15.04.2015, 17:23 Uhr zuletzt aktualisiert vor

EU-Statistik Gebildete nutzen soziale Medien mehr – außer in Deutschland

In Deutschland nutzen die Menschen mit keiner oder einer formal niedrigen Bildung häufiger soziale Netzwerke als Menschen mit einem formal hohen Bildungsgrad. Foto: dpaIn Deutschland nutzen die Menschen mit keiner oder einer formal niedrigen Bildung häufiger soziale Netzwerke als Menschen mit einem formal hohen Bildungsgrad. Foto: dpa

Osnabrück. Die Nutzung sozialer Medien variiert in Europa stark nach dem Bildungsgrad der Menschen. Eine EU-Statistik zeigt: Je mehr Bildung die Menschen in Europa haben, desto eher nutzen sie soziale Medien wie Facebook und Twitter – außer in Deutschland und der Schweiz.

Formal hohe Bildung

In Deutschland nutzten im Jahr 2014 nur 42 Prozent der Menschen mit einem formal hohen Bildungsabschluss soziale Medien, wie eine Statistik EU-Statistikbehörde Eurostat zeigt. Mit diesem Wert belegte Deutschland in der Statistik den letzten Platzin der Rangliste und lag weit unter dem EU-Durchschnitt von 57 Prozent. Nur die Schweiz (47 Prozent) und Frankreich (48) lagen ebenfalls unter der Fünfzigprozentmarke. In allen anderen Ländern nutzten Menschen mit hoher Bildung zu mindestens 50 Prozent soziale Medien. In Island war der Anteil mit 85 Prozent am höchsten, dort nutzten zudem auch Menschen mit keiner, niedriger und mittlerer Bildung soziale Medien zu mehr als 80 Prozent.

Keine oder niedrige Bildung

Demgegenüber nutzten 51 Prozent der Deutschen ohne oder mit formal niedriger Bildung Facebook und Co. Hier belegte Deutschland den achten Platz und lag weit über dem EU-Durchschnitt von 34 Prozent. Island führte mit 82 Prozent, es folgten Norwegen (72 Prozent), Dänemark (71) und Schweden (62). Schlusslichter waren Griechenland, Bulgarien (je 18), Rumänien (19) und die Türkei (23). Doch auch in vielen anderen Ländern Europas nutzte weniger als ein Drittel der Menschen mit keiner oder niedriger Bildung soziale Medien.

Und warum ist das so?

Zumindest teilweise könnten die Werte im unterschiedlichen Zugang zum Internet begründet sein. Beispiel: 2014 hatten 96 Prozent der luxemburgischen Haushalte einen Internetzugang, aber nur 57 Prozent der bulgarischen (Deutschland: 89 Prozent). Im selben Jahr hatten 96 Prozent der isländischen Haushalte ein internetfähiges Gerät, aber nur 42 Prozent der türkischen Haushalte (Deutschland: 77 Prozent). Einen sicherer Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit des Internets, der Nutzung sozialer Medien und dem Bildungsgrad der Menschen lassen diese Zahlen aber nicht zu.

Psychologin: Zahlen skeptisch betrachten

Julia Becker, Psychologieprofessorin an der Uni Osnabrück, sieht einen direkten Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau und der Social-Media-Nutzung kritisch. „Denn wenn man sich die Tabelle genauer anschaut, ist es in Dänemark beispielsweise so, dass Personen mit hoher Bildung zu 70 Prozent soziale Medien nutzen und Personen mit niedriger Bildung zu 71 Prozent. Das legt eine Nullkorrelation, also keinen Zusammenhang, zwischen Bildung und Nutzung sozialer Medien in Dänemark nahe“, sagt Becker.

Instagram nutzen Reiche

Indes kommt eine aktuelle Studie des Pew Research Center zu dem Ergebnis, dass das Bildernetzwerk Instagram sowie Snapchat die Sammelbecken reicher Kinder und Jugendlicher sind. Dort könnten sie ihre Reichtümer entsprechend zeigen. Kinder und Jugendliche mit vergleichsweise einkommensschwachen Eltern hingegen halten sich den Ergebnissen zufolge primär bei Facebook auf. Je mehr die Eltern verdienen, desto seltener sind ihre Kinder auf Facebook unterwegs. In diesem Fall sind Einkommen und Bildung aber nicht zu verwechseln.


Die Zahlen geben den Anteil der Personen zwischen 16 und 74 Jahren wieder, die an sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook teilgenommen haben. Dazu gehört das Erstellen eines Profils, das Schreiben von Nachrichten und sonstigen Beiträgen wie Posts und Tweets. Alle Zahlen gibt es hier.

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