12.12.2014, 18:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Drei Preise für den Mut zur Gegenwart Uni Osnabrück: Piepenbrock-Kunstförderpreise verliehen


Osnabrück. Piepenbrock-Förderpreise am Fachgebiet Kunst der Universität Osnabrück: Die Preise gehen an Inga Helming, Tobias Kirchhof und Zauri Matikashvili.

Der Kunstförderpreis der Piepenbrock-Unternehmensgruppe geht an Personen. Zuweilen teilen sich aber auch ganze Kunstgenres in Gewinner und Verlierer. Die Jury hat in diesem Jahr Malerei und Film ausgezeichnet. Skulptur und Installation gingen leer aus. Vollkommen zu Recht. Die Ausstellung der Studierenden des Fachgebietes Kunst der Universität Osnabrück ist in diesem Jahr nicht nur im Seminargebäude in der Seminarstr. 33, sondern auch im Gebäude der ehemaligen Hypo Vereinsbank am Neuen Graben zu sehen. Dort haben die Studierenden der Bildhauerei über 300 Quadratmeter neuen Platz, um ihre Arbeiten zu inszenieren. Am neuen Ort zeigen die Studierenden allerdings das Uralte. Ob Hannah Strauss, Carolin Enax oder andere – die Plastiken der Studierenden wiederholen die Formensprache der klassischen Bildhauermoderne von Jean Arp bis Henry Moore. Obendrein sind die schneeweißen Gipse teilweise vor schwarzen Tüchern präsentiert. Das Resultat: ein erstaunliches Recycling der Fünfzigerjahre ohne den mindesten Gegenwartsbezug. Hinzu kommt Matthias Marquardts Installation „The Honey Project“, eine wilde Mixtur aus Heiligem Gral und Reminiszenzen an Beuys’ „Honigpumpe“. Das Problem: Die Arbeit funktioniert einfach nicht.

Genau das darf von Zauri Matikashvilis Malerei-Installation „rechte obere Ecke schwarz malen“ nicht gesagt werden. In feinsinniger Anspielung auf Sigmar Polkes Informel-Parodie „Höhere Wesen befahlen: rechte obere Ecke schwarz malen!“ buchstabiert Matikashvili einen ganzen Kanon an Malerei-Idiomen virtuos durch, hängt die ganze Galerie in den Flur und inszeniert die eigentliche Galerie als alles Licht schluckenden Schwarzraum wie einen Müllschlucker der jüngeren Kunstgeschichte. Das ist klug gedacht, bestens gemacht und damit absolut preiswürdig.

Mutige Konzeption, Gespür für Zeitthemen und technische Fertigkeit : Mit dieser Kombination überzeugen auch die weiteren Preisträger, beide aus der Kategorie Film/Video. Inga Helming inszeniert mit „Agrophobia“ einen Metropolentrip als suggestiv aufgeladene Bilderreise, Tobias Kirchhof eröffnet den Blick in eine kalte Fabrik der Konsum-Zombies. Beide Arbeiten sind vollkommen frei von jeder Rücksicht auf didaktische Vorgaben. Bestens.

Dabei lebt die Ausstellung zum Piepenbrock-Förderpreis nicht allein von den Preisträgern, sondern gerade von jenen weiteren Positionen, die sich durch Eigensinn und Stringenz aus dem Bilderdefilee herausheben. Der ganz persönliche Tipp gilt zwei Zyklen aus dem Bereich der Grafik. Nora Herdegen besteht das Bravourstück, zu Büchners Novelle „Lenz“ die Seelenzustände des Dichters in brillanten Lithografien festzuhalten. Julia Flachmeyer interpretiert Schillers Gedicht „Leichenphantasie“ in abstrakten Radierungen als Lebensreise in den Tod. Zwei Bilderzyklen als intensive Selbsterforschungen. Absolut sehenswert!

Der Preis der Piepenbrock Unternehmensgruppe ging mit je 2000 Euro an Inga Helming (Zeichentrickfilm), Tobias Kirchhof (Film) und Zauri Matikashvili (Malerei/Installation).


Ausstellung zum Piepenbrock-Kunstförderpreis

Laufzeit: Sonntag, 14. Dezember, bis Mittwoch, 17. Dezember, 10 bis 18 Uhr.

Orte: Kunstgebäude, Seminarstraße 33, ehemaliges HypoVereinsbank-Gebäude am Neuen Graben (Eingang von der Seminarstraße).

Programm während der Laufzeit:

Sonntag, 14. Dezember, 14.30 Uhr: Große Kunstauktion mit Werken der Studentinnen und Studenten, Zeichensaal, Fachgebiet Kunst, Seminarstraße 33.

Montag, 15. Dezember, 18 Uhr: Strickabend mit Getränken und Plätzchen im Zeichensaal.

Dienstag, 16. Dezember, 18 Uhr: Kurzfilmabend. Filme von Studierenden im Zeichensaal.

Mittwoch, 17. Dezember, 18 Uhr: Karaokeabend im Zeichensaal.

Führungen: Täglich um 11 und 17 Uhr.

Treffpunkt ist der Haupteingang des Kunstgebäudes, Seminarstraße 33. Gruppenführungen können zusätzlich gebucht werden (Tel. 0541/969-4225).

Kunstcafé: Täglich 10–18 Uhr im Zeichensaal.

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