01.03.2015, 12:34 Uhr

Migräne und Kreislaufprobleme Wetterfühligkeit ist bei Experten umstritten

Manche Migränepatienten schieben ihre Beschwerden aufs Wetter. Foto: ImagoManche Migränepatienten schieben ihre Beschwerden aufs Wetter. Foto: Imago

Osnabrück. Migräne, Gelenkbeschwerden und Kreislaufprobleme gehören zu den häufigsten Symptomen von Wetterfühligkeit. Ob es die aber gibt, ist bei Experten umstritten.

Laut Statista glauben 55 Prozent der Deutschen, wetterfühlig zu sein. Angela Schuh, Professorin für Medizinische Klimatologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, unterscheidet in ihrem Buch „Biowetter – Wie das Wetter unsere Gesundheit beeinflusst“, drei unterschiedliche Arten von Wetterfühligkeit: die Wetterreagierenden, die Wetterfühligen und die Wetterempfindlichen. (Weiterlesen: Zu milder Winter geht zu Ende: Über 20 Grad im Januar)

Wetterreagierend sind ihrer Ansicht nach alle Menschen, denn das sei die natürliche Reaktion des Körpers auf Umweltreize, wie etwa schwitzen bei Hitze oder frieren bei Kälte. Das würde allerdings nicht als besondere Belastung wahrgenommen, sondern der Mensch passe sich an die Gegebenheiten an. Wetterfühlige würden dagegen besonders auf Wetterveränderungen reagieren: „Diese Menschen nehmen an sich völlig normale Reaktionen des Körpers verstärkt wahr“, schreibt Schuh. Das führe zu einer Beeinflussung ihres Befindens und würde ihre Lebensqualität senken.

Bei wetterempfindlichen Menschen würden im Gegensatz zu den nur Wetterfühligen bereits vorhandene Krankheiten wie Asthma oder Rheuma verstärkt. (Weiterlesen: Was ist der meteorologische Frühlingsanfang?)

Wie Angela Schuh schreibt, sind es etwas mehr Frauen als Männer und häufiger über 60-Jährige als unter 30-Jährige. Die Professorin schreibt weiter, dass der wichtigste Grund für Wetterfühligkeit der Mangel an körperlicher Aktivität ist. Zudem würden die Menschen immer mehr Zeit in Innenräumen verbringen, deshalb sei es der Körper nicht mehr gewohnt, schnell auf Wetterveränderungen zu reagieren. Außerdem sei Wetterfühligkeit auch ein emotionales Erlebnis: „Betroffene verfügen offensichtlich über eine besonders deutliche Wahrnehmung ihres körperlichen Zustands und neigen dazu, an sich normale Regulations- und Anpassungsvorgänge besonders stark zu bewerten. Wetterfühligkeit äußert sich somit auch als emotionale Überempfindlichkeit“, so Schuh. Sie rät Betroffenen, mit Kneipp-Anwendungen oder Saunabesuchen die Gefäße zu trainieren sowie regelmäßig zügig spazierenzugehen. Auch autogenes Training und Meditation könnten Betroffenen helfen, sich wohler zu fühlen.

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Jürgen Kleinschmidt, der bis zu seinem Ruhestand im März 2010 Professor für Balneologie (Bäderkunde) und Klimatologie an der Universität München war, hält wenig von Biowetter. Er glaubt, dass die persönliche Verfassung das Wohlbefinden maßgeblich beeinflusst. Doch alles, was über die selbstverständlichen körperlichen Reaktionen hinausgehe, sei kaum belegt. Die bisher zu diesem Thema geführten Studien lieferten keine verlässlichen Ergebnisse.

Kleinschmidt glaubt, das Wetter werde häufig als Sündenbock benutzt, obwohl der Grund für Beschwerden möglicherweise ein anderer ist: „Natürlich geht es den Menschen oft wirklich nicht gut, aber das kann auch am Alkohol des Vorabends liegen, am Stress im Beruf oder an Schlafmangel.“ Gebe man dem Wetter die Schuld, sei es quasi Schicksal und man müsse nicht weiter nach den Gründen suchen – und brauche nichts zu ändern. (Mit dpa)


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