01.11.2016, 06:00 Uhr

Weltvegantag 2016 Analogkäse: Vom billigen Imitat zum Produkt für Veganer

Käse aus Kuhmilch wie dieser aus tierischer Milch ist Veganern ein Graus. Sie bevorzugen Imitate auf pflanzlicher Basis. Noch vor wenigen Jahren waren diese auch als Analogkäse bezeichneten Produkte aber verpönt. Foto: imago/GranAngularKäse aus Kuhmilch wie dieser aus tierischer Milch ist Veganern ein Graus. Sie bevorzugen Imitate auf pflanzlicher Basis. Noch vor wenigen Jahren waren diese auch als Analogkäse bezeichneten Produkte aber verpönt. Foto: imago/GranAngular

Osnabrück. Heute ist Weltvegantag. Auf den Foodtrend reagieren die Lebensmittelhersteller mit neuen Produkten. Sogar der vor wenigen Jahren noch verpönte Analogkäse ist wieder in aller Munde.

Als 2009 bekannt wurde, dass viele Hersteller von Fertigprodukten, Billig-Restaurants und Back-Shops keinen echten Käse aus Kuhmilch, sondern den auf pflanzlicher Basis hergestellten Analogkäse benutzten, reagierte die Öffentlichkeit empört. Doch was damals noch als billiges Käse-Imitat galt, ist heute ein Produkt für gehobene Ansprüche. Und immer mehr Konsumenten sind bereit, für veganen Käse-Ersatz tief in die Tasche zu greifen.

Ständig auf der Suche nach tierfreien Alternativen zu geronnenem Milcheiweiß aus Kuh- oder Ziegenmilch im Käse, kommt vor allem den Veganern das Käse-Imitat gerade recht. Nach Schätzungen ernähren sich in Deutschland inzwischen 1,1 Millionen Menschen vegan. Neben dem Tierwohl gehören Gesundheitsaspekte zu den Hauptargumenten für eine vegane Lebensweise. Käse-Imitate sind aber auch für Menschen geeignet, die unter Laktoseintoleranz leiden. Betroffene Personen entwickeln eine Unverträglichkeit (Intoleranz) gegenüber dem natürlichen Milchbestandteil Milchzucker (Laktose). Bei uns sollen etwa 14 Millionen Menschen davon betroffensein.

Aus Sicht der Veganer sprechen für den Ersatzkäse auch ökologische Gründe: Der oft monatelange Reifeprozess, den ein echter Käse durchlaufen müsse, benötige aufgrund der Kühlung zum Teil erhebliche Mengen an Energie, argumentieren sie. Experten gehen davon aus, dass die Herstellung von Analogkäse auch deshalb bis zu 40 Prozent billiger ist als die von echtem Käse. Trotzdem kosten vegane Käseersatzprodukte häufig sogar mehr als echter Käse.

Viele Zusatzstoffe

Basis eines Käse-Imitats ist meist eine preiswerte Mischung aus Wasser, pflanzlichem Eiweiß, Stärke und Pflanzenfett. Letzteres kann Kokosfett, Palmöl oder auch ein anderes pflanzliches Öl sein. Zusätzlich gibt es auch Käse-Ersatz auf Sojabasis zum Beispiel Feta-ähnliche Erzeugnisse. Manche Imitate werden auch auf der Grundlage von Reis, Nüssen oder Flohsamenschalen hergestellt.Kalzium enthält der vegane Käse-Ersatz in der Regel kaum. Der hohe Kalziumgehalt ist eines der wichtigsten Argumente für den Konsum von echtem Käse. Das Mineral soll unter anderem gut für die Knochen sein. Allerdings gibt es auch Studien, die auf gesundheitliche Risiken durch Kuhmilch hinweisen.

Damit ihre veganen Käse-Ersatzprodukte nach Käse schmecken, müssen die Hersteller sich etwas einfallen lassen: Meist werden deshalb reichlich Aroma- und Farbstoffe, Emulgatoren und Geschmacksverstärker eingesetzt. Gesundheitsexperten und Verbraucherschützer sehen das kritisch. So warntFoodwatch davor, dass durch die Verwendung von mehr Zusatzstoffen die Zahl von Allergien wachsen könne.

Auch der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) äußert sich skeptisch: „Vor allem hinter den Gesundheitsaspekt würde ich an einigen Stellen ein Fragezeichen setzen“, betont BDM-Sprecherin Jutta Weiß im Gespräch mit unserer Redaktion. Am Ende sei veganer Käse-Ersatz doch nichts anderes als Analogkäse mit einer Reihe von Zusatzstoffen. Das passe eigentlich nicht zu dem Anspruch der Veganer, sich besonders gesund zu ernähren.

Nur ein Trend?

Der BDM hatte 2009 als Reaktion auf den Skandal um Analogkäse eine umfassende Änderung des Kennzeichnungsrechts durchgesetzt: „Heute darf Käse nur als solcher bezeichnet werden, wenn er wie echter Käse auf der Basis von Milch hergestellt wurde“, stellt die Verbandssprecherin klar.

Laut einer Marktanalyse des Instituts für Handelsforschung (IFH) wurden 2015 Umsätze von 454 Millionen Euro mit vegetarischen und veganen Produkten erzielt. Dies ist ein Wachstumstrend von 25,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Bei diesen Zahlen wundert es nicht, dass einige Kritiker „Vegan“ für einen Foodtrend halten, der wahrscheinlich von der Lebensmittelindustrie erfunden wurde, um eine neue Käuferschicht zu finden.


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