24.04.2017, 06:00 Uhr

Lebensgefahr und Amputation droht Was ist Meningitis und wie kann man sich schützen?

Die Hände eines fünfjährigen Kindes, das an Meningitis erkrankte in deren Folge Unterschenkel und einige seiner Finger amputiert werden mussten. Archivfoto: dpaDie Hände eines fünfjährigen Kindes, das an Meningitis erkrankte in deren Folge Unterschenkel und einige seiner Finger amputiert werden mussten. Archivfoto: dpa

Osnabrück. Meningitis, auch Hirnhautentzündung genannt, ist eine gefährliche Krankheit, die im schlimmsten Falle schnell zum Tode führen kann. Hier ein paar Fakten zur Krankheit.

Was ist eine Meningitis?

Als Meningitis wird die Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute bezeichnet. Eine weitere Bezeichnung ist Hirnhautentzündung. Sie äußert sich zumeist durch Fieber, starke Kopf- und Nervenschmerzen und einen steifen Nacken.

Gibt es unterschiedliche Arten der Meningitis?

Grob unterteilt werden kann in eine durch Viren ausgelöste Meningitis und eine durch Bakterien. Erstere kann beispielsweise durch Zecken übertragen werden. Eine durch Viren ausgelöste Meningitis lässt sich nicht mit Antibiotika therapieren, verläuft in der Regel jedoch nicht so schwer wie eine bakterielle.

Wird eine bakterielle Meningitis nicht behandelt, kann sie dagegen innerhalb weniger Stunden zum Tod führen oder diverse Schäden hinterlassen, zum Teil sind Amputationen notwendig.

Ein Interview mit einem Kinderarzt zum Thema lesen Sie hier>>

Was sind Pneumokokken und Meningokokken?

Meningokokken gelten als Hauptursache für die bakterielle Meningitis. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 700 bis 800 Menschen an einer Meningokokken-Infektion.

Auch Pneumokokken sind gefährlich, da sie die häufigsten Erreger schwer verlaufender Infektionen durch Bakterien sind. Sie verursachen schwere Erkrankungen, wie Lungen-, Mittelohr- oder eben Hirnhautentzündungen. Besonders Säuglinge und Kleinkinder sind durch eine Infektion mit Pneumokokken gefährdet. (Weiterlesen: Der Morgen, an dem die kleine Jule nicht mehr aufwachte)

Wie werden Pneumokokken und Meningokokken übertragen?

Beide Bakterienarten werden durch Tröpfcheninfektionen übertragen. Sie können monatelang im Nasenrachenraum verweilen, bis sie aktiv werden. Von beiden Bakterien gibt es diverse Arten, medizinisch Serotypen genannt. Gegen einige der Serotypen kann geimpft werden.

Gelangen die Bakterien in die Blutbahn, kann dies zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen, die oftmals schnell zum Tode führt. Man spricht dann von einer Meningokokkensepsis, beziehungsweise einer Pneumokokkensepsis.

Als Meningitis wird die Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute bezeichnet. Grafik: dpa

Wird gegen die bakterielle Meningitis geimpft?

In Deutschland werden Kinder ab dem zweiten Monat gegen Pneumokokken geimpft, allerdings nicht gegen alle Serotypen der Bakterie. In ihrem zweiten Lebensjahr werden sie zudem routinemäßig gegen Meningokokken C geimpft.

Häufiger ist hierzulande jedoch die durch Meningokokken B verursachte Meningitis. Seit Dezember 2013 steht auch hier Impfstoff zur Verfügung, dieser wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Institutes jedoch noch nicht empfohlen.

Warum wird die Meningokokken-B-Impfung nicht empfohlen?

Dafür gibt es mehrere Gründe, sagt Susanne Glasmacher, Pressesprecherin der Robert Koch-Intituts, auf unsere Nachfrage: Zum einen lägen noch nicht genug Daten zur Wirksamkeit und „zur längerfristigen Impfwirksamkeit“ vor. „Basierend auf Immunogenitätsstudien scheint der Immunschutz nach der Impfung zudem relativ schnell abzunehmen“, so Glasmacher. Man werde daher weitere Daten aus England abwarten, wo der Impfstoff weitaus häufiger eingesetzt werde.

Zudem lasse sich die Impfung nur schwer in den bereits bestehenden Impfkalender integrieren, da besonders kleine Kinder anfällig für Meningokokken B sind: „Wenn man sein Kind impfen lassen möchte, wäre die Impfung vor allem bei Säuglingen ab dem Alter von zwei Monaten sinnvoll. Dies stellt aber auch eine besondere Herausforderung dar, denn Säuglinge erhalten bereits eine Vielzahl von Impfungen. Bei Verabreichung der MenB-Impfung zusammen mit dem Sechsfach- und dem Pneumokokken-Impfstoff treten Nebenwirkungen, insbesondere Fieber recht häufig auf“, so Glasmacher weiter.

Eltern, die ihre Kinder trotzdem impfen lassen wollen, sollten sich daher mit dem Kinderarzt absprechen. Da nur empfohlene Impfungen von den Krankenkassen bezahlt werden, ist die Impfung gegen Meningokokken B in der Regel jedoch kostenpflichtig.

Wie oft gab es bakterielle Meningitisfälle in Niedersachsen?

Im Gegensatz zu der durch Pneumokokken oder gar Viren ausgelösten Meningitis, ist nur die durch Meningokokken verursachte Meningitis meldepflichtig, erklärt Holger Scharlach vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt.

Von 2001 bis zum 1. April 2017 gab es niedersachsenweit 710 Fälle, von denen 55 tödlich verliefen. Die meisten Erkrankungen, 243 an der Zahl, traten bei Kindern zwischen 0 und vier Jahren auf, gefolgt von 150 bei 15 bis 19 Jahre alten Jugendlichen. Die meisten Todesfälle an Meningitis gab es im Jahr 2008 mit acht; während 2016 in Niedersachsen vier Menschen an der Krankheit starben. 2017 gab es bis zum ersten April einen Todesfall.


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