06.03.2014, 16:55 Uhr

Berühmte Langlebigkeit Dem Geheimnis des Alterns in Japan auf der Spur

Die Japanerin Misao Okawa ist die älteste Frau der Welt. Was ist ihr Geheimnis? Foto: ReutersDie Japanerin Misao Okawa ist die älteste Frau der Welt. Was ist ihr Geheimnis? Foto: Reuters

Tokio. In Japan leben die meisten Hundertjährigen der Welt. Am Mittwoch hat die älteste Frau der Welt in einem Altenheim in Osaka ihren 116. Geburtstag gefeiert. Japanische Forscher glauben, dem Geheimnis für die berühmte Langlebigkeit der Menschen auf die Spur gekommen zu sein.

Für ihr großes Fest hat sich Misao Okawa hübsch gemacht. Im pinken Kimono und mit Blümchen in dem für ihr Alter erstaunlich dichten Haar erschien sie zum Fototermin anlässlich ihres 116. Geburtstags. „Köstlich!“, sagte sie mit einem Lächeln, nachdem sie ein großes Stück ihres Geburtstagskuchens – Sahnetorte mit frischen Erdbeeren – verspeist hatte.

„Es war ganz schön lang“, erklärte Okawa auf die Bitte der Journalisten nach einem Kommentar zu ihrem langen Leben. Sie ist eine von nur noch fünf lebenden Personen, die im 19. Jahrhundert geboren wurden. Sie erlebte den russisch-japanischen Krieg und zwei Weltkriege. Während sie als Kind noch die Anfänge des Automobils miterlebte, kann sie nun im Fernsehen die ersten Straßentests mit fahrerlosen Autos verfolgen.

Seit 80 Jahren Witwe

Okawa hat 1919 mit 21 Jahren geheiratet und ist seit fast 80 Jahren Witwe. Sie hat drei Kinder, vier Enkel und sechs Urenkel. „Es geht ihr gesundheitlich sehr gut“, erklärte ein Pfleger des Altenheims in Osaka, in dem sie seit 18 Jahren lebt. Neuerdings habe sie besonders viel Appetit und habe in nur sechs Monaten vier Kilogramm zugelegt, so der Pfleger. Das Lieblingsessen der alten Dame ist Makrelen-Sushi. Doch sie sei auch sonst kein Kostverächter. Sie esse alles, was ihr schmeckt - auch Rindersuppe und Spaghetti. „Sie sagt uns immer, das Geheimnis ihres langen Lebens sei gutes Essen und genug Entspannung“, erklärte der Pfleger der versammelten Weltpresse.

Im vergangenen Februar wurde Okawa mit 114 Jahren von der Guinness-Gesellschaft zur ältesten lebenden Frau der Welt gekürt. Vier Monate später, nach dem Tod eines 116-jährigen Japaners, bekam sie auch noch den Titel des ältesten lebenden Menschen der Welt.

Nirgendwo leben die Menschen so lange wie in Japan. Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 86,4 Jahren stehen Japans Frauen an der Weltspitze. Die Männer rangieren mit durchschnittlich 79,94 Jahren an fünfter Stelle. Mehr als 54.000 Japaner sind bereits älter als 100 Jahre, 24 von ihnen sogar älter als 110 Jahre.

Als Gründe für die Langlebigkeit der Japaner vermuten Experten unter anderem die fettarme japanische Küche sowie die körperliche Betätigung bis ins hohe Alter.

Suche nach dem Erfolgsrezept

Jahrzehntelang gehörte die subtropische Inselkette Okinawa zu den Orten mit der längsten Lebenserwartung der Welt. Zwar nimmt die dortige Lebenserwartung angesichts des rasant zunehmenden Konsums von Fastfood ab, doch noch immer suchen Forscher aus aller Welt in der traditionellen Okinawa-Küche nach dem Schlüssel für die sagenhafte Langlebigkeit der Inselbewohner.

Nicht die berühmte knubbelige Bittergurke Goya, sondern Getto, ein ingwerähnliches Gewächs, sei das Langlebigkeitsgeheimnis der lokalen Küche, behauptet der Agrarwissenschaftler Shinkichi Tawada von der University of the Ryukyus in Okinawa. Jüngste Experimente mit Würmern hätten gezeigt, dass die Tiere, die täglich mit Getto-Blätern gefüttert wurden, im Durchschnitt 22,6 Prozent länger lebten als die Kontrollgruppe. Die Pflanze enthält besonders viel von dem Antioxidans Resveratol, welches unter anderem auch in Weintrauben vorkommt. Antioxidantien verhindern im Körper das Entstehen von so genanntem oxidativen Stress, welcher als mitverantwortlich für den Alterungsprozess und die Entstehung vieler Krankheiten gilt.

„Heute wird Getto bereits in Kosmetika eingesetzt, aber das ist nur ein kleiner Teil des Potenzials“, sagt Tawada. Möglicherweise eigne sich die Pflanze auch als eine Art Langlebigkeitsmedizin. Rekord-Greisin Okawa hat die Blätter hingegen noch nie gegessen. Die Küche in ihrer Heimat Osaka gilt als – für japanische Verhältnisse – eher deftig.


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