24.09.2010, 10:51 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Sänger von Unheilig im Interview „Der Graf“ war ein Rätsel für die Ärzte

„Der Graf“ machte als Kind den Mund kaum auf.„Der Graf“ machte als Kind den Mund kaum auf.

tac Osnabrück. Es ist zehn Uhr morgens, für Musiker eigentlich eine „unheilige“ Zeit. Der Graf - so nennt sich der Sänger der Band Unheilig - taucht hingegen putzmunter und ausgeschlafen zum Interview mit unserer Zeitung in der Redaktion auf. Und das, obwohl er am selben Abend noch ein Konzert in Schwerin zu bewältigen hat. Bei einer Tasse Kaffee plaudert der geheimnisvollste Rockstar Deutschlands (seinen Namen gibt er nicht preis) über die Gothic-Szene, Musik und seine Kindheit:

Herr Graf, wann sind Sie heute aufgestanden?

Um sechs Uhr. Kaffee getrunken, geduscht und Schädel rasiert. Dabei hofft man die ganze Zeit, dass man sich nicht schneidet. Das hört nämlich nicht auf zu bluten, und dann klebst du dir ein Stück Klopapier drauf. Das sieht „Banane“ aus. Danach rennst du den ganzen Tag mit einer Blutblase oder einer Rasierschramme herum. Peinlich. Ich habe festgestellt, es gibt gute und schlechte Tage zum Rasieren. Heute war ein guter Tag. Ich hatte vorher aber auch drei Tage Pause, da habe ich nicht rasiert. Auf Tour wird der Schädel jeden Tag rasiert.

 

Seit wann tragen Sie Glatze?

Seit zehn Jahren. Mit dem Einstieg bei Unheilig. Vorher hatte ich ein Familienvideo gesehen, auf dem ich mich selbst von hinten nicht wiedererkannt hatte. Ich fragte: Wer ist denn der Typ da mit den schütteren Haaren hinten? Meine Eltern meinten: Das bist du. Da fielen mir schon die Haare aus. Dann habe ich mir in einer Nacht-und-Nebel-Aktion den Schädel rasiert, und es war gut. Später kamen die Bartdreiecke hinzu.

 

Sie tragen stets schwarzen Anzug: Sieht man Sie nie in Jogginghose rumlaufen?

Doch. Privat trage ich auch kurze Hose und T-Shirt und bin ein ganz normaler Mensch. Sobald ich im Anzug stecke, bin ich als Graf unterwegs in Sachen Musik. Derselbe Mensch, allerdings erzähle ich nichts über mein Privatleben. Das ist aber keine Rolle. Ich bin niemand, der sich plötzlich anders verhält und anders denkt. Vor zehn Jahren trug ich Kutte. Aber nach vier Auftritten war klar, ich muss etwas haben, was ich öfter wechseln kann. Da habe ich mich für einen Anzug entschieden.

 

Ist das Pseudonym „Der Graf“ ein Schutz oder eine PR-Strategie?

Natürlich soll der Graf auch die Neugierde wecken, aber in erster Linie ist es ein Schutz. Wie es bei mir zu Hause aussieht, geht niemanden etwas an. Ich würde nie ins Fernsehen gehen und sagen: Das ist mein Schlafzimmer, das ist meine Küche, den Balkon lasse ich mir gerade machen. Diese Dinge sind für mich nebensächlich. Ich bin wegen der Musik in der Öffentlichkeit und nicht wegen meines Privatlebens. Die Leute, die meine Lieder kennen, kennen mich dadurch schon sehr gut. Da ist schon sehr viel Persönliches verarbeitet. Es gibt Leute in meinem privaten Umfeld, die mich nicht so gut kennen wie Fans, die jeden Text von mir gelesen haben. Ich will nicht, dass eines Morgens ein Kamerateam vor dem Haus meiner Eltern steht und sagt: Hallo, wie war Ihr Sohn denn früher?

 

Damit fällt eine Einladung für „Zimmer frei“ flach.

