20.10.2014, 11:10 Uhr

Nach Konzerten und Diskobesuchen Ohrenpiepen ist ein Zeichen überbelasteter Hörzellen

Lkws erzeugen bei hohem Tempo einen Lärmpegel von 90 Dezibel - so laut wie in einer Diskothek. Foto: dpaLkws erzeugen bei hohem Tempo einen Lärmpegel von 90 Dezibel - so laut wie in einer Diskothek. Foto: dpa

Osnabrück. Drückende Bässe, hohe Töne und vor allem laut: So stellen sich viele den Besuch von Diskotheken und Konzerten vor. Doch Ärzte warnen vor zu starker Belastung der Ohren durch hohe Lautstärke. Irreversible Hörschäden können die Folge sein, sagt Burkhard Riepenhoff, Pressesprecher des für den Gesundheitsdienst zuständigen Landkreises Osnabrück.

Diskotheken und Konzerte leben von guter Musik - und die muss meistens laut sein. Das menschliche Ohr wird bei Veranstaltungen mit hoher Lautstärke derart beansprucht, dass langfristige Hörschäden keine Ausnahme mehr sind. Besonders Musik in hohen Tönen kann das hochsensible Innenohr überlasten, sagt das Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin. Das führt häufig zu dem Gefühl, Watte in den Ohren zu haben oder ein Piepen wahrzunehmen. Sollte es so weit kommen, brauchen die Ohren erstmal Ruhe.

Keine Lautstärkevorgabe in Diskotheken

Laut Landkreis-Sprecher Riepenhoff gebe es kein Gesetz, dass die Lautstärke in Diskotheken einschränkt. In der Technischen Anweisung (TA) Lärm aus dem Bundesemissionsschutzgesetz werde lediglich vorgeschrieben, dass Lärm ausgesetzten Mitarbeitern bei einer Durchschnittsbelastung zwischen 80 und 85 Dezibel Ohrenschutz vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden muss. „Der Arbeitnehmer entscheidet aber selbst, ob er den Ohrenschutz trägt oder nicht“, sagt Riepenhoff. Bei Open-Air-Konzerten beispielsweise würden die Mitarbeiter meistens Micky-Maus-Ohrenschützer tragen - „und das aus gutem Grund“, sagt der Sprecher.

In Diskotheken werden verschiedenen Messungen zufolge Lärmpegel zwischen 90 und 110 Dezibel erreicht. „Die Diskotheken haben zwar keine gesetzliche Vorschrift, die Besitzer haben sich aber auf eine freiwillige Selbstbeschränkung mit maximal 90 Dezibel geeinigt“, so Riepenhoff. Im normalen Alltag sind Pegel bis zu 60 Dezibel der Normalfall. Einen Pegel von 90 Dezibel erreichen beispielsweise Lkw im hohen Tempo.

Ob Lärm dem Gehör schadet, hängt neben dem Schallpegel vor allem von der Belastungsdauer ab. Die unregelmäßigen Besuche von Konzerten oder Diskotheken führen also nicht direkt zu Hörschäden, solange dem Ohr nach solchen Belastungen genug Pause gegeben wird. Die größte Gefahr sehen Ärzte aber ohnehin bei den gerade bei Jugendlichen beliebten In-Ear-Kopfhörern, sagt Riepenhoff: „Sie erzeugen direkt vor dem Trommelfell Lärm und können zu irreversiblen Hörschäden führen.“

Rauschen im Ohr ist eine normale Reaktion

Das Rauschen oder Piepen in den Ohren, das viele Menschen nach starker Lautstärkebelastung verspüren, ist ein Zeichen von überbelasteten Hörzellen, sagt das Landesamt für Gesundheit Berlin. Die starken Schwingungen der Bässe drücken vom Trommelfell bis ins Innenohr. Daraus entsteht ein Taubheitsgefühl, das sich in Piepen und Rauschen äußert. Nach solchen Belastungen brauchen die Ohren viel Ruhe, dann klingen die Taubheitsgefühle wieder ab. Sollten die Ohren sich innerhalb von zwei Tagen nicht erholt haben, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Einmalige sogenannte Traumatisierungen des Ohres sind ungefährlich. Wird das Ohr aber regelmäßig stark belastet, kommt es auf Dauer zu Hörschäden in Form von Schwerhörigkeit. Das Tückische daran ist, dass diese Folgen erst einige Jahre nach der eigentlichen Belastung auftreten. Wer als Jugendlicher also oft und lange laute Musik gehört hat, muss im höheren Alter mit Schwerhörigkeit rechnen. „Ärzte empfehlen, möglichst immer präventiv Gehörschutz zu tragen“, sagt Burkhard Riepenhoff. Inzwischen gibt es spezielle Ohrstöpsel, die das Ohr auch bei Konzert- und Diskobesuchen schützen. Ansonsten sollte man während des Feierns öfter mal ruhigere Bereiche aufsuchen, damit sich das Ohr erholen kann.


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