08.12.2015, 07:30 Uhr

Rente, Kindergeld, Wohngeld Das ändert sich 2016: Einkommen und Abgaben

Ab Juli 2016 erhalten Rentner mehr Geld – das bedeutet allerdings auch, dass einige von ihnen nun steuerpflichtig werden. Foto: dpaAb Juli 2016 erhalten Rentner mehr Geld – das bedeutet allerdings auch, dass einige von ihnen nun steuerpflichtig werden. Foto: dpa

dpa/pm Berlin. Arbeitnehmer und Familien werden im nächsten Jahr steuerlich erneut geringfügig entlastet. Wir haben die wichtigsten Änderungen 2016 bei Einkommen und Abgaben zusammengestellt.

Kindergeld: Das Kindergeld wird ab 2016 um weitere 2 Euro je Kind und Monat angehoben. Das Kindergeld für das erste und das zweite Kind beträgt damit monatlich jeweils 190 Euro, für das dritte Kind 196 Euro und für das vierte und jedes weitere Kind jeweils 221 Euro. Vom kommenden Jahr an muss die Steuer-ID des Kindes sowie des Elternteils, das Kindergeld erhält, angegeben werden. (Weiterlesen: Änderung bei Kindergeld: Ab 2016 ist die Steuernummer nötig)

Unterhalt: Trennungskinder haben vom Jahreswechsel an Anspruch auf höheren Unterhalt. In der neuen, bundesweit gültigen „Düsseldorfer Tabelle“ werden die Bedarfssätze von Millionen unterhaltsberechtigten Kindern am 1. Januar 2016 zum zweiten Mal seit August erhöht. Der Mindestunterhalt steigt für Kinder bis zum fünften Lebensjahr um 7 auf 335 Euro. Sechs- bis Elfjährige haben Anspruch auf 384 Euro (+ 8 Euro). 12- bis 17-Jährige bekommen mindestens 450 statt 440 Euro monatlich. Die Unterhaltssätze der höheren Einkommensgruppen steigen entsprechend gestaffelt. Volljährige Kinder, die studieren und nicht bei ihren Eltern wohnen, haben künftig sogar Anspruch auf 735 Euro statt bislang 670 Euro im Monat. Darin enthalten ist ein Wohnkostenanteil von 300 Euro. (Weiterlesen: Ab 1. August: Mehr Unterhalt für Kinder von Alleinerziehenden)

Kinderfreibetrag: Der Freibetrag wird 2016 auf 4608 Euro im Jahr angehoben. Der Kinderfreibetrag steigt um 96 Euro pro Kind, 48 Euro für jeden Elternteil. Er wirkt sich laut Neuem Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL) vor allem bei höherem Einkommen steuermindernd aus. Der Freibetrag für Betreuung, Erziehung oder Ausbildung bleibt unverändert. Die Summe der Freibeträge beträgt damit 2016 pro Kind und Jahr 7248 Euro. (Weiterlesen: Wo und wann beantragen: Geburtsurkunde, Kindergeld und Elterngeld)

Kinderzuschlag: Geringverdiener können unter bestimmten Voraussetzungen bei der Familienkasse der Arbeitsagentur einen Kinderzuschlag beantragen. Ab 1. Juli 2016 gibt es bis zu 160 Euro pro Kind (bislang: 140 Euro). Der Kinderzuschlag wird als Ergänzung zum Kindergeld gezahlt. Einen Anspruch haben Eltern oder Alleinerziehende, die aus ihren finanziellen Mitteln zwar ihren eigenen Bedarf, nicht aber den ihrer Kinder decken können. Das Verfahren zur Berechnung des Kinderzuschlags ist kompliziert, weil es sowohl eine Mindest- als auch eine Höchsteinkommensgrenze gibt. Nur wer mit seinem Einkommen zwischen diesen beiden Werten liegt, hat überhaupt Anspruch auf den Kinderzuschlag. Der Kinderzuschlag muss bei der zuständigen Familienkasse beantragt werden.

