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30.05.2014, 12:31 Uhr KOLUMNE

Auge in Auge mit Insekten: Zehn Tipps für Makro-Aufnahmen

Von Dr. Christof Haverkamp


Osnabrück. Makro-Aufnahmen sind ein beliebter Zweig der Fotografie. Käfer, Bienen, Grashalme erscheinen riesig – eine ganz neue Perspektive. Spinnen oder tote Fliegen sind für den Makro-Fotografen nicht lästig, sondern interessante Motive. Aber die Makrofotografie hat auch ihre Tücken. Wer ein paar Tipps beachtet, kann sich über bessere Bilder freuen.

Liebe Fotofreunde,

kürzlich habe ich mir ein Makro-Objektiv zugelegt. Nun verfolge ich Hummeln und Bienen, wenn sie von Blüte zu Blüte fliegen. Der Jagdinstinkt ist geweckt, aber ohne irgendeine Absicht zu töten. Die „Beute“, sprich die Aufnahmen, haben mich begeistert: Auf dem Computerbildschirm erscheinen selbst die winzigen Augen, Beine und Fühler groß. Auch ein Würfel, ein Streichholz oder Pflanzen im Gegenlicht, im Original nur so groß wie mein Daumen, sehen riesig aus. Faszinierend an der Makrofotografie ist, dass man Details sieht, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind.

Ein preiswerter Einstieg

Vorher habe ich gelegentlich mithilfe eines Retroadapters Nahaufnahmen gemacht. Das war ein preiswerter Einstieg. Dieser Retroadapter macht es möglich, das Objektiv umgekehrt an der Spiegelreflex-Kamera zu schrauben, das heißt, mit dem Filtergewinde statt mit dem Bajonett. Einen Reproadapter für Spiegelreflexkameras der gängigen Marken bekommt man zum Beispiel hier für rund 25 Euro. Falls das Filtergewinde einen anderen Durchmesser hat, wird noch ein Anpassungsring benötigt (ca. 10-13 Euro), und es empfiehlt sich, zusätzlich einen Protection-Ring zu kaufen. Dieser Ring schützt wie sonst ein Filter das Objektiv und die Kontakte gegen Kratzer (ca. 30 Euro). Ist alles aufgeschraubt, erscheinen die Motive vergrößert wie unter einer Lupe – also zwei-, drei-, oder viermal so groß wie im Original.

Alles in allem ist die Arbeit mit dem Retroadapter eine kostengünstige Methode und gut für den Einstieg. Bequem ist sie allerdings nicht. Die Blende lässt sich zum Beispiel nur umständlich einstellen (wie es geht, ist hier zu sehen), und faktisch lassen sich nur unbewegte Objekte fotografieren (Schnecken gehen gerade noch). Die Schärfentiefe ist extrem gering, und man braucht zwingend ein Stativ. Gut, wenn die Kamera eine „Live-view“-Funktion hat, um am Monitor exakt scharf stellen zu können. Die Kaufentscheidung für ein Makro-Objektiv erleichtert hat mir zusätzlich die Tatsache, dass der Retroadapter oder der Anpassungsring mehrmals festklemmten und nur noch mit einer Zange wieder zu lösen waren. Aus Furcht vor einer Beschädigung des Objektives setze ich ihn vorerst nicht mehr ein. Aber möglicherweise ist das ein Einzelfall.

Eine weitere Möglichkeit in der Makrofotografie sind Nahlinsen und Zwischenringe, aber da kenne ich mich ebenso wenig aus wie mit Balgengerät oder Makroschlitten.

Nun also zu den Aufnahmen mit einem Makroobjektiv. Wenn man ein paar Dinge beachtet, macht das Ganze viel Freude.

1. Welche Brennweite sollte das Objektiv haben? Angeboten werden Makroobjektive mit den Festbrennweiten 50mm, 90-100mm und 180 mm. Nun kommt es darauf an, was man ablichten möchte. 50mm-Objektive sind zum Beispiel für Insekten nicht gut geeignet, weil man sehr nah rangehen muss, und dann fliegen die scheuen Tiere weg. Eine größere Fluchtdistanz ist daher besser. 180mm-Objektive wiederum haben den Nachteil, dass sie sehr schwer sind und man verwacklungsfrei fast nur mit Stativ arbeiten kann. Viele Fotografen halten daher eine Brennweite um die 100mm für einen guten Kompromiss. Diese Objektive sind auch gut für Porträtaufnahmen geeignet.

2. Frühaufsteher haben Vorteile – morgens lassen sich in der Natur die besten Makro-Aufnahmen von Pflanzen und Tieren machen. Es ist windstill oder noch so kalt, dass sich die Insekten nicht bewegen. Einen besonderen Reiz machen Tautropfen aus, beispielsweise auf einem Spinnennetz.

