07.06.2016, 15:20 Uhr

Kinderfotos auf Facebook In Frankreich drohen Eltern bis zu 45000 Euro Strafe

Elf Millionen Facebook-Nutzer erreichte dieser Aufruf der Polizei Hagen aus dem vergangenen Jahr. Foto: dpa/picture-allianceElf Millionen Facebook-Nutzer erreichte dieser Aufruf der Polizei Hagen aus dem vergangenen Jahr. Foto: dpa/picture-alliance

Osnabrück. In der Urlaubszeit quellen Facebook und andere Online-Netzwerke über mit Schnappschüssen der lieben Kleinen, die die stolzen Eltern eingestellt haben. Einmal erwachsen, findet das der Nachwuchs oft gar nicht mehr lustig. Betroffene können dann sogar gegen ihre Eltern klagen.

Urlaubszeit ist Fotozeit: Dann wird der Nachwuchs auch gern mal leicht bekleidet am Strand oder gar nackt im Planschbecken abgelichtet. Französische Behörden haben Eltern jetzt eindringlich davor gewarnt, solche Fotos ihrer Kinder im Internet zu veröffentlichen. Falls diese später gegen die Schnappschüsse auf Facebook & Co. klagten, drohten den Erziehungsberechtigten wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte im Extremfall Strafen bis zu 45000 Euro oder bis zu einem Jahr Haft.

Im Planschbecken

So streng sind die Gesetze in Deutschland allerdings nicht: Wie der IT-Rechtsexperte Christian Solmecke im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert, können Kinder hierzulande im Streitfall meist nur einen Unterlassungsanspruch durchsetzen: „Solche horrenden Summen wie in Frankreich werden bei uns in solchen Fällen nicht zugesprochen“, betont Solmecke, Nur in bestimmten Ausnahmefällen, wenn die Persönlichkeitsrechtsverletzung gravierend war, würden sich deutsche Gerichte für eine Geldentschädigung aussprechen.

Grundsätzlich entscheiden Eltern in Deutschland bis zum 14. Lebensjahr der Kinder, welche Fotos hochgeladen werden dürfen, so der Experte. Ab dem 14. Lebensjahr sei zusätzlich zur Einwilligung der Eltern auch die Einwilligung des Kindes erforderlich. Das heiße auch, dass die Kinder ab 14 Jahren von ihren Eltern verlangen könnten, früher hochgeladene Bilder wieder zu löschen.

Lesen Sie hier: Kinderfotos bei Facebook: Wo gehen Eltern zu weit?

Nicht rechtswidrig

Nur weil das Hochladen von Kinderfotos nicht rechtswidrig sei, sollten Eltern dennoch zweimal nachdenken, bevor sie Bilder ihrer Kinder ins Netz hochladen, betont Solmecke. „Das, was im Netz ist, bleibt erst mal dort und kann sich schnell auf mehreren Kanälen verbreiten.“

Wichtig ist auch, dass beide Elternteile der Veröffentlichung zustimmen. So hat das Amtsgericht Menden einem Vater die Veröffentlichung von Kinderfotos auf der Internetseite meinVZ untersagt und ihn zum Entfernen der Fotos verpflichtet. Allerdings war in diesem Fall die alleinsorgeberechtigte Mutter gegen die Verbreitung der Fotos vorgegangen.

„Sehr besorgt“

Fakt ist, dass in Zukunft immer mehr Heranwachsende mit von ihren Eltern geposteten Fotos aus ihrer Kindheit konfrontiert sein werden. Nach den Ergebnissen einer britischen Studie veröffentlichen Jungeltern jährlich bis zu 200 Bilder ihrer Sprösslinge. Und in einer US-Umfrage äußerte sich eine Mehrheit der befragten Jugendlichen „sehr besorgt“ darüber, wie Mama und Papa in sozialen Medien mit ihren Fotos umgehen.

Auch Experten weisen immer wieder darauf hin, dass wenn Fotos einmal im Internet landen, sie trotz Löschung oder vermeintlich sicherer Privatsphäreeinstellungen dort immer wieder auftauchen könnten. Außerdem sichere sich Facebook in seinen allgemeinen Geschäftsbedingungen eine einfache Lizenz an den hochgeladenen Fotos. Facebook behalte sich unter anderem vor, die Fotos in Zukunft eventuell auch an Dritte (z. B. Werbepartner) weiterzuleiten. Fremde können mit den Fotos Mobbing im Internet betreiben, warnen Experten. Auch Pädophile würden häufig aus sozialen Netzwerken Fotos herunterladen.

Weiterlesen: Lehrer bringt Schülerin wegen Facebook-Eintrags vor Gericht

Cyber-Mobbing

Medienpädagogen kritisieren, dass vielen Eltern gar nicht bewusst sei, was Kinderfotos im Netz anrichten und welchen Schaden Kinder dadurch erleiden könnten. Häufig würden zum Beispiel Teenager von Mitschülern wegen Babyfotos aufgezogen. Nicht selten würde dabei auch die Grenze zum Cyber-Mobbing überschritten. Eltern sollten mit ihren Kindern unbedingt darüber sprechen, welche Fotos von ihnen im Internet veröffentlicht werden sollen.

Die Polizei Hagen sah sich im vergangenen Jahr sogar veranlasst, einen dringenden Aufruf bei Facebook zu veröffentlichen: „Hören Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder für jedermann sichtbar bei Facebook und Co zu posten! – Auch Ihre Kinder haben eine Privatsphäre!“, lautete der Appell an die Eltern.“Vielleicht finden Sie die Fotos heute süß, Ihrem Kind sind sie in ein paar Jahren aber endlos peinlich. Oder Ihr Kind wir damit sogar gemobbt“, warnten die Beamten. Denn was einmal im Internet auftauche, verschwinde dort nicht mehr. Der Aufruf erreichte elf Millionen Facebook-Nutzer.189.000 Facebook-Nutzer haben ihn geteilt und mehr als 3400 kommentierten ihn. „Super Beitrag und ein Warnschuss, um manchen nochmals die Augen zu öffnen!“, schrieb eine Frau.

Lesen Sie hier: Das sind die neuen Emojis bei Facebook


0 Kommentare