(lacht) Wahrscheinlich. Es gab schoneinige Anfragen für eine Homestory, die ich abgelehnt habe. Zeitungen wollten Fotos aus der Kindheit oder aus meiner Bundeswehr-Zeit. Meine Antwort lautet: Nein. Diese Konsequenz muss sein. Ich mache gern alles mit. Aber ich brauche meine Heimat, mein Zuhause, mein privates Umfeld für mich, um den Schalter umzulegen und zur Ruhe zu kommen. Gerade jetzt ist die Hölle los. Zu Hause habe ich auch mein eigenes Tonstudio, wo ich in Ruhe neue Songs schreiben kann.

 

Nun fallen Sie optisch auf.

Da reichen Brille und Mütze, und man wird nicht mehr erkannt. Die Leute, die mich erkennen, sind sehr zurückhaltend und nett. Vor Kurzem war ich privat in kurzer Hose und T-Shirt im Fast-Food-Imbiss. Der Typ an der Theke erkannte mich und wurde schlagartig nervös, ließ alles fallen und hielt mir am Ende noch die Tür auf. Da habe ich zu ihm gesagt: Nun lass mal gut sein. Egal ob beim Zahnarzt oder Bäcker: Die Leute freuen sich und honorieren, dass ich freundlich Hallo sage und nicht von oben herab wirke.

 

Machen die Leute keinen Bogen um Sie herum?

Nein, überhaupt nicht. Die wissen mittlerweile, dass der Name Unheilig nichts Böses ist. Früher mussten wir die Radiosender und andere Medien überzeugen, dass wir keine Satanisten sind, die auf Friedhöfen schwarze Messen zelebrieren und dem Vampirkult angehören. Seit ein paar Monaten hat sich der Name Unheilig etabliert, er hat keinen negativen Touch mehr. Selbst die Mama und die Omi sagen: Das find ich schön.

 

Fühlt sich die Gothic-Szene da nicht verraten?

Ja, bestimmt denken einige so. Ist auch logisch. Eine Szene entwickelt und definiert sich, um sich vom Mainstream abzuheben. Die Gothic-Szene hatte ihre große Blütezeit in den 80ern mit Bands wie Depeche Mode, The Cure, Sisters of Mercy und vielen anderen. Aber selbst die waren in den Charts vertreten. Heute zählen andere Gruppen, die dort eher selten zu finden sind. Einige Fans murren dann, wenn einer von ihnen plötzlich bei The Dome, oder vielleicht mal bei „Wetten, dass..?“ oder Big Brother auftritt. Das ist uns aber egal. Zu jeder Show, zu der wir eingeladen werden, gehen wir hin. Da machen wir keinen Unterschied. Ich sage mir einfach: Ich gehe da hin, weil dort Leute sind, die mich hören wollen. Wie arrogant wäre ich denn, wenn ich auswählen würde?

 

„Wetten, dass..?“ oder Big Brother - das ist aber ein großer Unterschied.

Letztlich geht es aber um die Musik. Ich kann doch den Big-Brother-Fans nicht unsere Musik vorenthalten, nur weil ich vielleicht eine andere Show lieber mag. Außerdem stehe ich auf dem Standpunkt: Probieren geht über Studieren. Ich bin in den Container gegangen, um diese Erfahrung zu machen. Man lebt nur einmal. Und ich muss sagen, wir haben davon nur profitiert.

 

Ausprobieren kann auch schmerzhaft sein.

 Sicher. Aber ich muss mir immer erst die Finger verbrennen, bevor ich merke, dass die Platte heiß ist. Ich bin auch jemand, der keine Bedienungsanleitung liest, sondern lieber erst mal das Elektrogerät ausprobiert. Wir sprechen so einen Auftritt ja auch in der Band ab und versuchen, das als Chance zu nutzen, indem wir den Auftritt zu unserem Ding machen, unsere Kerzen aufstellen, das Bühnenbild beeinflussen und so weiter.

 

Wie erklären Sie sich den Mega-Erfolg, der seit März mit der aktuellen CD „Große Freiheit“ selbst den Langzeitrekord von Grönemeyer in den Schatten stellt?

