer des Hochschulsports beherrschen beide Rollen.

In den Kursen von Oliver Konen und Patricia  Gozalbez Cantó ist das nichts Ungewöhnliches. Die beiden Tangolehrer und -tänzer haben 2003 den Tango ins Hochschulsportprogramm eingeführt. Über den Rollentausch würden die Tänzer besser verstehen, „was der Tangopartner von einem braucht“, sagt Oliver Konen. Das hat einen praktischen Nebeneffekt. So können die Tänzer auch allein zur Práctica kommen und sind nicht darauf angewiesen, einen andersgeschlechtlichen Partner mitzubringen.

Aus den festgefahrenen Strukturen auszubrechen führt außerdem zu mehr Achtsamkeit. Eine wichtige Komponente beim Tango. „Es geht darum, das Gegenüber wahrzunehmen und Impulse aufzunehmen“, so Patricia Gozalbez Cantó. Schließlich folgen die Tänzer beim Tango nicht einer einstudierten Schrittfolge, sondern reagieren auf die Bewegungsimpulse der Partner.

Mit anderen Worten ausgedrückt: „Der Weg entsteht im Gehen“. So wird es in der Ankündigung für den Workshop „Tango und Achtsamkeit“ ausgedrückt, der am Wochenende im Learningcenter stattfindet. Kursleiterinnen sind die international renommierten Tangotänzerinnen und -lehrerinnen Ute Walter und Marga Nagel. Sie haben 2000 das weltweit erste Queer Tango Argentino Festival  ins Leben gerufen. Seit 25 Jahren tanzen und unterrichten die beiden zusammen.

Die Idee, die beiden einzuladen, hatte Frank Mayer, wissenschaftlicher Leiter des Learningcenters. Er lernte die beiden 2008 bei einem Tango-Festival in Stockholm kennen und tanzt selbst regelmäßig. Unter dem „ExperimenTango“ finden am Wochenende zwei Workshops im Learningcenter statt: Der bereits ausgebuchte „Achtsamkeits“-Workshop und „Riskant und verspielt“ (Samstag, 30. Mai, 18 Uhr), ein Kurs, der von Ute Walter und Christiane Held geleitet wird. Am Samstag, 30. Mai, um 20 Uhr gibt es außerdem eine Milonga, bei der Marga Nagel als DJane aktiv ist. Alle Veranstaltungen gehören zum Programm von „Gay in May“.

„Vielfalt und Offenheit“ sei das Ziel dieser Workshops, sagt Frank Mayer. Das sind Begriffe, die bei den Tangokursen in der jungen Szene des Hochschulsports wichtig sind. Das überträgt sich auch auf andere Strukturen. So haben Oliver Konen und Patricia  Gozalbez Cantó ihre Leitungsaufgabe im Hochschulsport an zwei ehemalige Tangoschüler übertragen. Auch die Práctica im Learningcenter organisieren sie im Team.


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