17.11.2016, 11:04 Uhr

Stichprobe in Osnabrücker Firmen Private Pakete am Arbeitsplatz: Ist das erlaubt?

Insbesondere zu Weihnachten floriert das Online-Geschäft. Wer nicht zu Hause ist, kann sich das Paket an den Arbeitsplatz schicken lassen. Aber ist das erlaubt? Foto: dpaInsbesondere zu Weihnachten floriert das Online-Geschäft. Wer nicht zu Hause ist, kann sich das Paket an den Arbeitsplatz schicken lassen. Aber ist das erlaubt? Foto: dpa

Osnabrück. Der Paketbote klingelt, doch keiner macht ihm auf. Insbesondere kurz vor Weihnachten nutzen Kunden Online-Bestelldienste und lassen sich Geschenke liefern. Sind sie tagsüber nicht zu Hause, ist der Versand an den Arbeitsplatz eine Möglichkeit. Aber ist das arbeitsrechtlich überhaupt erlaubt?

„Während der Arbeitszeit haben Sie zu arbeiten“, sagt Michael Henn im Gespräch mit unserer Redaktion. So laute eigentlich der Grundgedanke im Arbeitsrecht. Henn ist Präsident des Verbands deutscher Arbeitsrechtsanwälte. Wer auf der Arbeit ein Paket in Empfang nehme, könnte dafür insgesamt bis zu fünf Minuten brauchen, schätzt der Anwalt. Der Arbeitnehmer müsse zum Beispiel zum Pförtner gehen, das Paket annehmen und anschließend verstauen. Deshalb lautet seine persönliche juristische Meinung: „Es ist eigentlich nicht erlaubt, weil es eine private Tätigkeit im Arbeitsablauf ist.“

Pakete am Arbeitsplatz: Konkretes Verbot?

Doch der Anwalt macht auch Einschränkungen: „Die Frage ist: Hat es der Arbeitgeber konkret verboten?“ Zum Beispiel durch eine Betriebsordnung, wie es sie in größeren Betrieben oftmals gibt. Lässt sich ein Arbeitnehmer nun wider besseren Wissens trotzdem das Weihnachtsgeschenk für das Kind zum Pförtner liefern, könnte das ein Grund für eine Abmahnung sein, wie Henn erläutert. „Der Pflichtenverstoß ist nicht so schwerwiegend“, sagt der Anwalt. Direkt gekündigt würde der Arbeitnehmer dafür freilich nicht.

Kein Thema bei Hellmann, Homann und Schoeller

Eine stichprobenhafte Umfrage bei größeren Arbeitgebern in und um Osnabrücker zeigt: Das Problem privater Pakete am Arbeitsplatz stellt sich eigentlich nicht. So zum Beispiel beim Logistiker Hellmann in Osnabrück. Der Personalleiter Claudio Gerring sagt: „Es gibt weder ein Verbot, noch eine ausdrückliche Genehmigung dafür, weil das bei uns im Unternehmen eigentlich so gut wie nie vorkommt.“

Ähnlich äußert sich auch der Sprecher des Lebensmittelherstellers Homann in Dissen, Alexander Truhlar: Homann habe keine Regelung dafür. „Dem Vernehmen nach kommt es auch nicht allzu häufig vor“, so Truhlar. „Offenbar nutzen unsere Mitarbeiter die Vorteile von Packstationen.“ Auch beim Papierfabrikanten Felix Schoeller ist der Empfang privater Pakete am Arbeitsplatz kein Thema, wie Sprecherin Friederike Texter sagt. „Es kommt praktisch nicht vor.“

Und wie steht es in kleinen Betrieben? Arbeitsrechtler Henn sagt dazu: „Solange es der Chef nicht verboten hat, ist es ein Graubereich.“ Gerichtsentscheidungen sind ihm dazu nicht bekannt. Er empfiehlt Mitarbeitern, den Chef vorher zu fragen.

Packstationen und Paket-Shops

Wem die Annahme zu Hause und am Arbeitsplatz nicht möglich ist, kann zum Beispiel auf Packstationen ausweichen. Kunden können sich dafür bei der DHL registrieren und die Pakete an die Stationen liefern lassen, die zum Beispiel vor Postfilialen oder Supermärkten zu finden sind. Außerdem ist es nach der Registrierung möglich, ein Paket direkt an eine Filiale schicken zu lassen. Einen ähnlichen Service bieten auch UPS und Hermes: Kunden können den direkten Versand in einen nahen Paketshop veranlassen. So gibt es auch keinen Streit mit dem Chef.

Eine DHL-Packstation vor der Filiale des Discounters Aldi in der Martinistraße in Osnabrück. Foto: David Ebener

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