13.02.2015, 15:53 Uhr

Tourstart in München Roboter hitchBOT trampt auch zu den Jecken

Jetzt auf Tour in Deutschland: Der sprechende Roboter „hitchBOT“, der im Sommer gut 6000 Kilometer durch Kanada trampte, ist von München aus per Anhalter zu einer zehntägigen Tour durch Deutschland gestartet. Foto: dpaJetzt auf Tour in Deutschland: Der sprechende Roboter „hitchBOT“, der im Sommer gut 6000 Kilometer durch Kanada trampte, ist von München aus per Anhalter zu einer zehntägigen Tour durch Deutschland gestartet. Foto: dpa

Osnabrück. Jede Jeck is anders: Der sprechende Roboter hitchBOT, der in München zu einer zehntägigen Tour durch Deutschland startet, will auch am Rosenmontagszug in Köln teilnehmen. Er soll dort auf dem Wagen des Dreigestirns mitfahren. . Auf hitchBOTs Reiseplan stehen außerdem Schloss Neuschwanstein, Berlin, Sylt, das Ruhrgebiet, Frankfurt und der Osten Deutschlands mit Görlitz. Im vergangenen Sommer war der Roboter quer durch Kanada getrampt.

Zu seinem Deutschland-Trip wird der Roboter am Freitag nach Einbruch der Dunkelheit an der Autobahn A96 bei Unterföhring aufbrechen. Eingeladen hatte ihn das Pro-Sieben-Magazin „Galileo“. Über seine Erlebnisse hält er seine Fans auf seiner Webseite auf dem Laufenden. Und damit es was zu erzählen gibt, bittet der Roboter seine deutschen Freunde, ihn doch zu Partys und Veranstaltungen mitzunehmen. Vorschläge nehmen hitchBOT beziehungsweise seine menschlichen Helfer über Facebook, Twitter und Instagram entgegen.

Bei seiner Kanada-Rundreise im letzten Sommer erlebte der Roboter viele Highlights, wie er auf seiner Webseite berichtet. Unter anderem war er Gast auf einer Hochzeit und nahm an einer Zeremonie mit kanadischen Ureinwohnern teil. Auch zum Essen wurde er eingeladen. Die Gastgeber servierten ihm einen Teller mit Schrauben und Maschinenöl.

Rund 35000 Menschen hatten die Nordamerika-Reise damals bei Twitter verfolgt. Die Zahl der Fans des „hitchBOT“ auf Facebook kletterte auf fast 50000.

Der Roboter setzt sich aus einem Mülltonnendeckel und einer Kuchenform als Kopf zusammen. Der Körper besteht aus einem Bierfass und einem Kindersitz. Seine Arme und Beine sind aus Kupferrohr, Schwimmnudeln, Gummihandschuhen und Gummistiefeln zusammengesetzt. So hat der Roboter ein kleines Problem: Er kann sich nicht aus eigener Kraft bewegen und ist beim Reisen darauf angewiesen, dass er von hilfsbereiten Menschen mitgenommen wird. Autofahrer müssen den knapp acht Kilogramm schweren Typen in ihr Fahrzeug hieven. Bei ihnen bedankt sich hitchBOT dann mit einer gepflegten Kommunikation: Der Roboter kann auf Fragen antworten und von sich aus eine Unterhaltung beginnen. So erzählt er gerne ein bisschen von seiner Kanada-Reise und plaudert über seine Hobbys Fußball, Hockey, Backen, Reiten. Außerdem kennt der Roboter seinen Standort und ist über die Sehenswürdigkeiten informiert, die er besucht.

Aber auch aktuelle Entwicklungen sind ihm bekannt: „Ich kann es kaum erwarten, mich mit Euch auf Deutsch zu unterhalten, zum Beispiel über den Kölner Karneval oder Manuel Neuer“, schreibt er in einem Tweet an seine deutschen Fans.

Seine erstaunlichen Fähigkeiten hat hitchBOT seiner Erfinderin Frauke Zeller (Ryerson University, Toronto) zu verdanken. Die in Kanada lebende Deutsche hat ihn gemeinsam mit ihrem Kollegen David Harris Smith (McMaster Universität, Hamilton) entwickelt. Vor seiner Tour durch Deutschland war in den vergangenen Wochen intensives Pauken deutscher Vokabeln angesagt. Unter anderem soll hitchBOT die Worte „Currywurst“ und „Feierabend“ gelernt haben.

Und welche Fragestellung bewegt seine Schöpfer? Anstatt „Können Menschen Robotern vertrauen?“ zu fragen, möchten die Kommunikationswissenschaftler aus Kanada wissen, ob ein Roboter den Menschen vertrauen kann. Im Mittelpunkt ihrer Forschung steht die Frage: „Wie ist das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine, und inwieweit vergessen Menschen, dass sie einen Roboter vor sich haben?“

Florian Röhrbein, Informatiker an der Technischen Universität München, sieht die Tour als ein soziologisches Experiment für die Roboter-Mensch-Beziehung, bei der Ängste abgebaut werden könnten. Er weist auf die vielen Vorbehalte hin, die es gebe, Roboter in der Pflege einzusetzen. Am Ende des Trips wollen hitchBOTS Erfinder vergleichen, ob der Roboter in Kanada oder in Deutschland mehr willkommen war.(Mit dpa )


Die Eventwoche „hitchBOT erobert Deutschland“, von Freitag, den 13. bis Sonntag, den 22. Februar, jeweils um 19.05 Uhr und „Galileo Spezial hitchBOT: Ein Roboter auf Reisen“ Per Anhalter durch Deutschland“, am Sonntag, 22. Februar, um 19.05 Uhr auf Pro Sieben.

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