Darüber denke ich auch viel nach. Es liegt an mehreren Faktoren. Wichtig ist sicher, dass die Leute erkennen, ob du das schon seit zehn Jahren machst, dafür gekämpft hast und somit Authentizität mitbringst - oder ob du gecastet worden bist und morgen schon Fallobst sein kannst. Wenn du als Künstler zudem selbst deine Lieder schreibst, erzählst du persönliche Geschichten. Es ist immer echter, wenn du das, was dein Traum ist, auch auf der Bühne fühlst. Ein anderer kriegt die Lieder vorgelegt und kann dazu gar nicht so emotionale Erfahrungen machen.

 

Im neuen Album geht es um Freiheit, Mystik, Sehnsucht, Abenteuer und große Gefühle. Dinge, die viele auch in „Twilight“ finden…

Ich glaube nicht, dass unsere Musik damit oder mit Harry Potter etwas zu tun hat, dann hätten wir schon viel eher diesen Erfolg gehabt. Es sind existenzielle Werte, die die Menschen berühren.

 

Dazu die Melodramatik.

Viel Kitsch und Pathos eben. Wenn schon, denn schon ist unsere Devise. Den Weihnachtsbaum kannst du mit Strohsternen behängen, ökologisch abbaubar. Oder du stellst dir ein richtig kitschiges rot-goldenes, total voll behängtes Teil in die Wohnung. Und denkst: Wow! Ich gebe auch den Songs eine positive Botschaft und oft ein Happy End. Wenn du dich zwei Stunden mit Unheilig beschäftigst, muss der Held am Ende in den Sonnenuntergang reiten und nicht tot umfallen. Nach den Rocky-Filmen wollten früher auch alle laufen und trainieren. So sollen die Leute in unseren Konzerten für zwei Stunden alle Probleme vergessen und mal loslassen. Ich sehe, dass das klappt.

 

Schlägt sich das auch im Online-Gästebuch nieder?

Ja. Wir mussten das allerdings wegen einiger Hassmails schließen. Ein paar Leute, die uns den Weg in den Mainstream nicht verzeihen, hatten nichts Besseres zu tun, als 20-mal am Tag böse Mails abzuschicken.

 

Ist es nicht unheimlich, wenn man so viel Sympathie und Antipathie auslöst?

Das ist eine große Verantwortung. In den netten E-Mails steht so viel Persönliches, das nie an die Öffentlichkeit kommen darf. Da merkt man, was man allein mit einem Lied auslösen kann. Etwa wenn dir jemand mitteilt: „Danke, dass du ,Geboren, um zu leben‘ geschrieben hast. Das ist der Grund, warum ich mich jetzt nicht umgebracht habe.“ Da muss ich erst mal schlucken. Andere nutzen unsere Musik, um ihr Leben zu ändern oder um etwas zu machen, von dem sie immer schon geträumt haben.

 

Gibt es eine Botschaft oder einen Leitfaden?

Die Botschaft von Unheilig ist ganz einfach: Genieße dein Leben und versuche, das Beste daraus zu machen. Ich bin wirklich froh, dass ich diese Verantwortung leisten kann, weil ich musikalisch und menschlich Erfahrungen gemacht habe. Ein 18-Jähriger könnte damit sicher nicht umgehen. Außerdem tut es mir auch selber gut, all meine Emotionen, Träume und Wünsche zu verarbeiten. Nachdem ich einen Song geschrieben habe, fühle ich mich richtig frei. Das ist der Grund, warum ich schreibe.

 

In „Geboren, um zu leben“ geht es um einen verstorbenen Freund. Verletzt das nicht die Privatsphäre?

Nicht wenn man behutsam und mit Respekt damit umgeht. Das Lied ist der Nachfolger von „An deiner Seite“, das ich auch für ihn geschrieben habe. Damals lebte er noch. Ich habe die ganze Familie gefragt: Kann ich das machen? Mir war wichtig, dass ich das Lied nicht nur schreibe, sondern auch live spiele. Das war sehr extrem, denn ich wusste, er würde irgendwann sterben. Da habe ich auf der Bühne auch mal geheult.

 

Diese beiden Songs werden derzeit häufig auf Beerdigungen gespielt.

