18.02.2014, 17:13 Uhr

Behördencharme trotz universitärer Nutzung Altes Kreishaus in Osnabrück im Heimatstil


Osnabrück. Ein weiteres Beispiel für die Ästhetik der 1950er-Jahre stellt die Architekturströmung des sogenannten Heimatstils dar. Dazu zählt auch das Alte Kreishaus am Neuen Graben in Osnabrück.

Entwickelt vor dem Ersten Weltkrieg mit dem Bestreben, an die Biedermeierzeit anzuknüpfen, sind in Osnabrück Ende der 1940er und Anfang der 1950er Jahre eine Reihe Bauten in diesem Stil entstanden. Seit 1984 ist es Standort des Fachbereichs Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Osnabrück. 1952 im Auftrag des Landkreises Osnabrück nach Entwürfen der Architekten Hermann Simon und Heinz Carl Däke gebaut, war es bis 1982 Sitz der Landkreis-Verwaltung und wirkt wie eine architektonische Verbindung von Tradition und Funktionalität. Auf dem Eckgrundstück stoßen zwei dreigeschossige Flügel aneinander, deren weiß verputzte Fassaden durch einheitliche Fenster klar gegliedert sind.

Charakteristisch für das Gebäude ist der Eingangsbereich mit den fünf sandsteingerahmten, arkadenförmig angelegten Rundbögen. An der Ecke über dem Eingang fällt das vom Osnabrücker Bildhauer Fritz Szalinski entworfene Standbild eines Sämannes ins Auge, das für das Bauerntum des Landkreises steht. Über den drei Rundbögen zum Neuen Graben fällt zudem der über beide Obergeschosse reichende Sandsteinerker auf. Niedrig gehalten, gibt der zweigeschossige Anbau am Struckmannshof den Blick frei auf den Turm der Katharinenkirche.

Einst Kreishausgaststätte, wird er mittlerweile vom studentischen Publikum des „Unicum“ bzw. „Glanz & Gloria“ genutzt. An die kreisbehördliche kreisstädtische Vergangenheit erinnert das von Maler Bernhard Riepe geschaffene Wandbild eines Hochofenarbeiters als Anspielung auf die Georgsmarienhütte im Südkreis.

Gemeinsam mit Johann Brand gestaltete Riepe auch das Wandgemälde vom Kreisgebiet in der Eingangshalle des Alten Kreishauses, das von zwei Gestalten in Osnabrücker Tracht, einer Windrose und dem Landkreiswappen umrahmt ist. Traditionell auch die hölzernen, verzierten Zimmer- und Flurtüren, die schmiedeeisernen Treppengeländer oder einzelnen Buntglasfenster. Der gediegene Charme der 1950er Jahre wird vom Fußboden aus gelblichen Solnhofener und Sockelfriese aus Salzhemmendorfer Platten unterstrichen. Insgesamt verströmt das Alte Kreishaus einen regional-gediegenen Charme, bei dem trotz universitärer Nutzung die behördliche Vergangenheit noch immer spürbar ist.

Metropolencharakter: 3 von 6 Sternen

Stadtbildfaktor: 5 von 6 Sternen

Wohlfühlfaktor: 4 von 6 Sternen


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