13.04.2015, 13:20 Uhr

Osnabrücker Germanist Neuhaus „Grass war der letzte deutsche Weltautor“

Ausstellung in Osnabrück: Günter Grass im Gespräch mit Volker Neuhaus (links) im Januar 2014 im BBK-Kunstquartier. Foto: Uwe LewandowskiAusstellung in Osnabrück: Günter Grass im Gespräch mit Volker Neuhaus (links) im Januar 2014 im BBK-Kunstquartier. Foto: Uwe Lewandowski

Osnabrück. „Günter Grass war der letzte deutsche Weltautor“. Das sagt der Osnabrücker Literaturwissenschaftler Volker Neuhaus zum Tod von Günter Grass.

Neben Johann Wolfgang von Goethe und Thomas Mann sei Günter Grass der einzige deutsche Autor, der „weltweit zur Kenntnis genommen worden sei“, sagte Neuhaus auf Anfrage. Woe Goethe und Mann habe auch Grass mit dem Roman „Die Blechtrommel“ im Alter von Mitte zwanzig seinen Welterfolg geschrieben. „Wie Goethe und Thomas Mann ist auch Grass an diesem Erfolg immer wieder gemessen worden“, sagte Neuhaus weiter. Der 1943 geborene Germanist war bis 2008 Professor an der Universität Köln. Neuhaus hat eine Biografie über Günter Grass geschrieben und die Werke des Literaturnobelpreisträgers herausgegeben.

„Die Stimme von Günter Grass wird uns fehlen“

Die Nachricht von Grass´ Tod bezeichnete Neuhaus als „furchtbar“. Er sei jetzt „sehr, sehr, sehr traurig“. Neuhaus weiter: „Die Stimme von Günter Grass wird uns fehlen. Er hat an die Begrenztheit des Menschen erinnert und an die Verantwortlichkeit, die daraus erwächst“. Grass habe sich stets gegen den „Machbarkeitswahn“ der modernen Welt gestellt. Dieser Machbarkeitswahn sei, so Neuhaus weiter, heute in der Medizin und in der Kriegführung überaus sichtbar.

Der Literaturwissenschaftler hob weiter Grass´ besonderes Verhältnis zur deutschen Sprache hervor. „Grass hatte ein von Liebe geprägtes Verhältnis zur deutschen Sprache. Er liebte es, mit Worten zu spielen und ihre Nebenbedeutungen herauszuhören“, sagte Neuhaus weiter. Der Germanist erinnert sich nach seinen Worten besonders gern an die privaten Lesungen von Günter Grass. Der Schriftsteller habe es geliebt, seine im Entstehen begriffenen Werke einem kleinen, privaten Publikum zu präsentieren. „Er war begierig auf die Meinung der Zuhörer“, sagte Neuhaus. Günter Grass habe Literatur immer auch als eine Kommunikation mit seinem Gegenüber verstanden.

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