31.01.2017, 19:02 Uhr

Prognose des Robert-Koch-Instituts Fast jeder zweite Deutsche wird an Krebs erkranken

Ein Mediziner stellt eine Auffälligkeit auf einem Mammographie-Scan einer weiblichen Brust fest. Jeder vierte Deutsche wird an Krebs sterben, prognostiziert das Robert-Koch-Institut. Foto: dpaEin Mediziner stellt eine Auffälligkeit auf einem Mammographie-Scan einer weiblichen Brust fest. Jeder vierte Deutsche wird an Krebs sterben, prognostiziert das Robert-Koch-Institut. Foto: dpa

epd/lod Leipzig. Fast jeder Zweite wird im Verlauf seines Lebens an Krebs erkranken: 51 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen. Statistisch gesehen, stirbt fast jeder Vierte daran. Das zeigen aktuelle Berechnungen des Robert-Koch-Instituts.

Derzeit leben rund vier Millionen Menschen in Deutschland, die schon einmal an Krebs erkrankt waren. Rund 500.000 Krebsfälle werden jedes Jahr neu gemeldet, rund 220.000 Menschen sterben daran. Die Überlebensaussichten in Deutschland haben sich in den letzten 30 Jahren deutlich verbessert. Das Robert-Koch-Institut, die zentrale Gesundheitsforschungseinrichtung der Bundesrepublik Deutschland, belegt: Die Heilungschancen bei Brust-, Hoden- oder Schilddrüsenkrebs sind gut.

In seinem „Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland 2016“ fasst das Institut die Entwicklung zusammen:

„Die absolute Zahl der Neuerkrankungen an Krebs hat sich seit Anfang der 1970er-Jahre in Deutschland fast verdoppelt. Eine wesentliche, aber nicht die einzige Ursache ist dafür die demografische Alterung der Bevölkerung.“

  • Im Jahr 2013 erkrankten an Krebs rund 223.000 Frauen und rund 252.000 Männer. Etwa 100.000 der Frauen und 120.000 der Männer starben an Krebs.
  • Frauen waren im Mittel 67 Jahre alt, Männer 68, als sie erkrankten und 74, beziehungsweise 72 Jahre alt, als sie starben.
  • In drei Jahren soll es jeweils noch mal gut 20.000 Erkrankungen mehr geben.
  • Die häufigste Krebsdiagnose bei Frauen war 2013 Brustkrebs. Bei Männern war Lungenkrebs die häufigste Diagnose in der stationären Versorgung. Prostatakrebs war die häufigste Diagnose im vertragsärztlichen Bereich und in der Rehabilitation.
  • Zwischen 2008 und 2013 ist die Zahl der Krebskranken um rund 18 Prozent gestiegen.
  • Fast die Hälfte der Frauen mit Krebsdiagnose und knapp ein Drittel der betroffenen Männer wurden psychotherapeutisch betreut.
  • Deutschland gehört zu den Ländern Europas mit den höchsten Überlebensraten bei der Diagnose Krebs.
  • Brustkrebs war 2013 der Grund für etwa 3,7 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage.
  • Jeder achte Pflegefall im Jahr 2013 hat eine Krebserkrankung als erste pflegebegründende Diagnose.

Lücke in der Wissenschaft

Die körperlichen, kognitiven, emotionalen und sozialen Einschränkungen der Lebensqualität von Menschen mit Krebs wurden in Deutschland bislang wenig erforscht. Eine Studie weist jedoch darauf hin, dass Menschen mit Darm-, Brust- oder Prostatakrebs mehrere Jahre nach ihrer Diagnose ihre allgemeine Gesundheit und Lebensqualität ähnlich hoch einschätzen wie gesunde Personen, auch wenn teilweise psychosoziale Einschränkungen langfristig zu bestehen scheinen. Etwa ein Drittel der Krebspatienten leidet unter psychischen Folgestörungen wie Depressionen.

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Es gibt bestimmte Risikofaktoren, die es wahrscheinlicher werden lassen, an Krebs zu erkranken. Laut der Robert-Koch-Studie ist die deutsche Bevölkerung im Durchschnitt zu dick – „ca. 60 Prozent Übergewichtige“ – sie isst zu wenig Obst und Gemüse, zu viel Fleisch und bewegt sich zu wenig.“

Gefährdende Umwelteinflüsse

Der Anteil von Umwelteinflüssen, wie Schadstoffe in Luft, Wasser und Boden, an der Krebsentstehung ist laut Studie schwer abzuschätzen. Wichtigster Faktor für die Entstehung eines malignen Melanoms („schwarzer Hautkrebs“) ist UV-Licht durch Sonne und Solarien.

Vier bis zehn Prozent aller Krebserkrankungen sind beruflichen Risikofaktoren zuzuschreiben und machen daher arbeitsplatzbezogene Vorsorge erforderlich. Beispielsweise Schutz vor Strahlung, Asbest und Feinstaub.

Nach Rauchen stellt die natürliche Radonexposition (radioaktives chemisches Element auf der Erdoberfläche) ein wesentliches Risiko für Lungenkrebs in der Bevölkerung dar. Feinstaub, vor allem Dieselruß ist ein weiterer Risikofaktor für Lungenkrebs. Hormonaktive Substanzen stehen unter Verdacht, die Entstehung hormonell regulierter Tumoren zu fördern, allerdings sei dies noch nicht weit erforscht.

Vorsorge treffen

Über 80 Prozent der Bevölkerung kennen die Angebote ihrer Krankenkassen zur Krebsfrüherkennung. Deutlich weniger Menschen nutzen dieses Angebot regelmäßig: 67 Prozent der Frauen (ab 20 Jahren) und 40 Prozent der Männer (ab 35 Jahren). Bei den Früherkennungsangeboten bestehen laut Studie altersbedingte und soziale Unterschiede bei der Inanspruchnahme.

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