19.03.2017, 09:25 Uhr

Mogel-Verlag aus Rhede-Brual Die tierischen Spiele der emsländischen Familie Loth


Osnabrück. Spiele sind bei den Loths aus dem emsländischen Rhede-Brual Familiensache. Doch Mutter Petra und ihre Söhne spielen nicht nur Spiele, sie erfinden und verkaufen sie auch. Drei tierische Titel hat der Mogel-Verlag bereits im Angebot. Weitere Spiele sind in Planung.

„Wir entwickeln Kartenspiele für Familien“, beschreibt Jürgen Loth die Ausrichtung des im September 2016 gegründeten Mogel-Verlags. Der 27-Jährige kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit des neuen Branchen-Mitspielers. Kreativer Kopf des Familienunternehmens ist Bruder Michael, der die Ideen für die Spiele einbringt. Zudem gehören Mutter Petra, Bruder Gerrit und Jörne Koldehoff zum Team. Die Loth-Brüder Stefan und Thomas zählen zwar nicht zum Verlag, engagieren sich aber als Testspieler der Prototypen.

2000 Stück pro Titel

Ein erster Anlauf Michael Loths in die Spieleautoren-Szene blieb vor einigen Jahren stecken. Im vergangenen Jahr habe er dann den Rest der Familie aufgefordert einzusteigen, sagt Jürgen Loth. Mit Erfolg. Zum Start im Herbst präsentierte der Mogel-Verlag gleich drei Kartenspiele – alle mit einem tierischen Thema. Mit Ausnahme der Produktion, die vom bayrischen Dienstleister Ludo Fact übernommen wurde, haben die Emsländer alle fälligen Arbeiten wie zum Beispiel das Kartendesign selbst erledigt. Jeweils 2000 Stück ließen die Loths pro Titel herstellen. Für einen Neuling eine recht achtbare Zahl.

„Erwartungen übertroffen“

Um die Spieler auf „Willi Wörterwurm“, „Tierisch bedroht“ und „Perlentauchen“ aufmerksam zu machen, war der Mogel-Verlag im vergangenen Oktober auf der Messe „Spiel ‚16“ in Essen mit einem Stand vertreten. Auch die Berichterstattung in Fachmedien half den Emsländern. Eine vierstellige Zahl an Spielen, etwa im eigenen Online-Shop, hätten sie bereits Ende des Jahres verkauft gehabt, sagt Jürgen Loth. „Unsere optimistischste Erwartung wurde übertroffen“, freut sich der Rheder. Im kommenden August soll nun das vierte Kartenspiel erscheinen. Darin werde es um ein Ritterturnier gehen.

Trotz der ersten Erfolge soll die Verlagsarbeit nur Hobby bleiben. „Wir möchten alle in unseren Berufen bleiben“, sagt Jürgen Loth. Er sieht den Verlag eher als Kitt, um die Familie zusammenzuhalten. Und natürlich möchten sie so viel verdienen, um ihre Investitionen wieder herauszubekommen. Ziel sei es, den Verlag so aufzustellen, dass er sich finanziell trägt. Bislang versucht er es mit diesen Spielen:

Spielkritik: Willi Wörterwurm

Willi Wörterwurm: Buchstabe für Buchstabe entstehen Wörter beim kooperativen „Willi Wörterwurm“. Alle Spieler zusammen versuchen, Begriffe für drei vorgegebene Kategorien zu finden. Weibliche Vornamen zum Beispiel. Oder Geografisches. An Ideen dürfte es nicht scheitern, nur: Die Buchstabenkarten auf der Hand begrenzen die Möglichkeiten. Zudem dürfen die Spieler nicht über ihre Karten sprechen und pro Kategorie nur an einem Wort gleichzeitig werkeln. Es gilt also, zu erahnen, welche Wörter die anderen vielleicht mit ihren Buchstaben bilden wollen. Das lässt einen grübeln, rätseln, probieren. Und manchmal zieht es sich auch, wenn jemand zu lange nachdenkt.

Wer dran ist, legt einen Buchstaben an oder wirft einen Buchstaben ab; dann zieht er eine Karte nach. Vollständige Wörter werden abgeräumt. Je wertvoller die einzelnen Buchstaben dieser Wörter sind, desto besser ist das Gesamtergebnis am Ende. Abgeworfene Karten kommen natürlich nicht in die Wertung. 200 Punkte sind möglich. Aber alles über 160 ist bereits super.

Wie erreicht die Gruppe aber eine Top-Wertung? Die richtige Verwendung der allgemeinen Buchstabenauslage ist das Geheimnis. Ein Buchstabe aus der Auslage darf einem werdenden Wort hinzugefügt werden, wenn man selbst wieder eine Handkarte in die Auslage legt. Wer die Auslage mit dem Q, Y oder X verstopft, beraubt sich des Kommunikationsmoduls. Denn wer die richtigen Buchstaben in die Auslage packt, teilt dadurch indirekt mit, welche Wörter sich legen lassen. Dieses Herzstück macht „Willi Wörterwurm“ reizvoll für Menschen, die Spaß am Spiel mit Sprache haben. Wer es etwas einfacher mag, darf gerne den Namen des Verlags wörtlich nehmen und beim Redeanteil etwas mogeln – solange das Dehnen der Regeln allen Mitspielern gefällt.