Auch andere Unheilig-Songs, schon seit Jahren. Für mich ist das eine große Ehre und ein Kompliment, weil dies eben genau aus so einem Gedanken heraus geschrieben wurde. Ich bin ein ganz einfach gestrickter Mensch. Ich will meine Eltern stolz machen, habe alte Tugenden und Traditionen mitbekommen. Das finde ich wichtig. Wenn mich jemand bittet, Patenonkel zu sein, bedanke ich mich für diese Ehre und Verantwortung. Andererseits werden unsere Songs auch auf Hochzeiten gespielt wie „Mein Stern“ oder „Astronaut“. Unsere Musik ist mittendrin im Leben der Menschen. Sie trauern und feiern mit Unheilig.

 

Was ist Ihnen heilig?

Meine Familie, die Privatsphäre. Für mich ist das Leben im Augenblick sehr schön, ich habe dafür aber auch mehr als zehn Jahre gearbeitet. Es ist toll, diese Bestätigung zu bekommen. Ohne meine Familie wäre ich nicht an diesem Punkt. Jahrelang herrschte in der Verwandtschaft Skepsis, weil ein Musiker ja schließlich kein Beruf ist und schnell am Straßenrand sitzt. Heute freue ich mich, dass meine Eltern stolz auf mich sein können. Ich habe damals meinen Beruf an den Nagel gehängt. Welchen? Ich bin ausgebildeter Gehörgeräte-Akustiker. Den Beruf hätte ich bis zur Rente machen können. Das klingt nicht gerade aufregend.

 

Wie gerät man da in die Gothic-Szene?

Durch Zufall. Ich trug immer schon gern Schwarz, habe aber von der Szene nicht mehr gewusst als die Musik der 80er-Jahre. Dass es so viele Facetten gibt, hat mich überrascht. Bei meinem ersten Konzert habe ich erst gesehen, was die schwarze Szene wirklich ist. Und ich hatte schon gedacht, mit meiner schwarzen Hose sei ich overdressed. Ich war davor nie auf Gothic-Festivals. Im Gegenteil, ich bin sehr behütet aufgewachsen und hatte davon keine Ahnung. Von da an habe ich sie lieben gelernt und dort ein musikalisches Zuhause gefunden.

 

Gothics geht es auch um schwarze Messen und Symbole. Wie stehen Sie dazu?

Das soll jeder für sich selbst entscheiden. Ich habe damit nichts zu tun. Klar, es gibt immer schwarze Schafe, die sich der Symbolik bedienen oder sie missbrauchen, um zu polarisieren und aufzufallen. Die Grenze ist überschritten, wenn jemand nachts auf dem Friedhof Grabsteine schändet. Obwohl ich gar nicht mal glaube, dass das Leute aus der schwarzen Szene sind. Die wollen nur über den Friedhof bei Vollmond spazieren gehen. Der richtige Gothic-Anhänger ist friedlich, nachtverliebt und liebt es, sich darzustellen.

 

Sind Sie gläubig?

Ja, extrem. Ich identifiziere mich aber nicht mit einer Religion, deswegen bin ich für die Strenggläubigen ein Unheiliger. Ich glaube ans Paradies und daran, dass wir uns alle wiedersehen. Auch im Leben passiert nichts zufällig, alles hat seine Bedeutung, sonst wäre ich heute nicht hier. Ich versuche, die Zeichen zu erkennen und Türen zu öffnen, die zugegangen sind.

 

Klingt wie ein Prediger, auch auf der Bühne passen dazu Ihre großen Gesten...

(lacht) Dieses Gezappel? Dafür kann ich nichts. Das habe ich von meiner Mutter geerbt, die benutzt auch Hände und Füße beim Reden. Ich muss auf der Bühne immer herumhantieren, um die Musik zu unterstützen. Es wäre ein Gräuel, wenn ich starr am Mikro stehen oder wie ein Rocksänger herumspringen würde. Deswegen tun mir nach den Konzerten nicht die Beine weh, sondern Arme und Nacken von der Anspannung. Das ist extrem anstrengend, am ehesten zu vergleichen mit der Muskelanspannung von Bodybuildern, läuft aber unterbewusst ab.