Rentenversicherung: Die neue monatliche Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung (West) steigt ab Januar 2016 von 6050 auf 6200 Euro (74.400 Euro jährlich). Ab Januar 2016 liegt die Beitragsbemessungsgrenze (Ost) bei 5400 Euro im Monat (2015: 5200 Euro); jährlich sind das 64800 Euro. Bis zu diesen Einkommensgrenzen müssen Arbeitnehmer im nächsten Jahr Beiträge zur Rentenversicherung bezahlen. In der knappschaftlichen Rentenversicherung werden die Grenzen für die Beitragsbemessung im nächsten Jahr bei 7650 Euro/Monat (West), also 91800 Euro jährlich, und für die östlichen Bundesländer bei 6.650 Euro/Monat (79800 Euro pro Jahr) liegen. (Weiterlesen: Renaissance der gesetzlichen Rentenversicherung)

Rentenerhöhung: Ab Juli 2016 erhalten die mehr als 20 Millionen Rentner in Deutschland nach vorläufigen Angaben des Schätzerkreises Rentenversicherung ein Plus von 4,3 Prozent (West) und von etwas über 5 Prozent (Ost). Im Schätzerkreis sind Experten der Rentenversicherung, des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sowie der Deutschen Rentenversicherung Bund vertreten. Beispiel: Nimmt man eine monatliche Rente von 1200 Euro an, dann steigt sie bei fünf Prozent brutto um 60 Euro, bei vier Prozent um 48 Euro. Bei einer Rente von 1800 Euro liegt der Anstieg bei 90 beziehungsweise 72 Euro. (Weiterlesen: 70.000 Rentner werden durch Rentenerhöhung steuerpflichtig)

Rentenbesteuerung: Der steuerpflichtige Rentenanteil steigt 2016 von 70 auf 72 Prozent. Somit bleiben nur noch 28 Prozent der ersten vollen Bruttojahresrente steuerfrei. Dieser Anteil gilt für im Jahr 2016 neu hinzukommende Rentnerjahrgänge. Bei Bestandsrenten bleibt der festgesetzte steuerfreie Rentenanteil bestehen.

Flexi-Rente: Die sogenannte Flexi-Rente wird kommen. Darauf hat sich die Koalition in Berlin verständigt. Gemeint ist damit, fließende Übergänge in den Ruhestand zu ermöglichen. So soll sich für Arbeitnehmer stärker als bislang auszahlen, wenn sie über die Altersgrenze von derzeit 65 Jahren und vier Monaten hinaus einer Tätigkeit nachgehen. In Zukunft sollen sie Beiträge in die Rentenversicherung zahlen können, die ihre Rente erhöhen. Aktuell zahlen Arbeitgeber, die einen Rentner beschäftigen, ihren Anteil in die Rentenkasse, ohne dass dies die Rente des Beschäftigten erhöht.

Wohngelderhöhung: Haushalte mit geringem Einkommen dürfen sich im neuen Jahr über mehr Wohngeld freuen. Im Zuge der Reform des Wohngeldrechts steigt das Wohngeld zum Beispiel für einen Zwei-Personen-Haushalt von bisher durchschnittlich 112 Euro im Monat auf im Schnitt 186 Euro.

Höhere Hartz-IV-Regelsätze: Ab 1. Januar 2016 erhalten Empfänger monatlich zwischen 3 und 5 Euro mehr.

Ende der Familienversicherung für Hartz-IV-Bezieher: Ab 1. Januar 2016 entfällt für alle Bezieher von Hartz IV (Jugendliche ab 15 Jahren eingeschlossen) die jetzige Familienversicherung in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Folge: Jeder, der Leistungen erhält, wird künftig eigenständiges Mitglied einer Kranken- und Pflegekasse. Kinder bis 14 Jahren, die Sozialgeld beziehen, bleiben weiterhin in der Familienversicherung ihrer Eltern mitversichert. Durch den Statuswechsel erhalten Hartz-IV-Bezieher das Recht, ab 1. Januar 2016 eigenständig eine neue gesetzliche Krankenkasse zu wählen. Die Mitgliedsbescheinigung der neuen Krankenkasse muss dem jeweiligen Jobcenter bis zwei Wochen nach Eintritt der Versicherungspflicht vorgelegt werden. Denn sonst übernimmt das Jobcenter die Wahl der Kranken- beziehungsweise Pflegekasse und ordnet den Versicherten automatisch der Kasse zu, bei der er vor dem Leistungsbezug versichert war. Die gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse ändern sich durch die eigene Pflichtversicherung nicht. Bei der Wahl der neuen Krankenkasse können jedoch der Service der Krankenkasse oder freiwillige Zusatzleistungen eine Rolle spielen. (Weiterlesen: Immer mehr Menschen beziehen soziale Mindestsicherung)

