01.11.2016, 09:12 Uhr

Biorhythmus, Koffein und Zeitumstellung Warum wir Kaffee zur falschen Zeit trinken

Biorhythmus, Cortisol, Koffein und Zeitumstellung: Darum trinken wir Kaffee zur garantiert falschen Uhrzeit. Foto: David Ebener/dpaBiorhythmus, Cortisol, Koffein und Zeitumstellung: Darum trinken wir Kaffee zur garantiert falschen Uhrzeit. Foto: David Ebener/dpa

Osnabrück. Morgens nach dem Aufstehen heißt es für viele Menschen: Erstmal ein Käffchen, so zum Wach werden. Genau falsch, sagen Wissenschaftler: Zu bestimmten Uhrzeiten kann das Koffein im Kaffee sogar das Gegenteil bewirken. Das liegt an unserem Biorhythmus.

Für die meisten Menschen, die morgens früh aufstehen müssen, geht es nicht ohne die obligatorische Tasse eines bestimmten Heißgetränks, „Ohne Kaffee werde ich morgens gar nicht richtig wach!“ hört man da oft. Doch laut einiger wissenschaftlicher Studien soll Kaffee zu bestimmten Uhrzeiten gar nichts bringen – und in bestimmten Fällen sogar schädlich sein.

Der US-amerikanische Neurowissenschaftler Steve Miller schreibt in seinem Blog NeuroscienceDC , dass Genuss von Kaffee besonders zwischen acht und neun Uhr morgens „ungünstig“ sei. Wer zu diesen Stunden Koffein zu sich nimmt, werde ganz schnell eine Koffein-Toleranz aufbauen.

Kann nicht sein, werden sich da einige Kaffeetrinker wundern, gerade zu diesen Zeiten ist der Griff zur Kaffeetasse unvermeidlich. Das mag der Mensch subjektiv so sehen, aber laut Miller gibt der körpereigene Biorhythmus andere Zeiten für Koffein vor.

Das hängt mit dem Stresshormon Cortisol zusammen, so der Wissenschaftler aus Washington. Cortisol bewirkt, kurz gesagt, dass wir wach werden; der Körper versetzt sich selbst in eine Art Alarmzustand und der Stoffwechsel wird angeregt. Zwischen acht und neun Uhr morgens findet sich in unserem Blut die höchste Cortisol-Dosierung. Nimmt man nun Koffein zu sich, tut man das, wenn der Körper ohnehin schon den höchstmöglichen Grad an Wachsamkeit hat. Die Folge kann sein, dass wir uns zu sehr an Koffein gewöhnen, eine Toleranz entwickeln – und so immer mehr benötigen, um wach zu werden.

Aus der morgendlichen Tasse Wachmacher können also schnell zwei oder vier werden. Vorsicht auch beim nachmittäglichen Kaffeekränzchen: Denn zwischen 12 Uhr und 13 Uhr, sowie zwischen 17.30 Uhr und 18.30 Uhr schüttet der Körper erneut vermehrt Cortisol aus, erläutert der Neurowissenschaftler.

Man muss also auf den Biorhythmus hören: Nimmt man die von Miller zitierten Studien als Grundlage, ist der ideale Zeitpunkt für Kaffee zwischen 9.30 Uhr und 11.30 Uhr, wenn die Cortisol-Konzentration im Blut wieder abnimmt.

Die Zeitumstellung 2016 hat außerdem weniger Auswirkungen auf unseren Biorhythmus, als viele Menschen annehmen. Müdigkeit, Gereiztheit oder Konzentrationsstörungen können zwar auftreten. „Es ist so eine Art Mini-Jetlag“, sagte der Regensburger Schlafforscher Professor Jürgen Zulley. Jeder Mensch habe einen biologischen Rhythmus, von dem er nicht so einfach abweichen könne. „Wir müssen davon ausgehen, dass wir zumindest für ein, zwei Tage nicht im richtigen Takt leben.“

(Weiterlesen: Mehr Verkehrsunfälle durch Zeitumstellung.)


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