05.03.2016, 12:13 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Mineralöl in Lebensmitteln Foodwatch: Lobbyverband will Initiative von Aldi Süd verhindern

Versucht der führende Lobbyverband der deutschen Lebensmittelindustrie Aldi Süd daran zu hindern, konsequent gegen den Eintrag von gefährlichen Mineralölen in Lebensmittel vorzugehen? Symbolfoto: dpaVersucht der führende Lobbyverband der deutschen Lebensmittelindustrie Aldi Süd daran zu hindern, konsequent gegen den Eintrag von gefährlichen Mineralölen in Lebensmittel vorzugehen? Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Der Streit zwischen der Verbraucherorganisation Foodwatch und der Lebensmittelindustrie über gefährliche Mineralöle geht in die nächste Runde: Nach Angaben der Verbraucherschützer versucht der führende Lobbyverband der deutschen Lebensmittelindustrie derzeit, Aldi Süd daran zu hindern, konsequent gegen den Eintrag von gefährlichen Mineralölen in Lebensmittel vorzugehen.

Aldi Süd hatte kürzlich von seinen Zulieferbetrieben verlangt, dass alle Lebensmitteleigenmarken in Zukunft frei von Mineralölbestandteilen, sogenannten Mosh und Moah, sein müssen. In einem Schreiben, das Foodwatch am Samstag öffentlich gemacht hat, fordert der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) den Discounter nun schriftlich auf, die Vorgaben zurückzunehmen, teilten die Verbraucherschützer in einer Pressemitteilung mit.

In dem Schreiben der BLL an Aldi Süd hieße es unter anderem, man halte die von dem Discounter gemachten Vorgaben „weder für praktisch erfüllbar noch unter Verbraucherschutzaspekten für gerechtfertigt“. Außerdem seien Lebensmittel mit Mosh oder Moah nach objektiven wissenschaftlichen Gesichtspunkten bedingt tolerierbar und stellten keine Gefahr für die Verbrauchergesundheit dar.

Hier finden Sie das Schreiben des Lobbyverbandes BLL.

Ist Moah krebserregend?

Foodwatch betonte, mit dieser Einschätzung widerspreche der Lobbyverein der gesundheitlichen Einschätzung sowohl durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als auch durch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Insbesondere die aromatischen Mineralöle (Moah) stünden unter Verdacht, krebserregend und erbgutverändernd zu sein; die sogenannten gesättigten Mineralöle (Mosh) reicherten sich in den Körperorganen an und könnten diese schädigen.

„Aldi Süd will mit gutem Beispiel voran gehen – und wird vom Lobbyverband ausgebremst. Der BLL richtet sich klar gegen die Gesundheit aller Verbraucherinnen und Verbraucher. Dem Lobbyverein sind die Mineralöle offenbar zu Kopf gestiegen“, sagte Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer von Foodwatch. Anders als behauptet, sei die wissenschaftliche Einschätzung klar: Aromatische Mineralölgemische sollten überhaupt nicht in Lebensmitteln vorkommen, weil sie krebsauslösende und erbgutschädigende Verbindungen enthalten können.

Verbrauchertäuschung?

Der BLL wehrt sich gegen die Vorwürfe. In einer Pressemitteilung wirft er Foodwatch vor, Verbraucher bewusst in die Irre zu führen. „Foodwatch hat damit ein Lehrstück der Verbrauchertäuschung abgeliefert. Wissentlich und willentlich versucht Foodwatch einmal mehr, einen Skandal zu inszenieren, wo keiner ist. Die Organisation verdreht erneut Sachverhalte und Zitate“, erklärt BLL-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff. Fakt sei, dass sogenannte Mineralöl-Stoffgemische heute überall vorhanden seien. Die moderne Analysetechnik erlaube es, geringste Mengen nachzuweisen, vergleichbar einem Roggenkorn in einem Zug mit 30.000 Waggons. „Man kann heutzutage überall in allem fast alles nachweisen“, betonte Minhoff . Es sei zudem absolut richtig und werde vom BLL nicht geleugnet, dass es sich bei Moah um Stoffgemische handele, bei denen nicht auszuschließen sei, dass sich darunter Substanzen befänden, die krebserregend wirken könnten. „Mineralölrückstände müssen deshalb minimiert werden“, so der Verbandschef. „Dies geschieht seit Jahren durch die Lebensmittelbranche sehr erfolgreich.“

Aldi Süd verlangte Maßnahmen

Aldi Süd hatte im Februar seine Lieferanten schriftlich aufgefordert, Maßnahmen gegen Mineralölverunreinigungen zu ergreifen – bei Aldi-Eigenmarken sollten in Zukunft „keine Mineralölbestandteile im Lebensmittel nachweisbar“ sein. Daraufhin habe sich der Lobbyverband BLL in einem Rundschreiben direkt an Aldi Süd sowie an die BLL-Mitglieder und den Handelsverband, um den Discounter dazu zu bewegen, diese Lieferantenvorgaben zurückzunehmen, berichtete Foodwatch.


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