Krankenversicherung: Zum 1. Januar 2016 werden die sogenannten Beitragsbemessungsgrenzen angehoben: Die bundeseinheitliche Grenze in der Kranken- und Pflegeversicherung steigt von 4125 Euro auf 4237,50 Euro im Monat. Das bedeutet: Für diese 112,30 Euro mehr an Verdienst werden nun noch Beiträge für die Kranken- und Pflegekasse erhoben. Erst das gesamte Einkommen oberhalb von 4237,50 Euro bleibt beitragsfrei. Der Höchstbetrag zur gesetzlichen Krankenversicherung (nur Arbeitnehmeranteil – ohne Zusatzbeitrag) steigt dadurch auf 309,34 Euro im Monat an (bisher: 301,13 Euro). Bundesweit klettert die Versicherungspflichtgrenze von 54.900 auf 56.250 Euro im Jahr – bis zu diesem Einkommen müssen sich Arbeitnehmer bei der gesetzlichen Krankenkasse versichern. Der Wechsel in die private Krankenversicherung wird 2016 erst ab einem Monatseinkommen von 4687,50 Euro (56.250 Euro im Jahr) möglich sein. 2015 reichte für einen Wechsel bereits ein Bruttogehalt von 4575 Euro im Monat aus. (Weiterlesen: Krankenkassenbeiträge steigen im Schnitt auf 15,7 Prozent)

Bafög-Erhöhung für Schüler und Studenten: Mit Beginn des Schuljahres 2016 beziehungsweise ab dem Wintersemester 2016/17 werden die BAföG-Bedarfssätze um sieben Prozent angehoben: Studierende mit eigener Wohnung können dann bis zu 735 Euro monatlich (bislang 670 Euro) erhalten. Wer noch bei den Eltern wohnt, kann maximal 537 Euro (bisher: 495 Euro) an BAföG beziehen.

Auch die Freibeträge für das Elterneinkommen steigen um sieben Prozent, sodass mehr Studenten und Schüler Anspruch auf diese Leistung haben werden. Gab es zum Beispiel für verheiratete Eltern bislang zusammen einen Freibetrag von 1.605 Euro, so steigt dieser ab dem Wintersemester 2016 auf 1.715 Euro. Die Sätze für die Beihilfe zur Berufsausbildung steigt ebenso um sieben Prozent.Außerdem dürfen BAföG-Empfänger künftig mehr hinzuverdienen, ohne dass sich dies negativ auswirkt: Ein sogenannter Minijob kann wieder kontinuierlich bis zur vollen Höhe von 450 Euro ohne Anrechnung auf BAföG-Leistungen ausgeübt werden. Zudem wird der Freibetrag für jegliches eigenes Vermögen von 5.200 Euro auf künftig 7.500 Euro angehoben. Zugleich werden für Auszubildende/Studenten mit Unterhaltspflichten gegenüber eigenen Ehegatten, Lebenspartnern und Kindern die zusätzlichen Vermögensfreibeträge von derzeit jeweils 1.800 Euro auf 2.100 Euro erhöht.

Wer im Studium oder in der Ausbildung bereits Nachwuchs hat, bekommt künftig für jedes Kind 130 Euro Zuschlag für die Betreuung (zurzeit 113 Euro für das erste und 85 Euro für jedes weitere Kind). (Weiterlesen: Wie finanziere ich mein Studium?)

Meister-Bafög: Auch die Zuschüsse für Handwerker während ihrer Fortbildung zum Meister werden ab 1. August 2016 erhöht.

Die Höchstbeträge zum Unterhalt steigen dann für Alleinstehende von 697 auf 760 Euro im Monat. Für Verheiratete mit einem Kind klettert der Fördersatz von 1222 auf 1238 Euro, bei zwei Kindern von 1332 auf 1473 Euro. Für Alleinerziehende wird er von 907 auf 1.003 Euro angehoben; außerdem erhalten sie einen Zuschlag zur Kinderbetreuung von künftig 130 Euro. Die Einkommensfreibeträge steigen für die Teilnehmer an den Fortbildungen von 255 auf 290 Euro, für Ehegatten von 535 auf 570 Euro und je Kind von 485 auf 520 Euro. Darüber hinaus sind Verbesserungen sowohl bei Zuschüssen als auch beim Darlehensanteil der Förderung vorgesehen. Wer zum Beispiel die Abschlussprüfung eines Meisterkurses besteht, soll künftig 30 Prozent seines Darlehens als „Erfolgsbonus“ erlassen bekommen – bisher sind es nur 25 Prozent.

Quellen: dpa/Verbraucherzentrale NRW


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