Willi Wörterwurm (Mogel-Verlag) von Michael Loth ist für 2 bis 5 Spieler ab 10 Jahren. Eine Partie dauert 30 bis 50 Minuten. Preis: 10 Euro. – Würfelwert: 4 (gut)

Spielkritik: Tierisch bedroht

Tierisch bedroht: Als Artenschützer kümmern sich die Spieler gemeinsam um das Überleben bedrohter Tierarten. Abhängig von der Zahl der Mitspieler liegen pro Runde fünf oder sechs Karten mit hilfsbedürftigen Tieren aus. Allerdings verdeckt. Die Farbe der Rückseite gibt lediglich vor, ob die Tiere im Wasser, an Land oder in der Luft leben. Es gibt aber noch keinen Hinweis darauf, wie schwer die Rettungsaktionen werden.

Jede Art benötigt an Unterstützung eine bestimmte Menge an Geld und spezifischen Lebensraum. Diese Ressourcen sind auf den Handkarten der Spieler zu befinden. Allerdings dürfen sich die Retter nur solange absprechen, wie sie die Karten noch nicht angesehen haben. Anschließend wählen alle die Karten aus, die sie in dieser Runde spielen wollen. Erst in dieser Phase wird klar, in welchem Maß Ressourcen zur Verfügung stehen. Doch die Kommunikation ist nun untersagt. Reichen die Geld- und Landschaftssymbole, um die Tiere zu retten?

Vorm Ausspielen werden zumindest noch die Tierkarten in der Mitte umgedreht, sodass offensichtlich wird, welches Tier welche Rettungsmaßnahme benötigt. Nicht selten ist es Glückssache, ob die zur Verfügung stehenden Ressourcen überhaupt ausreichen, um die Tiere zu schützen. Spenden- und Strategiekarten wirken dem Pech zumindest ein wenig entgegen. Das Wohl der Tiere hängt letztlich von der zufälligen Kartenverteilung ab.

Wie erfolgreich das Team letztlich war, lässt sich ausrechnen. Am Ende werden die Punktwerte der noch bedrohten Tiere von den Punktwerten der geretteten Tiere abgezogen. Reicht es für ein „Saubär! Das war saustark“ oder ein „Einfach Elefantastisch!“? Oder heißt es „Klappe zu, Affe tot. Klappe auf und noch einmal!“.

Tierisch bedroht (Mogel-Verlag) von Michael Loth ist für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren. Eine Partie dauert 20 bis 30 Minuten. Preis: 10 Euro. – Würfelwert: 3 (ordentlich)

Spielkritik: Perlentauchen

Perlentauchen. Unter Wasser spielt sich das atmosphärisch stimmige „Perlentauchen“ ab. Am Meeresgrund liegen begehrenswerte Schätze in Form von unterschiedlich farbigen Perlenkarten, allerdings zunächst verborgen in Muscheln. Diese können die Taucher mit Aktionskarten knacken (umdrehen) beziehungsweise bergen (in die eigene Perlenkette einreihen). Ziel jedes Spielers ist es, seine persönliche, von einer Auftragskarte vorgegebene Farbkombination als Erster aufgedeckt vor sich liegen zu haben. Dabei stören nicht nur nutzlose Stiefelkarten und zeitraubende Meeresereignisse, sondern vor allem die Mitspieler, die mit der entsprechenden Aktionskarte ungefragt Perlen klauen oder tauschen können.

Freundliche Grafik, schneller Einstieg, viel Interaktion – „Perlentauchen“ macht einen guten ersten Eindruck. Die unterschiedlichen Aktionen sind überschaubar, sodass – wie vom Verlag angegeben – tatsächlich auch viele Sechsjährige nicht überfordert sein werden. Das gilt zumindest für die Spielregel. Die Spieldauer pro Durchgang hätte man – vor allem im Zweipersonenspiel – deutlich reduzieren können, wenn weniger Perlen zu suchen wären. Ein höheres Handkartenlimit als drei hätte zudem etwas mehr Spielraum für taktische Kniffe gelassen.

Perlentauchen (Mogel-Verlag) von Familie Loth ist für 2 bis 4 Spieler ab 6 Jahren. Eine Partie dauert 10 bis 60 Minuten. Preis: 10 Euro. – Würfelwert: 2 (mittelmäßig)


Legende der Würfelnoten:

1 = schwach

2 = mittelmäßig

3 = ordentlich

4 = gut

5 = stark

6 = genial

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