17.02.2015, 15:24 Uhr

Ohne Smartphone in der Hosentasche In der Fastenzeit verzichten Jugendliche auf ihr Handy

Sieben Wochen ohne Handy? Für viele Jugendliche undenkbar. Doch in der Fastenzeit probieren viele, auf das Smartphone zu verzichten. Foto: dpaSieben Wochen ohne Handy? Für viele Jugendliche undenkbar. Doch in der Fastenzeit probieren viele, auf das Smartphone zu verzichten. Foto: dpa

kna Bonn. Aufstehen, Smartphone einschalten, WhatsApp-Nachrichten checken: Das Smartphone gehört bei fast allen Jugendlichen zum Alltag. Ein Leben ohne Handy? Undenkbar. Aber vielleicht für ein paar Tage oder für sieben Wochen in der Fastenzeit 2015, die am Aschermittwoch beginnt.

Es soll tatsächlich Jugendgruppen und Klassen geben, die sich am sogenannten Handyfasten beteiligen. Dabei bleibt das Smartphone während der Fastenzeit – zumindest teilweise – aus. Das berichtet Markus Merkle von der Medienpädagogischen Onlineplattform „Handysektor“. Auch in diesem Jahr hat er wieder bundesweit zum Handyfasten aufgerufen. Im vergangenen Jahr hätten sich rund 30 Schulen zurückgemeldet, die die Aktion durchgeführt haben. „Es sind aber bestimmt noch viel mehr“, sagt Merkle. (Weiterlesen: Was bedeutet die Fastenzeit eigentlich?)

„Mit der Aktion wollen wir fragen, ob wir wirklich noch ohne Handy leben können“, sagt der Pädagoge. Er selbst will jedes Jahr zwischen Karneval und Ostern mindestens eine Woche ohne Smartphone auskommen. Damit komme es allerdings zu Situationen, die das Leben schwerer machen, hat Merkle erfahren. „Spontan abklären, in welcher Bar man abends ist, geht dann nicht mehr.“ Und auch die App für den Öffentlichen Nahverkehr müsse durch den gängigen Fahrplanaushang ersetzt werden.

Reflektion der eigenen Mediennutzung in der Fastenzeit 2015

Ziel des Handyfastens sei es, die eigene Mediennutzung kritisch zu reflektieren. Die Jugendlichen sollen sich fragen, „wann sie ihr Handy wirklich brauchen und wann es manchmal auch einfach nur ein Zeitvertreib ist“, sagt Merkle. Ein paar Tage würden dafür bereits reichen. „Wir wissen aber auch von Menschen, die es 40 Tage durchgehalten haben“, berichtet er. Manche Schulen griffen für die Smartphone-freie Zeit sogar zu drastischen Mitteln: Aus den Handys werden die Sim-Karten entnommen oder sie werden im Schultresor verschlossen. (Weiterlesen: Auf diese Dinge wird in der Fastenzeit auch noch häufig verzichtet.)

Der Verzicht fällt den Schülern nicht leicht. „Jetzt so langsam nervt mich dieses Projekt wirklich“, notierte Alina schon am dritten Tag in das Tagebuch, in das sie im vorigen Jahr während der Fastenzeit schreiben sollte. „Ich fange wirklich an zu leiden.“ Solche Aussagen zeigten die Abhängigkeit von dem elektronischen Lebensbegleiter. Wenn diese aber durchbrochen werde, könnten neue und positive Erfahrungen gemacht werden. Im vergangenen Jahr erreichte ihn die E-Mail der 13-jährigen Charlotte: „Wenn ich mich mit meinen Freundinnen treffe, haben wir viel mehr Spaß und können uns auch länger unterhalten.“

Kommunikation nur noch mit dem Smartphone

Jeder deutsche Jugendliche verbringt im Schnitt zehn Stunden täglich mit Medien. Den größten Teil davon nimmt das Smartphone ein, da es viele herkömmlichen Medien wie Radio, Fernseher oder Spielkonsole ersetzt. „Ein Smartphone macht abhängig“, meint Merkle zur „Generation Kopf unten“. Zwar könne nicht von einer Sucht gesprochen werden. Aber dennoch bestehe eine gesellschaftliche Abhängigkeit. Wer nicht mobil zu erreichen sei, verschwinde schnell aus dem Bewusstsein. „Denn wenn das Handy fehlt, fehlt auch der Kommunikationskanal zu den Freunden.“ (Weiterlesen: So verzichten die Menschen in der Fastenzeit.)

Schokolade ist out – jetzt wird auf das Handy verzichtet

Schokolade fasten könne jeder, betont der Medienexperte. Der Verzicht auf das Handy sei eine andere Liga. Die Schüler brächen damit alte Muster auf und wendeten sich wieder Dingen zu, die durch das Handy uninteressant geworden sind: Sie reden direkt mit Freunden, lesen Bücher oder werden besser in der Schule. Aber auch wenn es nicht zu diesen positiven Nebeneffekten kommt - „ein Tag ohne das Ding in der Tasche kann auch einfach sehr schön sein“.


Was ist der Aschermittwoch?

Der Aschermittwoch ist der erste Tag der 40-tägigen Fastenzeit bis Ostern (die Sonntage werden nicht mitgerechnet). 40 Tage deshalb, weil in der Bibel steht, dass Jesus solange in der Wüste gefastet hat. In der Aschermittwochsmesse bekommen katholische Gläubige ein Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet. Das soll sie an die Vergänglichkeit des Lebens erinnern: Asche zu Asche, Staub zu Staub.

Nach dem sündigen Karneval sollen sich die Menschen bewusst machen, dass sie im Prinzip jederzeit tot umfallen können und sich dann vor Gott verantworten müssen. Die Karnevalisten treffen sich an Aschermittwoch zum Fischessen. Fisch war früher vielerorts eine typische Fastenspeise, weil er billig zu haben war.

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