 

Kommt also die Masseurin mit auf Tour?

Nein. Da bleiben wir auf dem Boden, zu viel Luxus macht schwach. Wir müssen auch keine Suiten haben, sondern ganz normale Hotelzimmer. Ich muss da doch nur pennen und nicht leben. Auf der Tour gibt es bis nach dem Konzert auch totales Alkoholverbot. Wer morgens zur Arbeit geht, kann sich auch nicht betrinken und die Leute anpöbeln. Wer das nicht akzeptiert, bleibt eben zu Hause. Zu uns kommen auch Kinder, da kannst du nicht mit einer Fahne herumlaufen. Als Musiker hast du eine Vorbildfunktion. Ich würde mich nie angetrunken auf die Bühne stellen und womöglich etwas sagen, wofür ich mich später schämen müsste. Vertragen kann ich sowieso nichts.

 

Also kein Sex, Drugs and Rock ’n‘ Roll?

Nein. Wir sind die langweiligste Band in dieser Hinsicht. Wir gehen früh ins Bett und sind am nächsten Tag fit. Wenn zu dir Leute ins Konzert kommen, die teilweise 500 Kilometer gefahren sind und einen Haufen Geld ausgegeben haben, kannst du nicht besoffen über die Bühne torkeln, den Text vergessen und die Einsätze verpassen. Das tut man nicht. Eine Tour kannst du nicht durchhalten, wenn du dich nicht fit hältst.

 

Wie trainieren Sie?

Ich gehe joggen und Fahrrad fahren. Auf Tour bin ich ohnehin im Training, weil ich mich bei jedem Auftritt verausgabe.

 

Und die Stimme?

 Ich inhaliere mit Salbei, seitdem ich vor zwei Jahren eine Erkältung auf Tour hatte und die Stimme versagte. Heute sehen wir immer zu, nach drei Tagen Tour zwei, drei Regenerationstage einzuschieben.

 

Und was macht der Graf in der Freizeit?

Das ist unspektakulär. Spazieren gehen und viel Zeit mit der Familie und meinen Eltern verbringen.

 

Wie waren Sie als Kind?

Ich war ein stilles Kind, habe nie viel geredet. Deswegen habe ich gern Kunst und Sport gemacht. Da musste ich nicht reden. Ich bin mit sieben Jahren irgendwann aus der Schule gekommen und habe kaum noch ein Wort gesagt. Meine Eltern brachten mich zu Ärzten und Psychologen. Aber für die war ich auch ein Rätsel: Stottern, Sprachproblem, oder lag es am Zwerchfell? Keiner wusste Rat. Der Witz war: In den Sommerferien habe ich geplappert wie ein Wasserfall, und in der Schule kam kein Wort mehr heraus. Vielleicht wurde ich gehänselt, oder es war ein schlimmes Erlebnis, keine Ahnung.

 

Was taten Ihre Eltern?

Meine Eltern haben alles unterstützt, bei dem ich nicht viel reden musste. Dazu gehörte eben auch Musik. Ich bekam Unterricht auf unserer Heimorgel mit zwei Klaviaturen, Fußpedal und Rhythmus-Maschine, auf der ich schon früh eigene Lieder komponierte. Heute merke ich, dass ich beim Reden viel nachzuholen habe.

 

Wie meinen Sie das?

Ich will immer drei Sachen gleichzeitig sagen und bleibe dann hängen. Ich habe Leute kennengelernt, die extrem stottern. Das ist eine andere Baustelle. Für mich ist es heute ein innerer Sieg, auf der Bühne zu stehen und zu Tausenden Leuten zu sprechen. Mein Schuldirektor riet mir damals: Junge, mach später einen Beruf, wo du nicht viel telefonieren musst. Das fand ich ganz schlimm. Deswegen ist mein heutiger Erfolg auch ein kleiner Triumph über die Zeit damals.

 

Unheilig live: 27. 11. Münster, Halle Münsterland; 2. 1. Lingen, Emslandhallen

 

 

 


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