18.03.2015, 14:58 Uhr

Namensberatungsstelle Warum darf ein Kind Matt-Eagle heißen?


Osnabrück. Warum dürfen Eltern ihren Kindern seltsame Vornamen wir Milka, Matt-Eagle oder Fanta geben? Die Linguistin Gabriele Rodriguez arbeitet bei der Namensberatungsstelle der Universität Leipzig und erzählt aus ihrem Alltag.

Namen wie „Milka“, „Popo“ oder „Matt-Eagle“ sorgen immer wieder für Kopfschütteln. Doch sie sind gestattet. „Jeden kuriosen Vorschlag muss man für sich betrachten“, betont Gabriele Rodriguez. Seit 1994 berät die Linguistin Eltern in der Namensberatungsstelle der Universität Leipzig. Denn nicht jedem Wunsch der Eltern wird stattgegeben: Abgelehnt wurden schon „Borussia“, „Waldmeister“ oder „Crazy Horse“.

„Es gibt in Deutschland keine per se verbotenen Vornamen“, sagt Rodriguez. Theoretisch ist also alles erlaubt, auch Neuschöpfungen. Diese müssen allerdings klar als Vornamen erkennbar sein. Das letzte Wort bei der Entscheidung über einen Kindernamen haben immer die Standesbeamten. „Ist man sich dort nicht sicher über den Namen, rät man den Eltern, sich an uns zu wenden“, erzählt Rodriguez. Der gewünschte Name werde daraufhin geprüft. „Die an uns gerichteten Anfragen kommen aus allen Schichten der Gesellschaft“, sagt Rodriguez. (Weiterlesen: Matt-Eagle und Despot: Die kuriosesten Vornamen für Kinder)

Entschieden wird nach vier Hauptkriterien: Kindeswohl, die eindeutige Geschlechtszuordnung, seriöse Quellen, die den Vornamen schon in der Vergangenheit belegen, und die klare Klassifizierung als Vorname. Beispiel: „Der Mädchenname ,Borussia‘ ist zwar belegt, aber wir haben ihn getestet – und ob und jung oder alt: Jeder setzte ihn nur mit dem Fußballverein in Verbindung.“ Im Gutachten stand dies dann so. Der Name hatte beim Standesamt keine Chance.

Früher englisch, heute exotisch

Wurden vor zehn Jahren eher Gutachten für englische Namen gefordert, sind es heute die exotischen Namen, die von der Stelle der Universität untersucht werden. „Englische Namen sind in der deutschen Gesellschaft angekommen und fallen auf den Standesämtern gar nicht mehr auf“, sagt Rodriguez. „Summer oder Moon sind keine Seltenheit mehr.“ Gerade in großen Städten werden außergewöhnliche Namen von den Standesbeamten oftmals ohne Gutachten durchgewunken, so die Linguistin. (Weiterlesen: Pepsi, Winnetou und Pumuckel: Ein Leben mit seltsamen Vornamen)

Heute fragen vermehrt Familien mit Migrationshintergrund, ob der von ihnen gewählte Name genommen werden kann. „Bi-Nationale Familien oder gut integrierte Ausländer wollen mit dem Namen ihrer Kinder an ihre Herkunft erinnern.“ So ist auch der Mädchenname „Milka“ zu erklären: „Er hat nichts mit der Schokoladenmarke zu tun, sondern hat einen südslawischen Ursprung.“ Und auch der Mädchenname „Fanta“ hat seine Ursprünge außerhalb Deutschlands, nämlich in Afrika. Daher bekam er auch ein positives Gutachten. (Weiterlesen: Seltsame Kindernamen: Von „Fanta“ und „Lafayette“) Der Name „Matt-Eagle“ erklärt sich ebenfalls sehr einfach: „Matt“ ist ein gängiger Name aus dem englischsprachigen Raum. „Eagle“ (auf Deutsch : Adler) kann mit Bindestrich zugefügt werden. Unglücklicherweise klingt „Matt-Eagle“ so jedoch wie Mettigel, was im Internet für Spott sorgt,

„23“ oder „Wikileaks“

Ablehnend reagierte die Namensberatung etwa auf „Kirsche“, „23“ oder „Wikileaks“. Doch hinter jeder Anfrage steckt eine Geschichte, so wie bei der „23“: Ein Vater aus Hamburg wollte seine Tochter so nennen, weil seine geliebte Oma am 23. Geburtstag hatte. Den Wunsch eines anderen Paares, ihren Sohn nach dem Indianer-Anführer „Crazy Horse“ zu nennen, erklärt sich so: Die Eltern wollten mit dem Kind nach Kanada auswandern. „,Crazy Horse‘ haben wir nicht zugestimmt. Wir rieten den Eltern daher, ihr Kind nach dem Original-Namen des Indianers zu nennen: ,Tashunka Witko‘. Die Eltern waren einverstanden.“

Und wie erklärt Rodriguez einen Namen wie „Popo“? „Popo ist eine historische Kurzform, unter anderem zu germanischen Namen mit den Elementen Bod- wie Bodbert oder Folk-/Volk- sowie von Robert. Als solche seit dem 14. Jahrhundert belegt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurde er allerdings nicht mehr vergeben. Und ich weiß auch von keinem Fall, bei dem Eltern ihr Kind heute so genannt haben.“


Wer sich einen ungewöhnlichen Namen für sein Kind wünscht und beim Standesamt auf Unverständnis stößt, kann sich bei der Namensberatungsstelle der Universität Leipzig wie auch bei der Gesellschaft für Deutsche Sprache (GFDS) Hilfe holen: Bei beiden können Eltern sich ein Gutachten über die Eintragungsfähigkeit des Namens ausstellen lassen. Allerdings gibt es keine Garantie, dass die Gutachten positiv beschieden werden. Gutachten aus Leipzig kosten bis zu 40 Euro, die der GFDS zwischen 25 und 45 Euro.

Kriterien für das Gutachten sind das Kindeswohl, die eindeutige Geschlechtszuordnung, seriöse Quellen, die den Vornamen schon in der Vergangenheit belegen, und die klare Klassifizierung als Vorname. Nicht bestätigt wurden daher Wörter aus der Alltagssprache (Blitz), Eigenkreationen ohne Vornamencharakter (de Sunny) oder Städtenamen (Celle).

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