3. Wer Insekten scharf fotografieren will, braucht eine kurze Verschlusszeit (1/200 oder kürzer), denn die kleinen Tierchen fliegen enorm schnell. Dafür am Einstellrad links auf der Kamera TV (für Time value) einstellen und die Verschlusszeit eingeben. Die Kamera passt die Blende automatisch an. Um eine kurze Verschlusszeit und zugleich eine nicht zu kleine Blendenzahl – und damit eine zu geringe Schärfentiefe – zu bekommen, ist in vielen Fällen eine ISO-Zahl von 800 günstig.

4. Beim Scharfstellen immer auf die Augen der Insekten zielen. Sollten sich an der Kamera die Autofokusfelder einstellen lassen (AF-Messfeldwahl, was das ist, müsste in der Gebrauchsanweisung der Kamera stehen), empfiehlt es sich, nur das zentrale Messfeld zu aktivieren. Gerade am Anfang muss jeder Fotograf übrigens damit leben, dass er sehr viel unscharfe Aufnahmen produziert. Schmetterlinge oder Ameisen haben einfach die schlechte Angewohnheit, sich rasch wieder zu entfernen. Es erfordert daher ein wenig Übung, rechtzeitig auszulösen. Aber es ist ja kein Problem, den Ausschuss von der Speicherkarte zu löschen.

5. Von der Seite sehen die kleinen Lebewesen interessanter aus als von oben. Außerdem ist dann der Schärfebereich größer. Also: Auf Augenhöhe mit der Hummel, Wespe, Biene, Libelle, Schmetterling oder Frosch! Eine Alternative sind Aufnahmen von vorne, die sehen auch spannend aus.

6. Wer morgens im nassen Gras Insekten fotografieren will, sollte eine Isomatte mitnehmen, damit er nicht nass wird.

7. Bei unbewegten Motiven ist es am besten, sie mit dem Stativ aufzunehmen. Dann spielen die Verschlusszeit und damit die Verwacklungsgefahr keine Rolle. Um die Schärfentiefe zu erhöhen, empfiehlt sich eine große Blendenzahl, etwa 11, 16 oder 22.

8. Makro-Aufnahmen wirken vorteilhafter, wenn der Hintergrund möglichst ruhig ist und keine störenden Elemente den Betrachter ablenken. Ein unscharfer Hintergrund schadet nicht, im Gegenteil.

Warum Styroporplatten nützlich sein können

9. Wenn die Sonne scheint, kann man die Schattenseite mit einem Reflektor aufhellen. Solche Reflektoren sind für etwa 30 Euro über das Internet zu beziehen. Aber Styroporplatten, die ja oft im Verpackungsmüll landen, tun es zum Aufhellen auch. Um weicheres Licht zu bekommen, setzen Fotografen einen Diffusor ein. Er besteht aus einem halb-lichtdurchlässigem Material und besteht meistens aus Nylon.

10. Ein Problem bei Makroaufnahmen ist die sehr geringe Schärfentiefe, die oft nur einige Zehntelmillimeter ausmacht. Eine Lösung für unbewegte Objekte bietet Focus stacking (wörtlich: Fokus stapeln). Bei diesem Verfahren werden mehrere Einzelbilder von einem Motiv aufgenommen und die Schärfe jeweils auf einen anderen Bereich gelegt - zum Beispiel hinten, Mitte und vorne. Eine spezielle Software verrechnet dann die Einzelbilder und fügt die schärfsten Bereiche zusammen. Als kostenlosen Download gibt es das englischsprachige Programm Combine ZP. Herunterladen kann man es hier . Dazu gibt es auch eine Anleitung auf deutsch .

Unterschiedliche Meinungen haben Makro-Fotografen übrigens, was den Einsatz von Blitzlicht bei Insekten-Aufnahmen angeht. Die eine Fraktion sieht darin ein geeignetes Mittel, Fotos zu optimieren, die andere Gruppierung lehnt sie ab, weil sie nicht die Tiere stören will.

Nun noch zwei Linktipps: Eine eine gute Anleitung in die Makrofotografie bietet das Internetportal kwerfeldein und Spezialfragen werden im Makro-Forum beantwortet. Der Buchtipp empfehle ich das Taschenbuch Makrofotografie von Alexander Dacos , Edition Fotohits. Es kostet 17,95 Euro und bietet gut zusammengefasst wichtige Hinweise..

Zum Schluss noch eine Frage an Biologen. Zeigt das Bild oben eigentlich ein Marienkäfer-Paar oder sind es Mutter und Kind?

Gut Licht!

Christof Haverkamp

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